Dresdner Bahn

Tunnel macht BER-Trasse um 95 Millionen Euro teurer

Umstrittene Trassenführung: Mit Unterführung kostet die Dresdner Bahn laut neuer Schätzung 95 Millionen Euro mehr. Die Strecke gilt als wichtige Anbindung des Flughafens BER an die Innenstadt.

Foto: Bernd Settnik / dpa

Seit 18 Jahren wird um die Dresdner Bahn gestritten, jetzt liegen der Berliner Morgenpost Kostenschätzungen des Bundesverkehrsministeriums zu verschiedenen Trassenführungen vor. Demnach wäre ein Bahntunnel mit rund 225 Millionen Euro Kosten um etwa 95 Millionen teurer als die Wiederaufnahme des Verkehrs zu ebener Erde.

Ungefähr 130 Millionen müssten Bund und Land hierfür einplanen. Eine dritte Variante sieht einen Tunnel für den Fern-, Regional- und Güterverkehr vor, die S-Bahn dagegen bliebe oberirdisch. Mit 360 Millionen Euro ist diese Option die teuerste, bestehende Bahnhofsanlagen müssten verlegt werden.

Mit rund 100 Millionen Euro Mehrkosten für die Tunnellösung, die vor allem die Anwohner fordern, hatten Experten der Bahn immer gerechnet. Allerdings stellt das Verkehrsministerium nun klar, dass es dabei nicht bleiben werde. Denn der Planfeststellungsbeschluss des Eisenbahn-Bundesamtes für die von der Bahn gewünschte ebenerdige Schienenführung soll bereits zur Jahresmitte vorliegen.

Sollten sich Bund und Land nun für den Tunnel entscheiden, würden verlorene Planungsausgaben ebenso wie die neue Genehmigungsplanung die Kosten erhöhen. Zusätzlich würde sich die für 2023 ins Auge gefasste Inbetriebnahme der Dresdner Bahn um Jahre verzögern. Die nach dem Mauerbau stillgelegte Strecke gilt als wichtige Anbindung des Flughafens BER an die Innenstadt.

Zeitplan sei nicht mehr einzuhalten

Verkehrssenator Andreas Geisel (SPD) verweist zwar in Fragen der Trassenführung gern auf die Entscheidungshoheit der Parlamente in Bund und Land, sagt aber: "Wer sich für einen Tunnel ausspricht und dafür Geld auf den Tisch legt, muss den Berlinern und den anderen Bundesländern erklären, warum die schnelle Verbindung zwischen Hauptbahnhof und BER weitere acht Jahre auf sich warten lassen soll, voraussichtlich bis 2030."

Interaktive Übersicht: Ist der BER schon fertig?

Im Koalitionsvertrag von 2011 hatten sich SPD und CDU in Berlin noch zur Tunnellösung bekannt. Die CDU bleibt bei dieser Haltung. Fraktionschef Florian Graf hält auch die Zeitverschiebung für hinnehmbar: "Für die Flughafenanbindung ab 2017 ist ohnehin ein Provisorium notwendig. Dieses kann bestehen bleiben, bis ein Tunnel fertiggestellt ist", sagt er der Morgenpost.

Tatsächlich, so stellt der Tempelhof-Schöneberger Bundestagsabgeordnete Jan-Marco Luczak (CDU) fest, sei der Zeitplan auch beim Festhalten an der oberirdischen Trasse obsolet. Denn die Bürgerinitiative Dresdner Bahn will gegen diese Variante, die Lichtenrade zerschneiden würde, klagen. "Der Ausgang eines Gerichtsverfahrens ist zudem ungewiss. Nach meiner Einschätzung haben die Bürger gute Chancen, diesen Prozess zu gewinnen", so Luczak.

Verkehrssenator Geisel löst Irritationen aus

Auf Bundesebene lösen die als Abkehr von der Tunnellösung interpretierten Äußerungen des Berliner Verkehrssenators Irritationen aus. Vor einer Festlegung auf eine bestimmte Trasse, so ein Sprecher des Verkehrsministeriums, werde ein Lärmgutachten erstellt. "Bis zur Sommerpause wollen wir mit dem Land Berlin klären, welche Variante weiter verfolgt werden soll."

Unklar ist auch noch, wer welchen Investitionsanteil trägt. Nach Morgenpost-Informationen geht man beim Bund davon aus, dass Berlin 50 Prozent übernimmt. "Berlin muss seinen Landesanteil erbringen", zeigt sich Graf wenig überrascht. Dieser könne über eineinhalb Jahrzehnte auf die Haushalte verteilt werden.

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