Berlin

Vier Gegendemonstranten von „Bärgida“ festgenommen

Das Demonstrationsverbot in Dresden wegen Terrorwarnungen schreckt Berliner Pegida-Anhänger und deren Gegner nicht ab. Sie protestierten am Montagabend in Berlin-Mitte.

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Nach einer Demonstration gegen die islamkritische Pegida-Bewegung – in Berlin „Bärgida“ genannt – hat die Polizei am Montagabend vier Teilnehmer am Alexanderplatz in Mitte festgenommen. Ihnen werden Verstöße gegen das Vermummungs- und Versammlungsverbot vorgeworfen, sagte ein Sprecher am Dienstag. Alle sind mittlerweile wieder auf freiem Fuß. Die Demonstrationen in der Berliner Innenstadt wie auch in anderen Stadtteilen verliefen ansonsten ohne Zwischenfälle.

Einige Hundert Gegendemonstranten waren unter dem Motto „Gemeinsam gegen Rassismus und soziale Ausgrenzung“ vom Bundeskanzleramt Richtung Alexanderplatz gegangen. Zur Teilnahme hatte auch der Türkische Bund aufgerufen.

Für den Berliner Pegida-Ableger Bärgida waren rund 400 Menschen auf der Straße. Nach etwa eineinhalb Stunden beendeten die Organisatoren den Aufmarsch am Alexanderplatz.

Polizei hält Gegner mit großem Aufgebot auseinander

Alle drei Demonstrationen waren von der Polizei zugelassen. Den Einsatzkräften war es mit einem großen Aufgebot gelungen, die beiden Gruppen auseinanderzuhalten.

Die Polizei sah, anders als in Dresden, keine besondere Gefahrenlage für Demonstrationen in Berlin. In der sächsischen Landeshauptstadt hatte die Polizei aufgrund konkreter Terrorwarnungen alle Demonstrationen unter freiem Himmel für Montag verboten. Zuvor hatte die islamkritische Pegida-Bewegung aus Angst vor möglichen Anschlägen via Facebook ihren Aufmarsch abgesagt. Die Montagsdemo von Pegida fiel dort aus.

Nur wenige lassen sich mobilisieren

Doch weder die islamkritische Pegida-Bewegung noch ihre Gegner konnten in Berlin mehr Demonstranten mobilisieren als in den vergangenen Wochen.

Etwa 400 Anhänger des Berliner Pegida-Ablegers Bärgida zogen gegen 18.30 Uhr von der Otto-Braun-Straße in Mitte über die Karl-Marx-Allee. Dabei gab es die gleichen Sprechchöre wie in den vergangenen Wochen: „Merkel muss weg“ und „Wir sind das Volk“. Grünen-Spitzenpolitiker wurden als „Volksverräter“ beschimpft.

Eine Gruppe von rund 200 linken Demonstranten verhinderte dort mit einer Straßenblockade die geplante Strecke der Bärgida-Demonstration zum Strausberger Platz. Das Kino International hatte auf seiner Anzeigetafel „No Bärgida – Wir sind bunt – No Racism“ eingeblendet. Auf Höhe des Kinos mussten die Bärgida-Anhänger umdrehen und kehrte zum Alexanderplatz zurück. Dort löste sich die Versammlung bereits gegen 20 Uhr auf. Laut Polizei waren 1000 Teilnehmer angemeldet gewesen.

Gegendemonstranten in der Überzahl

Zu einer Gegendemonstration um 16.30 Uhr unter dem Motto "Gemeinsam gegen Rassismus und soziale Ausgrenzung" vor dem Kanzleramt hatte unter anderem der Türkische Bund aufgerufen. Zu der Kundgebung wurden etwa 3000 Menschen erwartet. Gegen 18 Uhr hatten sich aber erst etwa 450 Menschen versammelt. Sie wollten am Schloss Bellevue vorbei nach Mitte zum Alexanderplatz laufen.

Eine zweite Gegendemonstration unter dem Motto „Nie wieder Pegida“ startete um 17 Uhr von der Alexanderstraße in Mitte in Richtung Platz der Vereinten Nationen. Danach wollten sie über die Mollstraße zum Alexanderplatz zurücklaufen. Dort kamen gegen 18 Uhr etwa 120 Menschen zusammen.

Polizei mit großem Aufgebot vor Ort

Die Polizei war wie in den vergangenen Wochen stark vertreten, um die beiden Demonstrationen zu trennen. Taschen wurden kontrolliert. Rund 900 Polizeibeamte waren im Einsatz. Vor einer Woche hatten rund 4000 Pegida-Gegner etwa 400 Bärgida-Befürworter bei ihrem Aufmarsch friedlich gestoppt. Diese mussten schließlich wieder zum Brandenburger Tor umkehren.

Autofahrer mussten am späten Nachmittag und Abend mit deutlichen Verkehrsbehinderungen rechnen. Die Polizei sperrte die Alexanderstraße stadtauswärts und die Karl-Marx-Allee in beide Richtungen für den Verkehr.

In Marzahn-Hellersdorf demonstrierten laut Polizei am Abend nur wenige Anwohner gegen Wohncontainer für Flüchtlinge. Auch dort gab es linke Gegendemonstrationen.

Verbot für Berlin nicht vorgesehen

Ein Demonstrationsverbot aus Sicherheitsgründen wie in Dresden sei aktuell nicht vorgesehen, sagte Polizeisprecher Thomas Neuendorf dem Sender RBB. Konkrete Sicherheitsmaßnahmen werde man aber nicht veröffentlichen, so Neuendorf. Diese würden ständig neu bewertet und an die Situation angepasst.

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