Neuer Vorschlag

Zentrale Landesbibliothek könnte am Gleisdreieck entstehen

Auf der Suche nach einem Standort für die ZLB kommt die „Urbane Mitte“ ins Spiel. Die Idee wird nun ernsthaft geprüft. Noch im Rennen sind die Amerika-Gedenkbibliothek und der Ex-Flughafen Tempelhof.

Mit ihrem Vorschlag, das Baufeld „Urbane Mitte“ am Gleisdreieck-Park für den Neubau der Zentralen Landesbibliothek (ZLB) zu nutzen, stößt die Aktionsgemeinschaft Gleisdreieck bei der Senatsverwaltung für Kultur auf Interesse. „Das Areal ist für uns neu. Die Idee wird ernst genommen, ist bereits in die nicht mehr allzu lange Liste möglicher Immobilien und Grundstücke aufgenommen und wird geprüft“, bestätigte Diedrich Wulfert, der Leiter des Büros von Kulturstaatssekretär Tim Renner. Er betonte, es gebe neben dem von vielen favorisierten Standort im Bestandsbau Amerika-Gedenkbibliothek am Kreuzberger Blücherplatz oder dem Gebäude des ehemaligen Flughafens Tempelhof „nicht mehr viele Immobilien oder Areale“, die im Rennen seien.

Bis zum Spätsommer soll das zuletzt 2009 erstellte Bedarfsprogramm der neuen ZLB in überarbeiteter Form vorliegen, sodass daran anschließend die Standortthematik konkretisiert werden könne. Es müsse beispielsweise besonders für die Digitalisierung des Magazins ein zeitgemäßes Konzept erstellt werden, so Wulfert. Die Ergebnisse der Standortprüfungen sollen vor den nächsten Wahl des Berliner Abgeordnetenhauses 2016 vorliegen. Inwieweit das seit April 2014 leer stehende ICC noch als möglicher Standort für die Zentral- und Landesbibliothek infrage komme, sei nicht zuletzt von der Aufnahme des Bauwerks in die Denkmalliste abhängig. „Nach einer Unterschutzstellung dürften dort die für den Ausbau zur ZLB erforderlichen baulichen Eingriffe nicht mehr möglich sein“, sagte Wulfert. Wie berichtet, strebt Bausenator Andreas Geisel (SPD) den Denkmalschutz für das bedeutende Bauwerk der Architekten Ralf Schüler und Ursulina Schüler-Witte an.

„Aufwertung des Kiezes ist nicht notwendig“

Bei den stadtentwicklungspolitischen Sprechern der Koalition stößt der Vorschlag der AG Gleisdreieck unterdessen auf geteilte Reaktionen. „Aus stadtentwicklungspolitischer Sicht ist die Idee nicht uninteressant“, sagt Daniel Buchholz, der stadtentwicklungspolitische Sprecher der SPD. Er wertet allerdings eines der Argumente der AG Gleisdreieck, die neben der optimalen öffentlichen Nahverkehrsanbindung durch U- und S-Bahn auch die Attraktivität des Parks anführt, eher als ein Gegenargument für den Standort: „Denn“, so Buchholz gegenüber der Berliner Morgenpost, „eine Aufwertung des Kiezes oder der Parkanlage ist nicht notwendig. An den anderen Standorten können zudem vorhandene Bauten sinnvoll genutzt werden.“

Dennoch begrüßt der Bauexperte der SPD, dass der Vorschlag bei den bereits laufenden Untersuchungen durch die Kulturverwaltung geprüft werde. „Die ZLB muss in Berlin immer dann herhalten, wenn Grundstücke wie das in Tempelhof oder Immobilien wie das ICC entwickelt werden sollen“, sagt Stefan Evers, baupolitischer Sprecher der CDU, der den Vorschlag der AG Gleisdreieck eher kritisch sieht. Evers plädiert, „nach wie vor für die Nutzung der Amerika-Gedenkbibliothek am Blücherplatz“. Der Bestandsbau in Kreuzberg sei für ihn die weitaus realistischere Variante, so Evers.

Anbindung und Umfeld gut

Grundsätzlich offen und eher positiv steht die künftige Nutzerin, die Zentrale Landesbibliothek, dem Vorschlag gegenüber, dass das Grundstück „Urbane Mitte“ am Gleisdreieck ein geeigneter Standort für einen Neubau der ZLB sein könnte: „Auf den ersten Blick klingen Anbindung und Umfeld gut“, sagte Anna Jacobi, die Sprecherin der ZLB. Sie ergänzte aber zugleich: „Fundierter können wir uns zurzeit dazu noch nicht äußern“ und verwies darauf, dass man noch keine dezidierten Informationen über das Baufeld habe. Das „Urbane Mitte“ genannte Areal liegt auf einer der letzten Brachflächen am Gleisdreieck-Park auf Kreuzberger Seite, direkt am U-Bahnhof Gleisdreieck, unweit des Potsdamer Platzes. Das Areal ist 43.000 Quadratmeter groß, grenzt im Norden an die Luckenwalder Straße und beginnt südlich des Parkhauses am U-Bahnhof Gleisdreieck, von wo aus es zwischen dem Park am Gleisdreieck und der U-Bahn-Trasse U2 sowie südlich entlang der ICE-Trasse verläuft.

Die Aktionsgemeinschaft Gleisdreieck hat das Areal bereits im öffentlichen Dialogverfahren zur Entwicklung der Baufläche vorgeschlagen und die Idee vergangene Woche in einem offenen Brief dem Regierenden Bürgermeister Michael Müller (SPD) sowie unter anderen auch Kulturstaatssekretär Tim Renner präsentiert. Matthias Bauer von der AG Gleisdreieck ist sicher: „Der Standort ist aus mehrfacher Hinsicht optimal. Hier kann innovative Architektur entstehen, das Gebiet ist an S- und U-Bahn gut angebunden und der Park wird von der Bevölkerung stark angenommen.“ Es wäre ein Stück Stadt, das sich dem Park zuwende und „ein Stück Stadt, das sich dem öffentlichen Raum zuwendet, mit einer Nutzung für alle“.