Lärmtrauma-Streit

Tegel-Anwohner scheitert mit Klage gegen chinesische Airline

Thomas Kassner verklagte die Airline Hainan, weil eines von deren Flugzeugen beim Anflug auf Tegel ihn fast taub gemacht haben soll - mit einem lauten Knall. Vorm Landgericht Berlin scheiterte er.

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Ein lärmgeplagter Tegel-Anwohner ist mit seiner Forderung nach Schmerzensgeld gescheitert. Das Berliner Landgericht hat jetzt die Klage des Weddingers Thomas Kassner gegen Hainan Airlines abgewiesen. Der 70 Jahre alte Rentner hatte eine Maschine der chinesischen Fluggesellschaft dafür verantwortlich gemacht, dass er auf einem Ohr fast taub ist. Auslöser soll ein Knalltrauma gewesen sein, das ein Airbus A330 von Hainan beim Landeanflug auf Tegel im Januar 2011 verursacht habe.

Das Landgericht Berlin hat laut einer am Sonnabend veröffentlichten Mitteilung die Klage nach einer Anhörung des Klägers und Vernehmung einer von ihm benannten Zeugin abgewiesen. Die Begründung liegt allerdings noch nicht vor, das Urteil ist daher noch nicht rechtskräftig. Kassner hat bereits unmittelbar nach seiner Anhörung am Mittwoch deutlich gemacht, dass er bei einer Niederlage in Berufung gehen wolle.

Vor Gericht hatte er geschildert, dass er am 23. Januar 2011 mit einer Bekannten am Kurt-Schumacher-Platz in Reinickendorf auf den Bus gewartet habe, als ein Flugzeug im Landeanflug auf Tegel unmittelbar über ihn hinweggeflogen sei. Dabei habe es einen lauten Knall gegeben – wie „bei einer Fehlzündung bei einem Auto, nur viel lauter“. Ärzte hatten Kassner später ein „akutes Lärmtrauma durch tief fliegendes Großraumflugzeug“ bestätigt. Bis heute ist der Tegel-Anwohner auf dem einen Ohr taub, er leidet unter Tinnitus und Depressionen. „Meine Lebensqualität ist gleich Null“, sagt er.

Klagen wegen Militärflugzeugen waren schon erfolgreich

Richter Sven Kansteiner machte bei der Verhandlung am Mittwoch deutlich, dass das Luftverkehrsgesetz einen Schmerzensgeldanspruch des Klägers auch bei einem ordnungsgemäßen Verhalten des Piloten durchaus zulasse. Voraussetzung sei jedoch ein nicht vorhersehbares, unfallartiges Ereignis. Kansteiner verwies auch darauf, dass die bisherige Rechtsprechung solche Zahlungen bisher allerdings nur nach gesundheitlichen Schäden und Schockerlebnissen infolge von Tiefflieger-Überflügen von Militärmaschinen bestätigt habe. Wegen der grundsätzlichen Bedeutung hatte das Gerichtsverfahren in Berlin für bundesweite Aufmerksamkeit gesorgt.