Klassenfahrt nach Berlin

Berlin-Knigge für Schüler sorgt bei Twitter für viel Applaus

Ein Berlin-Knigge für Schüler einer neunten Klassen begeistert die Nutzer des Kurznachrichtendienstes Twitter. Was dahinter steckt, ist unklar. Außerordentlich lustig ist er aber auf jeden Fall.

Foto: Twitter / MSVerstaendlich

Man darf gespannt sein, wie sich die Schülerinnen und Schüler der 9b kommende Woche tatsächlich in Berlin verhalten. Vor vier Tagen, am 8. Juni, hat eine Lehrerin einen Berlin-Knigge unter dem User-Namen „MsVerstaendlich“ auf Twitter gepostet. Und der ist großartig.

Hauptthema mit vier von zehn Ratschlägen ist das Verhalten in den öffentlichen Verkehrsmitteln, vor allem BVG und S-Bahn. Der Knigge beginnt mit einer grundsätzlichen Information für Ortsfremde: „Bahnen fahren prinzipiell in zwei Richtungen oder im Kreis“ heißt es unter Position 1. Der Ratschlag der besorgten Lehrkraft lautet: „Seid ihr in die falsche Richtung unterwegs, braucht ihr nicht panisch in eine Tüte zu atmen und eure Mitmenschen verrückt zu machen. Es reicht, an der nächsten Station auszusteigen und die Bahn in die Gegenrichtung zu nehmen.“

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Wirklich dankbar dürfte jeder andere BVG-Nutzer für Hinweis Nummer 2 sein: „Man isst keine übelriechenden Nahrungsmittel in der Bahn oder im Aufzug.“ Oder Punkt 3: „Nichts - aber wirklich nichts! - ist so wichtig, dass man unmittelbar nach dem Aussteigen aus der Bahn direkt vor der Tür stehen bleiben muss, um es genau dort zu erledigen.“

Viel Humor, ein bisschen schwarze Pädagogik und Berlin-Erfahrung zeichnen die Autorin aus - das Weiterlesen lohnt sich. So schreibt MsVerstaendlich: „Niemals mittig oder links auf einer Rolltreppe stehen bleiben. Wenn euch dann jemand anpöbelt, hat er recht. Vielleicht schubst er euch auch ein bisschen. Auch das muss ich gutheißen.“

Die Schüler der Klasse 9b dürften 14, 15 oder 16 Jahre alt sein. Hochzeit der Pubertät also. So findet sich denn unter Punkt 8 der Hinweis: „Junge, leicht bekleidete Frauen, die euch freundlich ansprechen, sind nicht zwangsläufig einfach nur nett. Vielleicht arbeiten sie auch gerade.“

Es scheinen trotzdem noch recht brave Schüler zu sein. Denn es findet sich keine einzige mäßigende Regel zu dem Stichwort Alkoholkonsum.

Wer hinter MsVerstaendlich steckt, wissen wir nicht genau. Aber wir haben mit ihr gesprochen. In einem Telefonat mit der Berliner Morgenpost bitte sie um Anonymität. „Auf Twitter schreibe ich privat, mit nur gelegentlichen Hinweisen auf meinen Beruf.“ Und sagt: “Ja, ich bin Lehrerin.“ Ihre Stimme klingt jung. Sie sei Anfang 30, verrät sie noch.

Die Schüler der 9b werden in einem Hotel nahe der Charité unterkommen. MsVerstaendlich ist nicht dabei, sie sei keine Klassenlehrerin der 9b, die Schüler ihr aber ans Herz gewachsen.

MsVerstaendlich denkt bei ihrem „kleinen Berlin-Knigge“ vor allem an die Berliner. „Ich war schon oft in Berlin, das erste Mal übrigens auf Klassenfahrt, und habe andere Touristen erlebt. Dass Berliner sich genervt fühlen, kann ich nachvollziehen. Ich möchte, dass wenigstens unsere Schüler sich ordentlich verhalten.“

Punkt 10 im Berlin-Knigge lautet übrigens: „Bringt mir was Schönes mit.“ Wir drücken die Daumen, dass auch das klappt.