Zu Weihnachten

Berliner Polizei gründet Taskforce gegen Taschendiebe

Die Polizei will mögliche Opfer von Taschendiebstählen aufklären und schützen. Im dichten Gedränge von Berliner Weihnachtsmärkten klebt sie zur Warnung Sticker auf gefährdete Taschen.

Foto: Sean Gallup / Getty Images

Anlässlich der dunklen Jahreszeit und der Eröffnung der Weihnachtsmärkte nach dem Totensonntag hat die Berliner Polizei eine Taskforce gegründet, um gegen die Machenschaften der teilweise organisiert vorgehenden Taschendiebe vorzugehen.

Diese aus zehn Beamten der Bereitschaftspolizei bestehende „Operative Gruppe“ will Berliner und Touristen vor allem dadurch erreichen, indem potenzielle Opfer auf ihr Fehlverhalten aufmerksam gemacht werden und ihnen erklärt wird, wie sie sich schützen können.

„Unsere Kollegen gehen in Zivil auf Plätze wie Weihnachtsmärkte und Bahnhöfe, wo das Gedränge groß ist und die Diebe ihre Opfer finden“, so Kriminaloberkommissar Jens Hartwich vom Landeskriminalamt (LKA). „Sehen wir Menschen, bei denen die Täter Erfolg haben könnten, kleben wir ihnen unbemerkt einen Sticker auf die Tasche und sprechen sie wenig später direkt als Polizisten an, um sie auf ihre Fehler aufmerksam zu machen.“

Der Aufkleber soll zeigen, wie einfach es gewesen wäre, an die Wertsachen der Betroffenen zu kommen. Bislang sei diese Aktion dankbar angenommen worden.

Taschendiebe arbeiten meist im Team

Nach Erkenntnissen des LKA arbeiten die Täter meist im Team. „Ein Täter lenkt das Opfer ab. Das kann durch ein Gespräch passieren, durch ein angeblich versehentliches Beschmutzen der Kleidung oder auch durch ein regelrechtes fröhliches Antanzen“, sagt Hartwich. Dieser Moment wird dann von einem Komplizen genutzt, um Geldbörsen aus Jacken- oder Umhängetaschen zu stehlen. Deswegen sollten Wertgegenstände grundsätzlich in Innentaschen transportiert und Handtaschen verschlossen und mit der Öffnung zum Körper getragen werden.

In der Regel gehe es den Dieben um Bargeld und Kreditkarten. „Wer bemerkt, dass seine Geldbörse gestohlen wurde, sollte umgehend die Nummer des Sperr-Notrufes wählen“, sagt Jens Hartwich. Unter der Nummer 116 116 könnten Zahlungskarten aller Art schnell und unkompliziert für Unbefugte unbrauchbar gemacht werden.

Fachliche Unterstützung bekommen die Berliner Beamten derzeit von mehreren rumänischen Kollegen. Diese sind im Rahmen der internationalen Zusammenarbeit von Ende November bis Jahresende in der Hauptstadt, um dem Fachdezernat für Taschendiebstahl ihre Erfahrungen mit Dieben aus ihrer Heimat zu vermitteln. Laut Polizeilicher Kriminalstatistik betrug der Anteil der nichtdeutschen Tatverdächtigen 80,3 Prozent, 25,7 Prozent davon stammen aus Rumänien. Es gibt aber ein erhebliches Dunkelfeld.

Taschendiebstähle nehmen zu

In Berlin hat die Zahl der Taschendiebstähle 2013 um 19,3 Prozent zugenommen. Wurden in diesem Zeitraum laut Polizeilicher Kriminalstatistik (PKS) 16.335 Fälle zur Anzeige gebracht, waren es im Vorjahr 2642 weniger. Einen ähnlichen Trend registriert die Bundespolizei. Bereits in den ersten neun Monaten dieses Jahres wurden demnach 5906 Handgepäck- und Taschendiebstähle bei der Bundespolizeidirektion Berlin angezeigt, im vergleichbaren Zeitraum des Vorjahres waren es 4545.

Neben Taschendieben nutzen auch Einbrecher die dunkle Jahreszeit, um ihren „Geschäften“ nachzugehen. Zwei Drittel der Wohnraumeinbrüche eines Jahres würden in dieser Jahreszeit geschehen, sagte Kriminaloberrat Karsten Gillert. „Jetzt ist Hauptsaison für Einbrecher.“

Auch aus diesem Grund haben die Polizeidirektion 2 und die Polizeidirektion West des Landes Brandenburg am Sonntag einen bundesländerübergreifenden Einsatz durchgeführt. An Kontrollstellen an der Bundesstraße 5 und der Berliner Allee in Schönwalde-Glien haben uniformierte Beamte alle Autofahrer in der Zeit von 14 bis 22 Uhr kontrolliert.

Ziel war es, mutmaßliche Einbrecher mit ihrer Beute anzuhalten und festzunehmen. Zeitgleich waren Zivilfahnder in Charlottenburg-Wilmersdorf, Spandau und in der Ortschaft Falkensee unterwegs. „Die Fahnder beobachteten Straßen in den Schwerpunktgebieten“, sagte Heiko Homolla, Sprecher der Polizeidirektion 2. „Ziel war es, Täter von Einbrüchen in Wohnungen und Einfamilienhäuser auf frischer Tat beziehungsweise auf oder von ihrem Weg zum Tatort festzunehmen. Polizeibeamte haben auch zielgerichtet bei Mietern und Hausbesitzern geklingelt und auf gekippte Fenster und Terrassentüren hingewiesen.“

Länderübergreifende Polizeiarbeit

Gerade an den Wochenenden würden die Menschen auf Weihnachtsmärkte gehen, einen Friedhofsbesuch machen oder ein paar Tage verreisen, sagte Gillert. Den frühen Einbruch der Dunkelheit und die Abwesenheit nutzen dann die Einbrecher. „Man sollte immer den Eindruck erwecken, dass jemand zu Hause ist“, sagte Gillert. „Licht anlassen, ein Radio anschalten und auch mit einer Zeitschaltuhr arbeiten.“ Die Einbrecher würden gezielt beobachten, wo Licht brennt und wo nicht. Beide Direktionsleiter der Berliner und der Brandenburger Polizei, Hans-Ulrich Hauck und Peter Meyritz, wollen die Zusammenarbeit bei der Einbruchsprävention ausbauen.

Foto: polizei