Interview

Senatorin Scheeres will Imame für Berliner Schulen ausbilden

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Andreas Abel und Joachim Fahrun

Foto: Reto Klar

Wie sollen Imame ausgebildet werden, die an Schulen islamischen Religionsunterricht erteilen? Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD) nimmt Stellung. Zweites Thema sind Investitionen in die Charité.

Berliner Morgenpost: Es gab den Plan, in Berlin einen Lehrstuhl für islamische Theologie einzurichten und dort Imame auszubilden. Was ist daraus geworden?

Sandra Scheeres: Ein Institut für islamische Theologie, das ist mein Plan. Aber zum Hintergrund: Im Unterschied zu anderen Bundesländern liegt der Religionsunterricht in Berlin in der Verantwortung der Religionsgemeinschaften. Diese stellen auch die Lehrer ein. Das Thema islamischer Lehrstuhl wurde vor etlichen Jahren schon einmal diskutiert. Es wurde ein Gutachten in Auftrag gegeben, dann wurde jedoch aus verschiedenen Gründen davon Abstand genommen. Jetzt haben wir einen neuen Anlauf unternommen, weil aus meiner Sicht die Ausbildung hier in Deutschland wichtig ist. Die ersten Gespräche wurden geführt, mit unterschiedlichen islamischen Verbänden, und wir haben ein sehr positives Feedback bekommen. Sie haben großes Interesse daran, dass hier Fachleute ausgebildet werden – nicht nur Imame, sondern auch Sozialpädagogen.

Was sagen die Hochschulen dazu?

Wir haben bereits mit der Freien Universität, der Humboldt-Universität und der Alice-Salomon-Hochschule gesprochen. Sie sind sehr offen. Wie gesagt, wir wollen auch nicht nur eine Professur für islamische Theologie einrichten, sondern ein Institut.

Weshalb muss man islamische Sozialpädagogen ausbilden?

Das ist wichtig. In den islamischen Glaubensgemeinschaften wird Jugendarbeit angeboten. Es ist sinnvoll, die Sozialpädagogen, die dort Bildungsarbeit machen, mit ausbilden. Die befassen sich etwa in Projekten mit dem Islam oder kümmern sich um Jugendliche, die in eine extremistische Szene abzudriften drohen. Und an Ganztagsschulen sind auch Sozialpädagogen mit vielen muslimischen Schülern zusammen. Die evangelische und die katholische Fachhochschule legen aus gutem Grund auch einen Schwerpunkt auf die Ausbildung von Sozialpädagogen.

Welchen Umfang soll denn dieses Institut haben, wie viele Professoren?

Dazu gibt es Empfehlungen des Wissenschaftsrates. Wir reden von rund vier Professuren. Zunächst müssen wir nun ein inhaltliches Konzept erarbeiten. Dazu holen wir alle Beteiligten an einen Tisch und richten eine Arbeitsgruppe ein. Dort verständigen wir uns über Inhalte, aber auch darüber, wo wir das Institut ansiedeln. Wir werden auch einen Beirat einrichten, in dem Fachleute verschiedener Institutionen sitzen, die das Konzept im Detail mitdiskutieren.

Mit welchen islamischen Organisationen sprechen Sie? Wer vertritt den Islam? Dieses Problem stellt sich ja auch bei den Überlegungen zu einem Staatsvertrag.

Wir wollen nicht warten, bis wir einen Staatsvertrag haben. Gesprächspartner sind in jedem Fall die im Koordinierungsrat der Muslime zusammengeschlossenen Dachverbände, in Berlin also in erster Linie DITIB, IFB und der Verband der Islamischen Kulturzentren. Diese sind zur Kooperation untereinander und dem Land Berlin bereit. Auch das Islamforum wollen wir einbinden. Mir war wichtig, dass wir einen ersten Schritt machen. Es sind große Verbände, das ist eine Chance.

Wie sieht der Zeitplan aus?

Arbeitsgruppe und möglichst der Beirat sollen noch in dieser Legislaturperiode gebildet werden. Der Studienbetrieb soll zum Wintersemester 2018/19 aufgenommen werden.

Kommen wir zu einem anderen Wissenschaftsthema: die Charité. Berlin hat nicht genug Geld für die Sanierung von Krankenhäusern. Jetzt soll es mehr als 60 Millionen kosten, die denkmalgeschützte Fassade des Klinikums Benjamin Franklin zu sanieren. Halten Sie das für sinnvoll?

Die Charité hat einen großen Sanierungsbedarf. Deshalb stellen wir mit dem Masterplan bereits rund 380 Millionen Euro zur Verfügung. Jetzt kümmern wir uns darum, wie es weitergeht, vor allem auch in Steglitz und Wedding.

Trotzdem bleibt das Problem der Fassade. Da fallen Betonteile ab.

Das ist eine sehr besondere Fassade, sie steht unter Denkmalschutz. Die Frage ist, wie man diesen auslegt. Ich hätte natürlich großes Interesse, eine intelligente Lösung zu finden.

Werden sie deshalb noch einmal beim Denkmalschutz intervenieren?

Das Geld für die Fassade ist noch nicht da. Selbstverständlich werden wir dann darüber reden, wie wir mit der Frage des Denkmalschutzes umgehen können. Da muss sich auch der Vorstand der Charité Gedanken machen.

Es gibt Überlegungen, das Benjamin Franklin zu einem reinen Haus der Krankenversorgung zu machen. Was halten Sie davon?

Gar nichts. Die Charité ist ein Universitätsklinikum und das Benjamin Franklin gehört wesentlich dazu. Dort wird Spitzenforschung betrieben, etwa in der Neurologie oder in der Psychiatrie. Wir brauchen das Benjamin Franklin, um unsere Studierenden auszubilden und für die Patientenversorgung.

Bisher war im Krankenhausplan vorgesehen, dass die Charité noch 300 Betten abbauen muss. Das Universitätsklinikum wehrt sich dagegen. Die Charité sagt, sie müsse groß sein, um exzellent sein zu können. Wird es also zu diesem Bettenabbau kommen?

Dagegen habe auch ich mich gewehrt. 2010 hatte tatsächlich der Senat beschlossen, dass die beiden kommunalen Unternehmen Vivantes und Charité Betten abbauen müssen. Jetzt wächst Berlin. Mein Kollege, Gesundheitssenator Mario Czaja (CDU), sieht in der Krankenhausplanung für die Stadt wieder einen Anstieg der Bettenzahl vor. Da kann ich nicht akzeptieren, dass die Charité weiter Betten abbauen soll. Zumal es auch um inhaltliche Schwerpunkte geht. Das Benjamin Franklin soll sich auf die zweite Lebenshälfte spezialisieren. Dann brauchen wir dort auch Geriatrie-Betten. Wir werden dort 45 solcher Betten einrichten.

Sie halten es also für unsinnig, auf der einen Seite Betten abzubauen und woanders welche aufzubauen?

Genau. Auch die Auslastung in der Charité ist gut. Vor allem aus drei Gründen ist es sinnvoll, dass die Charité die Betten behält: Die Charité nimmt als Universitätsklinikum auch die schwierigsten Patienten auf, behandelt seltene und sehr schwere Krankheiten. Dazu wird auch geforscht. Zudem ist eine ausreichende Anzahl an Patienten wichtig für die Ausbildung der jungen Mediziner. Und schließlich braucht die Charité die Betten aus finanziellen Gründen. Ein Abbau von Betten würde auch Personalabbau bedeuten. Wir sollten stolz darauf sein, diese leistungsfähige Charité zu haben.

Gibt es denn nun eine Einigung zwischen Ihnen und Czaja über den Bettenabbau?

Wir haben lange verhandelt, auch mit dem Finanzsenator. Im Ergebnis wird die Charité 3016 Betten bekommen. Ursprünglich wollte der Gesundheitssenator 2700 Betten durchsetzen. Mit diesem Vorschlag von 3016 Betten gehen wir am Dienstag in die Senatssitzung. Damit ist der Abbau vom Tisch.