Tötungsdelikt

Schwangere in Adlershof verbrannt - 19-Jähriger festgenommen

Im Fall der grausam getöteten Schwangeren in Adlershof hat die Polizei ihren 19 Jahre alten Ex-Freund festgenommen. Er soll noch am Sonnabend vor den Haftrichter.

Foto: Steffen Pletl

Es war noch nicht ganz hell, als drei Spaziergänger am Freitagmorgen in einem Waldstück im Treptower Ortsteil Adlershof einen grausigen Fund machten. Sie führten gerade ihre Hunde aus, die Vierbeiner liefen ohne Leine in dem kleinen Waldstück zwischen der Bärenlauchstraße und der Friedlander Straße herum, streunten durch das abgefallene Laub auf dem Boden. Plötzlich nahm eines der Tiere eine Witterung auf, rannte durch die Bäume davon und fing unmittelbar darauf laut zu bellen an. Die Spaziergänger folgten dem aufgeregten Anschlagen. Etwa dreißig Meter abseits des Waldweges, als sie den Hund erreicht hatten, sahen sie dann, was das Tier im Aufregung versetzt hatte: Auf dem Waldboden lag die Leiche einer Frau.

Polizisten sperrten umgehend ein etwa 300 Quadratmeter großes Waldstück rings um den Fundort ab. Am Vormittag begannen Kriminaltechniker in weißen Anzügen mit ihrer Arbeit. Nach Informationen der Berliner Morgenpost lag der weibliche Leichnam in Nähe des städtischen Friedhofes abseits der Waldwege in einer Mulde, die etwa 50 Zentimeter tief war.

Die Polizei ging bereits nach kurzen Ermittlungen von einem Gewaltverbrechen aus. Eine Sofortobduktion des Opfers ergab, dass es sich um eine 19 Jahre alte Frau handelt, die hochschwanger war. Zur Todesursache hieß es am Abend, die junge Frau sei bei lebendigem Leibe verbrannt. Nach Informationen der Berliner Morgenpost handelt es sich bei der Frau um eine Berlinerin. Der Fundort der Leiche war offenbar auch Tatort.

Nur wenige Stunden nach der Entdeckung der Leiche nahm die Polizei einen Tatverdächtigen fest. Der Mann wird auch am Sonnabend weiterhin von Ermittlern der 8. Mordkommission vernommen. Es soll sich bei ihm um den 19 Jahre alten Ex-Freund der Getöteten handeln. Einem Polizeisprecher zufolge sei davon auszugehen, dass er noch am Sonnabend einem Haftrichter vorgeführt wird.

Unklar, wie lange Tote im Wald lag

Die Spezialisten der Kriminaltechnik machten Bildaufnahmen, suchten nach Spuren, beispielsweise frische Fußabdrücke. Straßensperrungen waren keine notwendig, da die Frau tief im Wald lag. Weit entfernt genug, dass Anwohner wahrscheinlich nichts gehört hätten, selbst wenn die Frau nach Hilfe gerufen hätte. Doch blieb zunächst unklar, ob die Frau am Fundort zu Tode gekommen war oder ob ihre Leiche dorthin transportiert wurde. Auch wie lange die Tote schon in dem Wald liegt, blieb am Freitag zunächst ungewiss. Aufschluss darüber dürfte die noch vor Ort durchgeführte Messung der Körpertemperatur gegeben haben.

Das Waldstück in unmittelbarer Nähe des städtischen Friedhofs und nicht weit entfernt von dem Sportplatz „Birkenwäldchen“ ist recht belebt. Zahlreiche Jogger, Spaziergänger und Hundebesitzer aus den umliegenden Wohngebieten südlich der Oberspreestraße sind regelmäßig im Wald unterwegs. Längere Zeit dürfte die Unbekannte daher wahrscheinlich nicht in dem Waldstück gelegen haben. Um 13.15 Uhr wurde der Leichnam in die Gerichtsmedizin abtransportiert. Eine Obduktion sollte noch am Nachmittag durchgeführt werden, um zudem nähere Erkenntnisse zur Todesursache zu erhalten. Die weiteren Ermittlungen hat die 8. Mordkommission des Landeskriminalamtes übernommen.

Tatverdächtiger springt vom Balkon

Der Fund einer Frauenleiche auf einem für jedermann öffentlich zugänglichen Gelände ist selbst in der Millionenstadt Berlin überaus selten. Das jüngste Tötungsdelikt wurde am 28. Dezember in Marienfelde in einer Wohnung verübt. Eine Familientragödie, der eine 50 Jahre alte Frau zum Opfer gefallen war. Ihr sechs Jahre jüngerer Lebensgefährte wurde von einem Mitbewohner des Hauses in der Föttingerzeile schwer verletzt im Hausflur gefunden. Als Tatverdächtiger gilt nach vorläufigen Ermittlungen der 30 Jahre alte Sohn des Opfers. Er hatte sich bei einem Sprung vom Balkon ebenfalls schwer verletzt.

Der aktuelle Fall der unbekannten Toten in Adlershof weckt Erinnerungen an einen Mord aus dem Jahr 2009, der bis heute ungeklärt ist. Am Morgen des 20. Juni war die damals 39 Jahre alte Kirsten Sahling gegen 8.50 Uhr im Spandauer Forst (Jagen 31) von einem Unbekannten durch Messerstiche schwer verletzt worden. Die Frau erlag wenig später in einem Krankenhaus an ihren Verletzungen. Besonders tragisch: Das Opfer war gemeinsam mit ihrem Mann zum Joggen gefahren, hatte aber noch Chi-Gong-Übungen absolviert, während ihr Mann schon losgelaufen war. Gesucht wird nach wie vor ein 15 bis 20 Jahre alter Mann, der vermutlich ganz in weiß bekleidet mit einem Fahrrad unterwegs war.

Zu einem versuchten Tötungsdelikt in einem Wald nördlich von Berlin ermittelt derzeit auch die brandenburgische Polizei. Am Donnerstag gegen 20.15 Uhr wurde in Bergfelde (Oberhavel) ein 54 Jahre alter Spaziergänger niedergeschossen und lebensbedrohlich verletzt worden. Der Mann hatte laut Polizei einen Knall gehört und sackte mit einer Schussverletzung im Bauchbereich zusammen. Er schleppte sich dennoch nach Hause, sagte eine Polizeisprecherin am Freitag. Eine Mordkommission ermittelt. Hinweise auf den Schützen liegen bislang nicht vor, die Suche mit einem Fährtenhund blieb erfolglos.