Stadtentwicklung

Senator Geisel will rasche Klärung zur historischen Mitte

Wie Berlins historische Mitte genutzt werden soll, war lange Streitthema. Nun will Stadtentwicklungssenator Geisel eine baldige Entscheidung – im Dialog. Die Stadtgesellschaft soll mitreden dürfen.

Bis zum Frühjahr 2016 soll laut Stadtentwicklungssenator Andreas Geisel (SPD) geklärt werden, wie die historische Mitte Berlins künftig genutzt werden soll. „Wir starten im Frühjahr ein offenes Dialogverfahren und wollen damit möglichst viele Zielgruppen erreichen: Experten, Anwohner, Touristen, alle Menschen, die sich dafür interessieren“, sagte Geisel der dpa. Dabei gehe es zunächst ein Jahr lang nur um die Nutzungsmöglichkeiten. „Wir reden noch nicht über Städtebau und Architektur“, betonte der Senator.

Dafür solle 2016 ein internationaler Wettbewerb ausgeschrieben werden – Berlin sei schließlich Hotspot. „Die Welt schaut auf uns und soll sich an der Gestaltung beteiligen. Aber das kann man erst ausschreiben, wenn man weiß, was da passieren soll. Das wissen wir noch nicht“, so Geisel.

Der Umgang mit den historischen Spuren in Berlins Mitte wird seit Jahren kontrovers diskutiert. Es geht dabei unter anderem um den freien Platz vor dem Roten Rathaus, das Rathausforum. Ein Vorschlag ist, das Areal nach historischen Grundrissen wieder dicht zu bebauen. Andere wollen die Fläche als Freiraum erhalten.

Geisel: „Was Berlin ausmacht, ist Veränderung“

Als Senator wolle er diesem Diskussionsprozess nicht vorgreifen, sagte Geisel. „Meine persönliche Meinung, explizit nicht als Senator sondern als Andreas Geisel, zum Vorschlag historische Rekonstruktion ist, dass es nicht das Herz Berlin gibt, das wir jetzt wiederbeleben müssen mit den Ideen des 18. und 19. Jahrhunderts“, so Geisel. „Was Berlin ausmacht, ist Veränderung, sind Zukunftsvisionen.“

Zudem sehe er bei dieser Lösung „das Problem einer Privatisierung des öffentlichen Raums“, gab der Politiker zu bedenken. „Wenn wir die historische Struktur mit einer kleinen Parzellierung wieder auferstehen lassen, dann müssen wir auch die Frage beantworten: wer kann es sich denn leisten, diese kleinen Parzellen zu kaufen?“

SPD-Chef Jan Stöß hatte früher zudem auf das Thema Enteignung jüdischer Eigentümer hingewiesen. Das Rathausforum ist heute eine landeseigene Fläche. Doch es gebe einen großen Anteil von Grundstücken, die früher jüdischen Eigentümern gehörten und die ihnen zur Nazizeit geraubt wurden. „Es steht noch aus, dass wir uns auch mit diesem Teil unserer Vergangenheit auseinandersetzen“, so Stöß.

Dazu sagte Geisel: „Wenn es berechtigte Entschädigungsansprüche früherer jüdischer Grundstückseigentümer in Berlins historischer Mitte gibt, werden wir Entschädigungen vornehmen, das ist gar keine Frage. Aber davon abhängig zu machen, wie künftig die Mitte der Stadt gestaltet wird, das war bisher noch nicht Gegenstand der Diskussion.“