U-Bahn-Verkehr

U2 am Gleisdreieck für sieben Monate unterbrochen

Der geschichtsträchtige U-Bahnhof wird bereits seit 2009 saniert. Jetzt kommen die Bauarbeiten auf die Zielgerade. Das führt nun zu umfangreichen Änderungen im Zugverkehr auf den Linien U1 und U2.

Die Begrüßung von Uwe Kutscher klang beinahe wie eine Entschuldigung. Der Abteilungsleiter der Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) hatte am Montag in die Unternehmenszentrale in Mitte eingeladen. „Nicht zum ersten, aber hoffentlich zum letzten Mal“, stellte er dort für die kommenden sieben Monate umfangreiche Bauprojekte am Gleisdreieck vor. Die 2009 begonnene Sanierung des gut 100 Jahre alten U-Bahnhofs komme jetzt aber auf die Zielgerade, sagte Kutscher. Zwar werde es auch 2016 noch einige Restarbeiten geben, diese sollen aber ohne Auswirkungen auf den laufenden U-Bahn-Betrieb bleiben, versprach er.

In diesem Jahr allerdings müssen sich die U-Bahn-Nutzer jedoch nochmals auf erhebliche Behinderungen einstellen. Vom 16. April bis voraussichtlich 24. November sorgen die Bauarbeiten am Bahnhof Gleisdreieck für umfangreiche Änderungen im Zugverkehr auf den Linien U1 und U2. Betroffen sind laut BVG-Sprecher Markus Falkner täglich bis zu 70.000 Fahrgäste, die auf den beiden wichtigen U-Bahn-Verbindungen im Innenstadtbereich unterwegs sind.

Die U12 wird wiederbelebt

So wird für den Einbau einer Bauweiche am Gleisdreieck zunächst von Donnerstagfrüh bis Sonntagabend der Zugverkehr auf der U2 (Pankow–Ruhleben) zwischen den Stationen Potsdamer Platz und Wittenbergplatz komplett unterbrochen. Zwischen Potsdamer Platz und Gleisdreieck fahren in dieser Zeit Busse statt Bahnen. Anschließend verkehrt auf dem Nordabschnitt der U2 zumindest jeder zweite Zug von Pankow kommend über den Potsdamer Platz hinaus weiter bis Gleisdreieck.

Dort müssen die Fahrgäste dann die Bahnsteigebene wechseln und in die Züge der für sieben Monate wiederbelebten U12 umsteigen – eine Kombi-Linie, die an die legendäre U1 aus alten West-Berliner Zeiten erinnert. In Kreuzberg nutzt die U12 die angestammte U1-Trasse, in Charlottenburg und Spandau wird der westliche U2-Ast bedient. Die Züge fahren somit zwischen Warschauer Straße und Olympia-Stadion. Und nach Ende der Bahndamm-Bauarbeiten am 29. Mai auch weiter bis Ruhleben. Um dem Ansturm der Fahrgäste gewachsen zu sein, fahren die Züge zudem mit acht statt der üblichen sechs Wagen.

Arbeiten auch an Nollendorfplatz und Bülowstraße

Die U1-Züge pendeln bis Ende November zwischen Uhlandstraße und Wittenbergplatz. Die U2-Strecke zwischen Gleisdreieck und Wittenbergplatz sowie die Station Bülowstraße bleiben in der Zeit komplett gesperrt. „Im Schatten“ der Gleisdreieck-Sanierung werden auch dort dringend notwendige Arbeiten ausgeführt. Unter anderem werden die Dächer an den Bahnhöfen Bülowstraße und Nollendorfplatz neu abgedichtet sowie elf Brücken für die Hochbahnstrecke saniert.

Eine Vielzahl von Arbeiten

„Die Bauzeit mag auf den ersten Blick lang erscheinen“, sagte BVG-Bauchef Uwe Kutscher. „Mit großem logistischen Aufwand ist es uns aber gelungen, eine Vielzahl von Arbeiten zu bündeln. Davon profitieren vor allem unsere Fahrgäste, denn wir können das Großprojekt nun soweit abschließen, dass die restlichen, kleineren Arbeiten im kommenden Jahr ohne Verkehrseinschränkungen umzusetzen sind.“ Während der sieben Monate Bauzeit wollen die Bauleute im Auftrag der BVG Stahlbrücken, Gleiströge und Kabelkanäle sanieren. Auch werden mehr als 5000 Meter Kabel und rund 1000 Quadratmeter Rostschutz erneuert. Schienen auf einem Kilometer Länge werden aus- und wieder eingebaut, mehr als 1000 Tonnen Schotter bewegt.

Damit die U-Bahn künftig leiser fährt und die Bodenbleche besser vor Belastung geschützt sind, werden im Gleisbett zudem Unterschottermatten verlegt. Insgesamt investiert die BVG 35 Millionen Euro in den Bahnhof Gleisdreieck. Wirtschaftlich wäre es wohl sinnvoller, die Station abzureißen und an gleicher Stelle neu zu bauen. „Doch das will der Denkmalschutz nicht, und wir wollen das auch nicht. So eine Stahlkonstruktion mit Tausenden Nietverbindungen ist schon etwas ganz Besonderes“, sagte Kutscher.

Schweres Unglück mit 17 Toten

Das zwischen 1898 und 1902 errichtete Gleisdreieck, das von drei Richtungen aus kreuzungsfrei überquert werden konnte, gehört zu Berlins ältesten U-Bahnhöfen. Traurige Berühmtheit erlangt es, als sich dort 1908 ein schweres U-Bahn-Unglück ereignete. Zwei Züge – einer vom Leipziger Platz, der andere von der Bülowstraße kommend – waren am 26. September auf das Gleisdreieck zugefahren. Beide bogen gleichzeitig in Richtung Möckernbrücke ab, wobei einer der Züge ein auf „Halt“ stehendes Signal überfuhr. Die Bahnen kollidierten, ein Wagen stürzte acht Meter in die Tiefe: 17 Menschen starben, 18 wurden schwer verletzt.

Um solche Unfälle zu verhindern, wurde das Gleisdreieck 1912 in den bis heute bekannten Kreuzungsbahnhof umgebaut. „Baulich hat sich seither nicht viel geändert“, so Kutscher, was jedoch einen entsprechend hohen Sanierungsbedarf zur Folge habe.

Nord-Süd-Tunnel noch bis 3. Mai gesperrt

Der Umfang der Arbeiten ist laut BVG auch der Grund, dass sich die U2-Unterbrechung zumindest für zweieinhalb Wochen mit der Sperrung des S-Bahn-Verkehrs im Nord-Süd-Tunnel überschneidet. „In der Stadt gibt es zwei Gleisnetze, die mit erheblichen Aufwand instand gehalten werden müssen. Überscheidungen lassen sich da nie ganz vermeiden“, sagte BVG-Sprecher Markus Falkner. Zudem habe nicht die BVG, sondern die S-Bahn ihr Bauprojekt zeitlich vom Herbst 2014 auf Anfang 2015 verschoben. Wegen der Tunnelsperrung sind die Linien S1, S2 und S25 noch bis 3. Mai in der Innenstadt unterbrochen. Zur Umfahrung der Baustelle nutzen zahlreiche Fahrgäste auch die U2.