Modemesse

Bread & Butter in Tempelhof auch für Sommer gefährdet

Auf den Messeschef der Bread & Butter kommen schwere Zeiten zu. Auch die Herbstmesse in Seoul ist gefährdet. Die Miete in Tempelhof muss er trotzdem zahlen.

Foto: Soeren Stache / dpa

Auch im Sommer wird es in Berlin womöglich keine Modemesse Bread & Butter geben. Sogar die für den Herbst geplante Veranstaltung in Seoul ist gefährdet, wie Veranstalter Karl-Heinz Müller der Berliner Morgenpost am Mittwoch sagte. Einen Tag zuvor hatte er bereits die Messe für Januar abgesagt, weil die Hersteller und Marken nicht genug Interesse zeigten.

Die Bread & Butter gilt als Leitmesse für Alltagskleidung. Sie fand in den vergangenen Jahren immer im Januar und im Juli im Rahmen der Fashion Week Berlin im Flughafen Tempelhof statt. Eine Ersatzveranstaltung, etwa Konzerte, plant Müller bisher nicht. Die Miete, kolportiert werden 1,6 Millionen Euro pro Jahr, muss er trotz Absage zahlen. Sein Mietvertrag läuft noch bis 2019.

„Ich möchte mir jetzt Zeit gönnen, alles zu sortieren“, sagte Müller. Er müsse erst einmal das Stammhaus in Ordnung bringen. Müllers Bread & Butter GmbH, die die Messen organisiert und die auch einige Bekleidungsgeschäfte unter dem Namen 14 oz. betreibt, stehen schwere Zeiten bevor. Müller sagte, das Unternehmen habe in den vergangenen Jahren einige Turbulenzen erlebt, er habe nie Angst gehabt. Jetzt allerdings sei die Lage anders. Durch die Absage der Messen gingen Umsätze verloren, die die Geschäfte nicht auffangen könnten, sagte Müller.

2014 lief in der gesamten Branche schlecht

2012 setzte das Unternehmen rund 36 Millionen Euro um, 2013 waren es um die 32 Millionen Euro. Das Unternehmen war profitabel. 2014 sei in der gesamten Branche schlecht gelaufen, sagte Müller. Genaue Zahlen nannte er nicht. Die Bread & Butter GmbH beschäftigt rund 40 Mitarbeiter.

Müller wäre aber nicht Müller, wenn er nicht schon an die Zukunft denken würde. Eine Idee hat er schon, es soll natürlich um Lifestyle und Mode gehen. Berlin als Standort kann er sich ebenfalls sehr gut vorstellen. Mehr will er nicht verraten, sondern die Idee gemeinsam mit den Herstellern zum Konzept entwickeln. Ob das dann auch Bread & Butter heißen wird, ist nicht sicher. Auf jeden Fall wird es keine Modemesse für Fachbesucher sein wie in den vergangenen Jahren.

Land hat Sonderkündigungsrecht

Finanziell helfen könnte Müller eine Klausel im Mietvertrag für den Flughafen Tempelhof: Das Land hat ein einseitiges Sonderkündigungsrecht für den Fall, dass das Land das Gebäude anders entwickeln möchte. Dieses Recht greift nach fünf Jahren. Weil die erste Bread & Butter in Tempelhof 2009 stattfand, dürfte dieses Recht nur noch für dieses Jahr gelten. Der Senat müsste also bis Ende Dezember entscheiden, ob er davon Gebraucht macht.

Die Fraktionschefin der Grünen, Ramona Pop, fordert den Senat auf zu handeln. „Der Senat muss schnell prüfen, ob es ein Sonderkündigungsrecht gibt, um in Tempelhof andere Entwicklungsperspektiven zu eröffnen“, sagte sie. Vieles sei für das Gebäude in der Diskussion, vom Raum für Start-ups, einem „Kulturhafen“ bis hin zu einem Kongresszentrum. Womöglich seien in dem riesigen Gebäude auch verschiedene Nutzungen gleichzeitig möglich.

ZLB soll nicht mehr in Flughafen Tempelhof

Keine Rolle mehr spielt in den Überlegungen der Grünen, die Zentral- und Landesbibliothek in dem Altbau unterzubringen. Das haben sie seit Jahren gefordert. Hier neigt man dazu, den Raumbedarf der Bücherei durch Anbauten an der Amerika-Gedenkbibliothek am Halleschen Tor zu befriedigen.

Innerhalb der Koalition wird auch über die Trägerschaft von Tempelhof diskutiert. Erwogen wird, das Gebäude der Messe-Gesellschaft zu übertragen und die Betreibergesellschaft Tempelhof Projekt aufzulösen. Dieser Position neigt Wirtschaftssenatorin Cornelia Yzer (CDU) zu, der die Messe untersteht. Dagegen war bisher Stadtentwicklungssenator Michael Müller (SPD), in dessen Verantwortung Tempelhof Projekt fällt.