Senat

Brennpunktschulen freuen sich über 12 Millionen Euro

12 Millionen Euro haben Berlins Brennpunktschulen im ersten Jahr der Förderung abgerufen. Sie ziehen eine positive Bilanz. Auch der Berliner Senat ist zufrieden.

Sven Olsok-Becker kann zufrieden sein. Als er vor gut zwei Jahren als Leiter der Grundschule im Beerwinkel im Falkenhagener Feld in Spandau anfing, merkte er schnell, dass einige seiner Schüler aus problematischen Familien kamen. Ein zusätzlicher Schulpsychologe wäre gut gewesen. Doch es fehlte das Geld.

Das Bonusprogramm für Brennpunktschulen, das der Senat im Februar vergangenen Jahres auflegte, kam also wie gerufen. Gut 60.000 Euro konnte Olsok-Becker nach eigenen Angaben vom Dienstag im vergangenen Jahr damit zusätzlich einplanen. Genug, um nicht nur den gewünschten Psychologen einzustellen, sondern auch um auf Honorarbasis einen Trommellehrer zu engagieren und die Ausstattung der Schulaula auf Vordermann zu bringen. „Das hätten wir ohne das Programm nie finanzieren können. Es ist für uns mehr als nur ein Tropfen auf den heißen Stein, um unsere Arbeit besser zu machen“, sagte Olsok-Becker der Berliner Morgenpost.

Auch Schulsenatorin Sandra Scheeres (SPD) zog am Dienstag nach der wöchentlichen Senatssitzung im Roten Rathaus eine positive Ein-Jahres-Bilanz des Programms. Das überrascht kaum. Denn sie selbst hatte es, gemeinsam mit SPD-Fraktionschef Raed Saleh, auf den Weg gebracht. „Unser Ziel ist es, die Schüler mit den bestmöglichen Abschlüssen ins Berufsleben zu schicken und die Quote der Schulabbrecher zu senken“, sagte Scheeres. Es sei richtig gewesen, Geld nicht nach dem Gießkannenprinzip zu verteilen, sondern gezielt Schulen mit einer problematischen Schülerzusammensetzung zu unterstützen.

Nicht gesamte Summe abgerufen

Die Einstufung als Brennpunktschule richtet sich nach dem Anteil der Kinder, deren Eltern so wenig verdienen, dass sie von der Zahlung für Lernmittel wie Schulbücher befreit sind. Insgesamt profitierten im ersten Jahr 219 Schulen von dem Projekt. Sie erhielten, je nach Anteil der Kinder aus „armen“ Familien, zwischen 50.000 und 100.000 Euro pro Jahr.

Über die Verwendung der Mittel konnten die Schulen weitgehend eigenständig entscheiden. Einige engagierten Sozialarbeiter oder richteten Lernwerkstätten ein, andere organisierten Workshops zur Lehrerfortbildung oder intensivierten die Beratung für Eltern. Insgesamt standen 15 Millionen Euro pro Jahr zur Verfügung, so hatte es die Koalition beschlossen. Tatsächlich aber riefen die Schulen nur 12,4 Millionen ab. Für die Schulleiter sei es eine Herausforderung, die Projekte auf den Weg zu bringen und die dafür nötigen Verträge abzuschließen, so Scheeres. Das nicht in Anspruch genommene Geld werde nun für andere Projekte der Schulpolitik genutzt.

Die SPD würde das Programm gerne auf Berufsschulen und Privatschulen ausweiten. Entscheiden werden die Koalitionspolitiker darüber bei den anstehenden Verhandlungen über den Doppelhaushalt für 2016/2017.