Straßenverkehr

Mit mehr Vollsperrungen will Berlin schneller bauen

Senator Geisel will Berlins Baustellen anders organisieren. Er kündigt „weniger Komfort für Autofahrer“ an. Zugleich soll schneller und auch am Wochenende gebaut werden. Zudem gibt es mehr Personal.

Foto: Sergej Glanze / Glanze

Straßenbaustellen sollen in Berlin künftig schneller genehmigt und die Arbeiten auch zügiger abgeschlossen werden. Stadtentwicklungssenator Andreas Geisel kündigte im Gespräch mit der Berliner Morgenpost an, die zuständige Behörde Verkehrslenkung Berlin (VLB) personell aufzustocken und den Bauablauf zu beschleunigen: „Wir werden auch am Wochenende bauen“, sagte der Sozialdemokrat. Außerdem will er Straßenabschnitte auch sperren, damit die Baufirmen Platz und Ruhe zum Arbeiten haben. Es sei „sinnvoll, kurzzeitige Vollsperrungen in verkehrsarmen Zeiten, zum Beispiel am Wochenende, zu genehmigen“.

Seit Jahren klagen Bürger und vor allem die Bauwirtschaft über die mangelhafte Arbeit der Verkehrslenkung, die die Einrichtung einzelner Baustellen anordnen und auch jede dem Baufortschritt folgende Änderung der Verkehrsführung genehmigen muss. Der Aufwand ist beträchtlich, es geht um bis zu 100.000 Straßenbaustellen pro Jahr in der Stadt.

>>> Lesen Sie HIER das Interview mit Berlins Bausenator Andreas Geisel. <<<

Wegen extremen Personalmangels blieben zahlreiche Anträge unbeantwortet, Bezirke und andere Bauherren konnten Geld für notwendige Investitionen ins Straßennetz nicht ausgeben. Im vergangenen Herbst hatten Bauunternehmen sogar mit Baggern und Lastwagen vor dem Amtssitz des damaligen Bausenators und heutigen Regierenden Bürgermeisters Michael Müller (SPD) demonstriert, weil Aufträge im Wert von 100 Millionen Euro liegen geblieben seien.

Der Antragsstau soll abgearbeitet werden

Müllers Nachfolger Geisel will das Problem nun lösen. Er sagte zu, bis zur Jahresmitte den Antragsstau abgearbeitet zu haben. Die offenen Stellen würden bis Sommer besetzt, zusätzliche Mitarbeiter würden eingestellt, vor allem auf der Bezirksebene.

Die VLB sei inzwischen permanent telefonisch erreichbar – das war sie vorher nicht immer. Die Behörde führe nun Kooperationsgespräche mit allen Bezirken, um verbindliche Jahresprogramme zu vereinbaren. Solche Kontakte hätten die Personalengpässe zuletzt verhindert. Geisel räumte ein, dass die angestrebte Beschleunigung auch mit geringerem Komfort für Verkehrsteilnehmer verbunden sein könne. „Wir werden die Service-Standards da absenken, wo es verkehrlich machbar ist“, kündigte der Senator an. So würden nicht alle Ampeln in den Umleitungsstrecken an die veränderte Verkehrsführung angepasst. Auch kleinteilige Bauabschnitte sollten vermieden werden. Und es könne auch zu Vollsperrungen kommen.

Großer Aufwand, geringe Wirkung an der Invalidenstraße

Das Umdenken begründete der Ressortchef mit den Erfahrungen aus der schon fünf Jahre laufenden Straßenbahn-Baustelle an der Invalidenstraße. Hier habe die VLB mehrere hundert einzelne Anordnungen allein dafür erlassen, um den Verkehrsfluss je nach Baufortschritt neu zu organisieren. Trotz dieses „ungeheuren Aufwands“ hätten sich die Berliner geärgert, denn sie standen dort über Jahre im Stau: „Deswegen setzen wir jetzt auf Geschwindigkeit“, sagte Geisel. Von den Bauherren fordere man, ihre Auftragnehmer zu überwachen, damit auch die ihre Terminpläne einhielten.

Der Strategiewechsel werde zunächst nicht zu weniger Staus führen. Die Zahl der Engpässe werde sogar zunehmen, solange die Verkehrslenkung den Antragsstau abarbeite. Die Substanz der Infrastruktur der Stadt sei nicht gut. „Wir beschweren uns zu Recht über die vielen Schlaglöcher. Das werden wir aber nur verbessern, wenn wir auch bauen“, sagte Geisel. Er könne also nicht versprechen, dass der Verkehr schnell flüssiger wird. Aber er könne versichern, dass besser koordiniert und das vorhandene Geld auch ausgegeben werde. „Über die Jahre wird sich die Lage nachhaltig verbessern“, versprach der Senator.