Nach Polizeirazzia

Terrorverdächtige sitzen in Berlin in Untersuchungshaft

Nach dem Polizeieinsatz gegen die Berliner Islamisten-Szene sitzen zwei Verdächtige in Untersuchungshaft. Die beiden Männer schweigen zu den Vorwürfen, die Terror-Miliz IS unterstützt zu haben.

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Die beiden islamistischen Terror-Verdächtigen, die am Freitag von der Polizei nach einer großangelegten Razzia in Berlin festgenommen werden konnten, sitzen in Untersuchungshaft. Ismet D. und Emin F. wurden noch am selben Tag einem Haftrichter zur Erlassung eines Haftbefehls vorgeführt. Das sagte Martin Steltner, Sprecher der Staatsanwaltschaft, der Berliner Morgenpost. Beide Männer verweigern bisher die Aussage.

Bei einem Schlag gegen gewaltbereite Islamisten hatte die Polizei die zwei Terrorverdächtigen festgenommen. Den türkischen Staatsangehörigen wird vorgeworfen, die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) unterstützt zu haben, wie Staatsanwaltschaft und Polizei mitteilten. Den Männern im Alter von 41 und 43 Jahren wird zur Last gelegt, eine schwere staatsgefährdende Gewalttat in Syrien vorbereitet zu haben.

Für Anschlagspläne in Deutschland gebe es keine Anhaltspunkte, sagte Polizeisprecher Stefan Redlich. Und: „Es gibt keinen Zusammenhang mit den Anschlägen in Frankreich.“ Wie Innensenator Frank Henkel (CDU) mitteilte, haben die Sicherheitsbehörden die gewaltbereite Salafisten-Szene im Blick – und unter Druck gesetzt. Henkel sprach von einer Herausforderung für die innere Sicherheit. „Die Sicherheitsbehörden sind aus gutem Grund wachsam“, erklärte er.

Mutmaßliche Täter Teil von Logistik-Zelle

Ismet D. und Emin F. sollen nach Einschätzung der Staatsanwaltschaft Kern einer Logistikzelle für terroristische Aktivitäten gewesen sein. Ihnen wird vorgeworfen, Kämpfer rekrutiert, fanatisiert und bei der Ausreise nach Syrien unterstützt zu haben, sagte Steltner. So sollen Nachtsichtgeräte, Geld und Flugtickets besorgt worden sein.

Zu den Verdächtigen gehören drei weitere, in Berlin lebende Türken. Sie blieben auf freiem Fuß. Bei ihnen wurde von einer geringen Tatbeteiligung ausgegangen. Es bestehe keine Fluchtgefahr, hieß es.

Der verdächtige Ismet D. (41) wollte laut Polizei selbst unmittelbar ausreisen, vermutlich ins türkisch-syrische Grenzgebiet. Bei den Durchsuchungen seien Flugtickets für die Türkei beschlagnahmt worden, so der Polizeisprecher. Der 41-Jährige soll als selbst ernannter „Emir“ eine Islamistengruppe in Berlin-Tiergarten mit Türken und russischen Staatsangehörigen tschetschenischer und dagestanischer Herkunft angeführt haben.

Zudem soll er laut Staatsanwaltschaft mindestens 30 Personen mit „Islamunterricht“ in einem Berliner Moscheeverein radikalisiert und auf den Kampf gegen „Ungläubige“ im syrischen Bürgerkriegsgebiet vorbereitet haben. Wie viele dieser Teilnehmer tatsächlich ausreisten, blieb unklar.

Wie die Behörden weiter mitteilten, war Ismet D. zeitweilig der Arbeitgeber des Syrien-Rückkehrers Murat S., der im September 2014 in Berlin festgenommen worden war und seitdem in Untersuchungshaft sitzt. Auch ihm wird eine schwere staatsgefährdende Gewalttat zur Last gelegt. Vor seiner Ausreise habe Murat S. regelmäßig am „Islamunterrichten“ von Ismet D. teilgenommen.