Sanierungsstau

Ein Adventskalender für die Probleme der Schulen

Engagierte Eltern weisen jedes Jahr in einem virtuellen Adventskalender auf die Probleme der Schulen hin. Die Bildungssenatorin hat die Wünsche „natürlich zur Kenntnis genommen“.

Genau 24 Tage lang haben engagierte Eltern auf die Probleme an den Schulen ihrer Kinder hingewiesen. Jeden Tag ein neuer Missstand: fehlende Sporthallen, Platzmangel, bauliche Missstände. Der virtuelle Adventskalender wurde zum fünften Mal vom Bezirkselternausschuss Steglitz-Zehlendorf (BEA) organisiert und gemeinsam mit der Stiftung Bildung online auf der Webseite wunschzettel.stiftungbildung.com veröffentlicht. Erstellt wird er jedes Jahr für die Senatsbildungsverwaltung. Nach Auskunft ihrer Sprecherin hat Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD) den Adventskalender „natürlich zur Kenntnis genommen“.

„Wir haben eine sehr gute Resonanz auf unseren Adventskalender“, sagt Birgitt Unteutsch, Vorsitzende des Bezirkselternausschusses. Viele, darunter der Regierende Bürgermeister Michael Müller (SPD) und der Landeselternausschuss, hätten sich positioniert. Nur von der Senatsbildungsverwaltung hätten sie nichts gehört, keine E-Mail, keinen Anruf. Müller habe allerdings versprochen, dass auf der Senatssitzung am 8. Januar Ideen zur Lösung des Sanierungsstaus diskutiert werden sollen.

Hinter den 24 Türchen verbargen sich verschiedene Sorgen, unter anderem aus Steglitz, Schöneberg, Pankow und Kreuzberg. So wurde zum Beispiel an der Nürtingen-Grundschule in Kreuzberg der Schwimmbus aufgrund von Sparmaßnahmen gestrichen. Dieser Bus bringt die Drittklässler in das Bad an der Holzmarktstraße. Jetzt kommen die Kinder oft zu spät zum nachfolgenden Unterricht und haben kürzere Pausen.

Zwei Sporthallen in Friedenau geschlossen

In Friedenau hingegen gibt es ein Turnhallen-Problem: Der reguläre Sportunterricht der insgesamt 1700 Schüler des Paul-Natorp-Gymnasiums, des Rheingau-Gymnasiums und der Stechlinsee-Grundschule ist nicht mehr gewährleistet, weil zwei Hallen gesperrt sind. In beiden Fällen liegt es an Wasserschäden durch undichte Dächer.

Viele Schulen berichten von bröckelnden Fassaden, Schimmelbefall, kaputten Fenstern und unzumutbaren Sanitäranlagen. Die Bezirke beziffern den Sanierungsbedarf an Schulen mit Summen zwischen 50 und 400 Millionen Euro, je nachdem, ob nur akute Schäden oder die Instandhaltung mit eingerechnet wurden. Bisher erhalten die Bezirke jährlich 64 Millionen Euro aus dem Schul- und Sportanlagensanierungsprogramm der Bildungsverwaltung. Das Programm, so wird derzeit debattiert, soll aufgestockt werden. Mehr als zwei Milliarden Euro müsste das Land aufbringen, um Schulen instand zu setzen, heißt es beim Bezirkselternausschuss. Die Senatsbildungsverwaltung verweist auf die Zuständigkeit der Bezirke, die für den baulichen Unterhalt der Schulen im Rahmen ihres Haushaltes zuständig sind.

Am 26. Januar ist eine Podiumsdiskussion mit Landespolitikern zur Auswertung des Adventskalenders in der Aula der Fichtenberg-Oberschule an der Rothenburgstraße in Steglitz geplant. Doch noch ist nicht sicher, ob die Veranstaltung überhaupt dort stattfinden kann. Denn die Aula ist zurzeit gesperrt. Über einen Ausweichort wird derzeit schon nachgedacht. Das Dach muss dringend saniert werden, Regenwasser dringt in die Aula ein. Weil sich der Putz löste, ist die gesamte Schule eingezäunt. Das alles stand auch im Adventskalender.

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