Pegida-Ableger

„Bärgida“ versucht‘s noch einmal mit Protest in Berlin

Das Berliner Pendant zu Dresdener Pegida-Bewegung will erneut eine Demonstration in Mitte abhalten. Der erste Versuch war mangels Teilnehmern gescheitert. Innensenator Henkel bleibt gelassen.

Der erste Versuch war ein Flop. Aber „Bärgida“ (Berliner gegen die Islamisierung des Abendlandes) versuchen es noch einmal. Am Montag will die obskure Truppe von der Klosterstraße zum Brandenburger Tor marschieren und gegen die „zunehmende Islamisierung Deutschlands“ demonstrieren. Die Drahtzieher von „Bärgida“ sehen sich als Berliner Ableger der „Pegida“, die in Dresden allwöchentlich tausende Menschen auf die Straße bringt. Vor zwei Wochen kündigten sie erstmals eine Montagsdemonstration an, ohne sie allerdings offiziell bei der Polizei anzumelden. Ganze drei Sympathisanten fanden sich am Brandenburger Tor ein, der geplante Protest fiel mangels Teilnehmern aus.

Diesmal ist der Aufzug ganz korrekt angemeldet worden, der Veranstalter geht von 300 Teilnehmern aus, so ein Sprecher der Behörde am Sonnabend. Das offizielle Berlin demonstriert zunächst Gelassenheit. „Wir werden uns das anschauen und dann unsere Schlüsse ziehen“, sagte Innensenator Frank Henkel (CDU).

Nicht ganz so gelassen geht man beim Verfassungsschutz mit dem geplanten Aufmarsch um. „An diesem und womöglich auch an weiteren Montagen wird sich zeigen, ob es den Initiatoren auch in Berlin gelingt, Großveranstaltungen wie in Dresden zu etablieren, oder ob die ganze Geschichte im Sande verläuft“, sagte ein Verfassungsschützer.

Hinter „Bärgida“ steckt die Gruppe „Patrioten e.V“. Deren Hauptakteur ist der 60-jährige Karl S. aus Reinickendorf. Er saß einst für die CDU in der Pankower Bezirksverordnetenversammlung und war nach seinem Parteiaustritt in mehreren rechten Splittergruppen aktiv, bevor er die „Patrioten“ gründete. Bislang entfaltet die Gruppe vor allem im Internet und den sozialen Netzwerken rege Aktivitäten.

Gewaltbereite Gruppe

Auch die Berliner Polizei bereitet sich auf den Montag vor. Und das nicht nur wegen „Bärgida“, sondern auch wegen der zahlreichen Aufrufe zu Gegendemonstrationen. Ausschreitungen können nicht ausgeschlossen werden, denn die Anmeldungen kommen nicht nur von friedlichen Demonstranten aus der linken Szene.

Es sind auch gewaltbereite Gruppen darunter, vor allem Neugründungen, in denen Linksradikale nach der Auflösung mehrerer autonomer Gruppen im vergangenen Jahr eine Heimat fanden. Diese zeichnen sich nach Einschätzung des Verfassungsschutzes durch eine hohe Militanz aus, rufen offen zu Gewalt auf und werden von den Behörden auch für den starken Anstieg linksextremer Gewalttaten im ersten Halbjahr 2014 verantwortlich gemacht.

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