Am Hauptbahnhof

550 Bärgida-Anhänger demonstrieren in Berlin

In Berlin gingen am Montagabend wieder mehrere Hundert Bärgida-Anhänger auf die Straße, 1100 Menschen demonstrierten dagegen. In Dresden waren es mehrere Zehntausend.

Foto: Britta Pedersen / dpa

Einige hundert Anhänger des Berliner Ablegers der islamkritischen Pegida-Bewegung haben erneut in der Hauptstadt demonstriert. Nach Polizeiangaben waren es am Abend etwa 550 Menschen, de sich am Hauptbahnhof versammelten und einige hundert Meter entlang der Spree liefen. Die Gegendemonstranten, die seit Wochen jeden Montag gegen Rassismus protestieren, waren mit 1100 Menschen vertreten.

In der vergangenen Woche waren es 200 Unterstützer von Bärgida („Berliner Patrioten gegen die Islamisierung des Abendlandes“) und ähnlich viele Gegner.

1000 Polizisten aus Berlin, Bremen, Schleswig-Holstein und von der Bundespolizei sorgten dafür, dass es nicht zu Zusammenstößen zwischen den Gruppen kam. Alles sei reibungslos verlaufen, sagte Polizeisprecher Thomas Neuendorf am Abend.

Die Humboldt-Universität hatte angekündigt, aus Protest gegen Bärgida ihre Beleuchtung an den Gebäuden am Boulevard Unter den Linden auszuschalten. Allerdings liefen die Demonstranten dort nun doch nicht entlang.

Zehntausende bei Konzert vor Frauenkirche in Dresden

Ganz anders in Dresden: Unter dem Motto „Offen und bunt“ demonstrierten Zehntausende Dresdner mit einem Konzert vor der Frauenkirche für Weltoffenheit setzten ein Zeichen gegen die islamkritischen Aufmärsche in ihrer Stadt. Sänger Herbert Grönemeyer, der zu den Künstlern gehörte, zeigte Verständnis für Politikverdrossenheit. Er warnte zugleich aber davor, den Islam zum Feindbild zu erklären. „Das geht gar nicht. Das ist auch völlig undemokratisch“, sagte der 58-Jähriger.

In anderen Städten sahen sich am Montag Pegida-Anhänger mit größeren Gegenkundgebungen konfrontiert. In Frankfurt (Main) verhinderten etwa 3000 Demonstranten einen Pegida-Schweigemarsch mit rund 70 Teilnehmern. In Hannover und Braunschweig verhinderte die Polizei ein Aufeinandertreffen der Lager. Auch hier waren die Pegida-Gegner deutlich in der Überzahl. In Bremen versammelten sich 7000 Menschen, um Zeichen für eine bunte und tolerante Stadt zu setzen, in Karlsruhe demonstrierten rund 1000 Menschen für Weltoffenheit und Toleranz.

Pegida hatte Demo einen Tag vorverlegt

Auch das Dresdner Bürgerfest richtete sich gegen Fremdenfeindlichkeit und Rassismus. „Alle, die sich diesem Motto anschließen können sind willkommen“, erklärte eine Sprecherin der Veranstalter. Gerhard Ehninger vom Verein „Dresden – Place to be“, der das Konzert organisiert hatte, sagte: „Wir wollen zeigen, dass Dresden weltoffen, tolerant und bunt ist, und haben uns bemüht, dass es warm wird, vor allem ums Herz.“

Die Pegida-Organisatoren hatten ihre Anhänger ermuntert, zu dem Konzert zu gehen. „Diese Chance sollte man sich nicht entgehen lassen“, hieß es in einer Mitteilung vom Montag. Ihre üblicherweise montags stattfindende Demonstration hatte die Bewegung „Patriotische Europäer gegen eine Islamisierung des Abendlands“ (Pegida) wegen des Konzerts einen Tag vorverlegt.

Diskussion über Gespräche mit Pegida

Die Frage nach dem Umgang mit Pegida sorgt indes für offene Auseinandersetzungen in den Parteien. In der SPD brach nach dem Besuch von Parteichef Sigmar Gabriel bei einer Diskussionsrunde mit Pegida-Anhängern eine Kontroverse darüber aus, ob ein Dialog mit dem Bündnis nötig ist – oder unangebracht. Bei der Linken zeigte sich ein klarer Dissens zwischen Partei- und Fraktionsspitze. Auch aus der Union kamen unterschiedliche Signale.

Sachsens Innenminister Markus Ulbig (CDU) erntete scharfe Kritik, weil er sich zu einem Gespräch mit Pegida-Frontfrau Kathrin Oertel traf. „Der Dialog kann auf der Straße beginnen, kann aber dort nicht als verständiger Austausch von Meinungen und Argumenten geführt werden“, erklärte Ulbig. Sachsens Regierung kündigte an, das Dialogforum „Miteinander in Sachsen“ fortzusetzen, zu dem Anhängern der Dresdner Pegida-Bewegung eingeladen sind.

Das Pegida-Bündnis organisiert seit Mitte Oktober wöchentlich Demonstrationen in Dresden. Am Sonntagabend hatte das Bündnis dort erstmals seit der jüngsten Terrordrohung gegen die Bewegung und dem Rückzug von Pegida-Frontmann Lutz Bachmann wieder demonstriert.