Max Einhäupl

Charité-Streik - Klinik-Chef warnt vor Versorgungsengpässen

Charité-Chef Max Einhäupl sieht keine Möglichkeit für die Klinik, die Forderungen von Verdi zu erfüllen.

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Charité-Chef Karl Max Einhäupl ist frustriert und verärgert. Er sieht das Universitätsklinikum beim unbefristeten Streik des Pflegepersonals mit Forderungen konfrontiert, die es nicht erfüllen könne. Die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi legt vom kommenden Montag nicht für höhere Gehälter die Arbeit nieder, sie will mehr Pflegekräfte und damit bessere Arbeitsbedingungen. 600 neue Stellen müssten an der Charité eingerichtet werden, wenn künftig eine Pflegekraft nur noch fünf Patienten betreuen soll, hat die Klinikleitung ausgerechnet. Auf den Intensivstationen soll der Schlüssel laut Verdi sogar nur eins zu zwei betragen. Das würde, so Einhäupl, 36 Millionen Euro pro Jahr kosten und sei nicht zu finanzieren. Europas größtes Universitätsklinikum kämpfe bei einem Umsatz von 1,4 Milliarden Jahr für Jahr darum, rote Zahlen zu vermeiden. Im vergangenen Jahr wurde ein Überschuss von 7,4 Millionen Euro erwirtschaftet.

Im Grundsatz hat Einhäupl „durchaus Verständnis für die Situation und die Sorgen der Pflegenden“, wie er am Mittwoch bekannte. Es müsse mehr Geld für die Pflege in den Krankenhäusern bereitgestellt werden – da gebe es keine grundsätzliche Differenz zur Position von Verdi. Nur müsse das von Bund und Ländern entschieden und dann von den Krankenkassen finanziert werden. An der Charité laufe die Forderung der Gewerkschaft ins Leere, kritisierte Einhäupl. Daher lehne er den Streik ab.

Der Arbeitskampf werde zu erheblichen Versorgungsengpässen führen, warnte Einhäupl. „Er wird für die Patienten spürbar sein, und das ist wohl auch gewollt“, sagte er. Ulrich Frei, der Ärztliche Direktor des Universitätsklinikums, rechnete vor, dass das Haus bereits viel in die Pflege investiert habe. Die Gehälter der Pflegekräfte lägen Ende dieses Jahres um mehr als 30 Prozent über dem Satz von 2011. Es sei zudem in den vergangenen Jahren kein Pflegepersonal abgebaut worden. Und schließlich sei die Charité bereit, etwa 60 zusätzliche Kräfte für die Intensivstationen einzustellen.

Keine Rettungsstelle geschlossen

Verdi reicht das jedoch nicht, daher ruft die Gewerkschaft zum Streik auf. Beide Seiten versichern aber, dass die Notfallversorgung gesichert sei, es werde auch keine Rettungsstelle geschlossen. Allerdings gab Judith Heepe, die kommissarische Pflegedirektorin der Charité, zu bedenken, dass es nicht immer leicht sei, zu entscheiden, was ein Notfall sei. Das gelte etwa für Tumorpatienten. Und Karl Max Einhäupl erinnerte an die Ängste, die Patienten in der Regel vor einer OP hätten. Werde dann der Termin abgesagt, noch dazu ohne Alternative, stelle das eine große seelische Belastung für den Kranken dar. „Das Problem wird sehr stark auf dem Rücken der Berlinerinnen und Berliner ausgetragen“, rügte der Vorstandsvorsitzende. Er sorgt sich vor allem wegen des Ausmaßes: Rund 800 Betten in allen Fachbereichen plus 113 Intensivbetten sollen laut Verdi bestreikt werden. In der Gesamtheit entspreche dies fast einem Drittel aller Charité-Betten, warnt die Klinikleitung. Das sei mit einer „geordneten Versorgung“ an der Charité nicht zu vereinbaren und könne auch nicht von anderen Berliner Krankenhäusern ausgeglichen werden.

Kalle Kunkel, Verdi-Sekretär für die Charité, bezeichnete es als „Frechheit“, dass die Klinikleitung nun vor Gericht versuche, das Streikrecht der Mitarbeiter zu beschneiden. Diese würden den Arbeitskampf sehr verantwortungsbewusst den Patienten gegenüber aufnehmen. Es sei der schlechte normale Zustand in der Pflege, der die Patienten gefährde, nicht der Streik. Die 20 Stationen, die dann komplett geschlossen werden, beträfen unter anderem Neurologie, Urologie und Chirurgie. Es werde nur eine Intensivstation komplett bestreikt, dies werde durch andere Intensivstationen aufgefangen. Die Verdi-Forderungen würden lediglich 4,5 Prozent des Personalbudgets ausmachen. Es gebe Finanzierungsspielräume, das hätten auch Universitätskliniken etwa in Baden-Württemberg gezeigt.