Bread & Butter

Am Ende blieben die Mode-Aussteller Tempelhof fern

Die Bread & Butter ist für Januar abgesagt. Zu wenig Aussteller interessierten sich für die Messe im ehemaligen Flughafen Tempelhof. Die Fashion Week ist aber nicht bedroht.

Foto: Sean Gallup / Getty Images

Jetzt ist es offiziell: Die nächste Modemesse Bread & Butter im Januar ist abgesagt. Karl-Heinz Müller, Chef des gleichnamigen Unternehmens, verkündete das Aus am Dienstag. Zu wenig Aussteller interessierten sich für die Messe im ehemaligen Flughafen Tempelhof. Unklar ist, ob es überhaupt eine weitere Modemesse unter dem Namen und in der bisher bekannten Form geben wird. Müller bedankte sich bei „allen, die uns in den letzten 14 Jahren unterstützt und begleitet haben“. Die Bread & Butter war eine von mehr als zehn Messen im Rahmen der Fashion Week, die jedes Jahr jeweils im Januar und im Juli in Berlin stattfindet.

Die Probleme der Bread & Butter sind hausgemacht. Müller schreibt in seiner Absage von „selbst herbeigeführten Turbulenzen“. So hatte er im Juli angekündigt, mit der Messe im Januar nach Barcelona ziehen zu wollen. Offenbar war die Nachfrage in Spanien dann doch nicht groß genug. Ende August jedenfalls verkündete Müller, die Modemesse bleibe auch im Januar in Berlin. Das Hin und Her hat den Ausstellern offenbar nicht gefallen.

Von acht auf nur noch eine Halle

Allerdings ist die ganze Branche derzeit einem starken Wandel unterzogen. Viele Hersteller eröffnen eigene Markengeschäfte, sogenannte Flagship Stores, und wenden sich über das Internet an ihre Kunden. Messen für Einzelhändler werden da für die Hersteller weniger wichtig. Und so hatte die Bread & Butter bereits im vergangenen Sommer zu kämpfen und war von acht auf fünf Hallen geschrumpft. Im Januar sollte nur noch eine Halle bespielt werden. Vergangene Woche beklagte Müller noch im Gespräch mit der Berliner Morgenpost, dass es im Rahmen der Fashion Week jede Menge anderer Modemessen gebe. Die Bread & Butter werde von allen möglichen Seiten ausgehöhlt, sagte er. „Für das Original ist das nicht sehr einfach.“ Und er ergänzte, es habe schon einmal besser ausgesehen. „Ich bin alles andere als glücklich.“

Für die rund 40 Mitarbeiter der Bread & Butter GmbH, die die Messe organisiert, war am Dienstag zunächst einmal unklar, wie es jetzt weitergehen soll. Die Planungen für den Sommer hätten üblicherweise nach der Januar-Veranstaltung beginnen sollen. Betroffen von der Absage ist offenbar auch die Messe, die Müller im Herbst in Seoul geplant hatte. Anders als die Bread & Butter scheint die Premium, eine weitere große Messe innerhalb der Fashion Week, besser zu laufen.

Die Veranstaltung in der Station in Kreuzberg ist erneut gewachsen. Und auch Mercedes Benz glaubt weiter an das Format. Der Autobauer verlängerte gerade den Vertrag mit dem ING-Konzern, der seine Messe jetzt bis 2017 Mercedes-Benz Fashion Week Berlin nennen darf. Sie ist ebenfalls Teil der Fashion Week. Die Fashion Week fand seit 2003 zweimal jährlich in Berlin statt. 2005 zog Müller mit der Winter-Bread & Butter nach Barcelona, 2007 folgte auch die Sommerausgabe, seit 2009 ist die Messe wieder komplett zurück. Sie galt als Leitmesse für Alltagsbekleidung. Bis zu 20.000 Besucher strömten nach Berlin.

Debatte um Nachnutzung

Wirtschaftssenatorin Cornelia Yzer (CDU) bedauerte die Absage. „Die Berlin Fashion Week ist aber inzwischen in der internationalen Modeszene fest etabliert und trägt mit ihren mehr als zehn Messen und Modenschauplattformen und 120 Millionen Euro Wirtschaftskraft erheblich zum positiven Image der Hauptstadt in der Welt bei.“ Die Fashion Week habe sich in den vergangenen Jahren immer wieder verändert und sich an die aktuellen Herausforderungen der Branche angepasst. Bei der Industrie- und Handelskammer sieht man es ähnlich. Die Modestadt Berlin habe schon oft bewiesen: Wo eine Lücke entstehe, entwickele sich etwas Neues – auch das mache die Berliner Wirtschaft aus.

Die Lage bei der Bread & Butter könnte die Diskussion darüber wieder anregen, wie das ehemalige Flughafengebäude in Tempelhof dauerhaft genutzt werden kann. Müller hatte mit der Senatsverwaltung 2009 zwar einen Vertrag für zehn Jahre abgeschlossen, nach Informationen der Morgenpost hat der Senat allerdings nach fünf Jahren ein Sonderkündigungsrecht. Müller nutzte die Flächen bisher zweimal im Jahr für jeweils rund fünf Wochen. Die Höhe der Miete ist geheim, kolportiert werden 1,6 Millionen Euro. Sollte der Senat den Mietvertrag kündigen, ist Müller möglicherweise nicht ganz unglücklich. Im Interview mit der Morgenpost hatte er im Juli gesagt, er würde den Vertrag heute nicht mehr über diese Länge abschließen.

Vielleicht kommt auch alles anders. Bread & Butter-Chef Müller, immer für eine Überraschung gut, schloss seine Absage mit einem Zitat aus der Zeichentrickserie „Der rosarote Panther“: „Heute ist nicht alle Tage; ich komm wieder, keine Frage.“