Mord in Adlershof

Maria P.s Ex-Freund brachte die Polizei selbst auf seine Spur

Am Freitag wurde die Leiche der 19-Jährigen in Adlershof entdeckt. Ein Tatverdächtiger – ihr Ex-Freund und wohl Vater des Ungeborenen – machte die Polizei selbst auf sich aufmerksam. Er sitzt in Haft.

Foto: Steffen Pletl

Maria P. war erst 19 Jahre alt. Sie war hochschwanger und freute sich offensichtlich auf ihre künftige Rolle als Mutter. Wie nun bekannt wurde, soll ihr Ex-Freund sie in der Nacht zu Freitag als vermisst gemeldet haben. Das bestätigt ein Polizeisprecher. Demnach soll der 19-Jährige gegen 3 Uhr bei der Polizei vorstellig geworden sein und den Beamten mitgeteilt haben, dass er sich „Sorgen“ um seine Freundin mache. Einige Stunden später wurde er selbst festgenommen.

Gleichzeitig versichert die Berliner Polizei, dass die Ermordete ihren Ex-Freund nie angezeigt hatte, etwa aus Angst um ihr Wohlergehen. Zuvor hatte es anderslautende Medienberichte gegeben. „So eine Anzeige liegt nicht vor“, sagte ein Sprecher.

Die Anonymität Marias soll vor allem zum Schutz ihrer Angehörigen gewahrt und die Familie in ihrer Trauer nicht gestört werden. Gleichwohl bleibt die Frage: Wer war die Frau, die offenbar sterben musste, weil sie ein Baby erwartete? Die Medien kennen den Namen der 19-Jährigen, die auf ihrem Facebook-Profil öffentlich Einblicke in ihr Leben gewährt hatte.

Das Titelbild der Profilseite von Maria P. zeigt zwei Kleinkinder, das Foto, das sie zuletzt einstellte, einen Säugling auf dem Sofa liegend. Bilder, die werdende Mütter gern teilen. Die 19-Jährige war auf Ratgeber-Seiten für künftige Mamas unterwegs. Sie bereitete sich augenscheinlich auf all die Fragen vor, die eine Schwangere bewegen. Voller Vorfreude auf ihr eigenes Kind, das wegen eines schrecklichen Verbrechens nie das Licht der Welt erblicken wird. Eine junge Frau die brutal getötet wurde, als ihr eigenes Leben erst richtig beginnen sollte.

Der ehemalige Freund und mutmaßliche Vater des ungeborenen Kindes befindet sich seit Sonnabend in Untersuchungshaft. Dem ebenfalls 19-Jährigen schreiben die Ermittler das stärkste Motiv für die unglaubliche Tat zu. Wie die Berliner Morgenpost erfuhr, schweigt der strafrechtlich bis dahin völlig unauffällige Mann weitgehend. Zum Tatvorwurf des gemeinschaftlichen Mordes – in Tateinheit mit illegaler Schwangerschaftsunterbrechung – soll er sich zunächst überhaupt nicht geäußert haben. Ob der 19 Jahre alte Mann aus Neukölln mit deutschem Pass und türkischer Abstammung sein Schweigen länger durchhält, muss sich noch zeigen.

Helfer des Mörders legt Teilgeständnis ab

Mit den weiter unter Hochdruck ermittelnden Kripobeamten der Mordkommission geredet hat im Gegensatz dazu der mutmaßliche Helfer, Komplize und Bekannte des Hauptverdächtigen. Die bis Sonntag vorliegenden Aussagen des ebenso 19-jährigen Bekannten hatten nach Informationen dieser Zeitung indes nicht das Gewicht eines umfassenden Geständnisses. Noch nicht. Mit Marias Ex-Freund und dem späteren Opfer soll er sich zur Tatzeit am Donnerstagabend voriger Woche im Birkenwäldchen nahe dem Friedhof aufgehalten haben. In der Bodensenke, wo Marias Leichnam am Freitagmorgen entdeckt wurde, stehen seit Sonntag auch zwei schlichte weiße Holzkreuze, hinter den dort abgelegten Rosensträußen und mehreren Grablichtern – in Gedenken an die Ermordete und ihr ungeborenes Kind.

Nichts deutet beim Blick auf die Spuren, die Maria P. im Internet hinterlassen hat, darauf hin, dass sich die junge Frau in Gefahr befunden haben könnte. Mit dunklen Haaren und großen grün-braunen Augen und einem Kussmund posierte sie für Selbstporträts. Ihr Interesse galt neben Schuhen und Schminke scheinbar auch dem Profifußball, national wie international.

Außerdem schien sie sich für den Islam und die Frage zu interessieren, weshalb Angehörige verschiedener Glaubensgemeinschaften nicht in Frieden zusammenleben können. Die 19-Jährige teilte im Netzwerk ein Zitat von Martin Luther King: „Wir haben gelernt, wie die Vögel zu fliegen und wie die Fische zu schwimmen. Aber wir haben die einfache Kunst nicht erlernt, als Brüder zu leben.“ Alle Menschen sind gleich, so lautet die Botschaft vieler Bilder, die sie auf Facebook kommentierte und ihren Freunden zeigte. Beispielsweise ein Foto eines Christen und eines Muslimen, die sich die Hände reichen. Ein Grund für den Wunsch nach Frieden zwischen den Anhängern verschiedener Religionen könnte dem Umstand geschuldet sein, dass Marias Stiefvater türkische Wurzeln hat. Wie auch ihr ehemaliger Freund.

Bei lebendigem Leibe verbrannt

Ein Akt extremster Gewalttätigkeit hat die junge Frau aus dem Leben gerissen. Zwei Messerstiche in den Unterleib haben Gerichtsmediziner bei der Untersuchung festgestellt, ein klares Indiz für den brutalen Angriff auf Marias ungeborene Kind. Gefolgt von dem nur als barbarisch zu wertenden Akt, die Schwangere mit brennbarer Flüssigkeit zu übergießen und anzuzünden.

Ob die Täter wussten, dass die nach dem Messerangriff Schwerverletzte noch gelebt hatte, als sie in Brand gesetzt wurde, ist nur ein Gegenstand der andauernden polizeilichen Ermittlungen. Bekannt ist, dass bei der Obduktion in der Lunge des Opfers Verbrennungsrückstände gefunden wurden. Weil sie noch geatmet hatte. Das führte letztlich dazu, dass die Strafverfolgungsbehörden bereits am Freitagabend den erschütternden Fakt mitteilten, dass die junge Frau bei lebendigem Leib verbrannt sei.

Rätselhaftes Zusammentreffen im abgelegenen Adlershof

Unbeantwortet ist bislang die Frage, wie es dazu kommen konnte, das Maria P. aus Hohenschönhausen sich mit ihrem ehemaligen Freund aus Neukölln in einer feucht-kalten Nacht im für beide recht abgelegenen Adlershof treffen. Um bei einer vermeintlichen Aussprache im Wald spazieren zu gehen? Ein Vorwand für ein Zusammentreffen? Oder ist Maria möglicherweise gewaltsam verschleppt worden, in Schach gehalten von ihrem Ex-Freund und dessen Bekannten? Die Vorstellung, dass Maria während des letzte Aufeinandertreffens früher oder später geahnt haben könnte, die sie sich in akuter Gefahr befindet, erscheint mehr als bedrückend.