Streik

Ab Freitag streiken in Berlin die Briefträger

Die Streikwelle in Berlin hält an. Nach Lokführern und Briefverteilzentren sind jetzt die Brief- und Paketzusteller dran. Und auch im Einzelhandel stehen alle Zeichen auf Arbeitskampf.

Foto: Sebastian Kahnert / dpa

Die Berliner müssen sich in den kommenden Wochen und Monaten auf weitere Arbeitskämpfe und Streiks in verschiedenen Dienstleistungsbranchen einstellen. Das kündigte die Landeschefin der Gewerkschat Verdi Berlin-Brandenburg, Susanne Stumpenhusen, im Gespräch mit der Berliner Morgenpost an. So stünden im Einzelhandel eine Tarifrunde und auch für die Berliner Kindertagesstätten als Folge eines möglichen Tarifergebnisses der bundesweiten kommunalen Kitas Verhandlungen über eine Aufwertung des Erzieher-Berufes an. „Wenn wir in den Verhandlungen nicht zu Potte kommen, gebe es die üblichen probaten Mittel“ im Arbeitskampf, sagte Stumpenhusen.

Bei der Post erhöht Verdi den Druck. Die Gewerkschaft kündigte am Donnerstag einen Streik der Paket- und Briefzusteller in ganz Berlin und dem Umland sowie an zahlreichen Orten in Brandenburg an. „Wir werden knapp zweitausend Tarifbeschäftigte der Post AG am Freitag ab Arbeitsbeginn in den frühen Morgenstunden zu ganztägigen Arbeitsniederlegungen aufrufen“; sagte Benita Unger, Fachbereichsleiterin Post und Paketdienste. Die Arbeitsniederlegungen sollen bis zur nächsten Verhandlungsrunde andauern. Diese ist für Mittwoch und Donnerstag kommender Woche vorgesehen. Bis dahin dürften in der Hauptstadt keine Postsendungen ausgeliefert werden. Bisher hatte Verdi seine Warnstreiks auf die Paketverteilzentren konzentriert, um ihre Forderung nach einer Verkürrzung der Arbeitszeit von 38,5 auf 36 Stunden bei vollem Lohnausgleich durchzusetzen.

Die Fronten bei der Post sind verhärtet. Nach Ansicht von Verdi hat die zum Teil bundeseigene Post AG mit der Gründung der Tochterfirma DHL Delivery den Vertrag über den Schutz vor Fremdvergabe von Aufträgen gebrochen. Außerdem wirft Verdi dem Unternehmen vor, besonders die befristet beschäftigten Arbeitnehmer unter Druck zu setzen und im Falle einer Streikbeteiligung damit zu drohen, die Arbeitsverträge nicht zu verlängern.

Bei der Post sei „ein Wandel in der Unternehmenskultur eingetreten, den sich die Beschäftigten vor zehn Jahren nicht hätten vorstellen können“, sagte Verdi-Landeschefin Stumpenhusen. Befristet beschäftigte Kollegen bekämen das Angebot, in die DHL Delivery zu wechseln „mit 20 Prozent weniger Geld“. Die Arbeitsdirektorin habe in einer Betriebsversammlung, die befristeten Mitarbeiter als ‚Befüllmasse‘ bezeichnet. „Das ist ein Ton, den es bei der Post so bislang nicht gab“, sagte Stumpenhusen.

Der nächste Streik droht in Berlin im Einzelhandel. Hier hat sich die Gewerkschaft zum Ziel gesetzt, die auch 25 Jahre noch bestehenden Einkommensunterschiede zwischen Ost und West in einem neuen Tarifvertrag abzuschaffen. Im bereits drei Wochen laufenden Streik der Geldboten der Firma Prosegur wollen Gwerkschaft und Beschäftigte am Freitag beraten, wie sie den Druck weiter erhöhen können. Der Ausstand führt dazu, dass es an vielen Geldautomaten und Bankschaltern in der Region an Bargeld mangelt. Der Arbeitskampf im brandenburgischen Nahverkehr ist hingegen mit einem Kompromiss beendet worden. Alle Beschäftigten erhalten 100 Euro mehr im Monat.