Bauboom

Neue Wohnungen in der Hauptstadt - Hier baut Berlin

In diesem Jahr werden in Berlin mehr als 10.000 Wohnungen fertiggestellt. Damit wird erstmals das Ziel des Senats erreicht. Die meisten Wohnungen entstehen in Mitte, die wenigsten in Reinickendorf.

Die durch das Bevölkerungswachstum in Berlin ausgelöste starke Nachfrage nach Wohnraum kommt nun endlich auch beim Neubau an. 2013 wurden noch rund 6200 Wohnungen fertig gestellt, 2014 wird endlich die Zahl von 10.000 überschritten – und damit erstmals die Zielmarke, die sich der Senat zu Beginn dieser Legislaturperiode vor zwei Jahren selbst gesetzt hatte. Und die Prognosen für das kommende Jahr 2015 sehen bereits vielversprechend aus. Für das erste Halbjahr 2014 wurden allein 9110 Baugenehmigungen ausgestellt. „Im Vergleich zum Vorjahreszeitraum bedeutet das einen Zuwachs von etwa 85 Prozent“, so Engelbert Lütke Daldrup, Staatssekretär in der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung.

Nach Auskunft von Lütke Daldrup, die dieser auf eine parlamentarische Anfrage des CDU-Abgeordneten Stefan Evers gegeben hat, ist der Bezirk Mitte mit 1822 genehmigten Wohneinheiten innerhalb der ersten sechs Monate dieses Jahres Spitzenreiter. Auf Platz zwei folgt Treptow-Köpenick mit 1545, Pankow kommt mit 1160 Wohnungen auf den dritten Platz. Insgesamt ist das Neubauaufkommen in den ehemaligen Westbezirken deutlich geringer. Mit 692 Wohneinheiten hat Steglitz-Zehlendorf noch die meisten Genehmigungen ausgesprochen. Das absolute Schlusslicht bildet Reinickendorf (222).

Wachstum stagniert

Immobilienexperten sehen den Hauptgrund für die Zurückhaltung der Bauherren in der noch immer offenen Frage, wann der Flughafen Tegel tatsächlich schließt. Zudem rechnen auch die Fachleute in der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung damit, dass das Bevölkerungswachstum im Bezirk Reinickendorf stagniert. In der Bevölkerungsprognose (2011-2030) wird die Zunahme mit lediglich 1,5 Prozent (4600 Menschen) angegeben. In Pankow dagegen wird im gleichen Zeitraum ein Zuwachs von 16,3 Prozent (61.000 Menschen) vorausgesagt. In Mitte, dem Bezirk mit den meisten Baugenehmigungen, wird mit 23.000 neuen Bürgern und einer Zuwachsrate von 8,5 Prozent gerechnet.

„Seit zehn Jahren wächst die Bevölkerung in unserem Bezirk deutlich“, sagt Matthias Köhne (SPD), Bezirksbürgermeister von Pankow. Insofern sei es nur folgerichtig, dass dort auch viel gebaut werde. Die Ortsteile Pankow, Heinersdorf, Weißensee und Niederschönhausen würden dabei besonders stark zulegen. „Wir merken das vor allem daran, dass der Bedarf an Schulplätzen deutlich zugenommen hat“, so Köhne. Dass dem Bezirk der Platz für weitere Wohnungen ausgeht, befürchtet der Politiker nicht: „Wir haben große Potenziale.“ Während einige Bezirke erheben, wie lange Bauherren auf ihre Genehmigungen warten müssen, werden diese Daten in Pankow nicht festgehalten. Allerdings habe der Bezirk sechs zusätzliche Stellen bewilligt bekommen, so könnte die Bearbeitungszeit der Baugenehmigungen künftig verbessert werden, sagt Köhne. Nichts zu tun mit dem Personalschlüssel haben dagegen die starken monatlichen Schwankungen (siehe Grafik). So wurden in Pankow beispielsweise im Mai 89 Wohnungen genehmigt, im Juni dagegen 490. „Das liegt einfach daran, dass in manchen Monaten große Bauvorhaben mit Hunderten Wohnungen genehmigt werden, in anderen eben nur kleinere“, so Köhne.

Nach Auskunft von Lütke Daldrup wurden den Bezirken 53 neue Stellen zur Beschleunigung von Genehmigungsverfahren zur Verfügung gestellt. Das Problem: Sie sind bis Ende 2015 befristet. „Davon sind nach Kenntnis des Senats 24 Stellen besetzt“, so der Staatssekretär. Die Dauer der Baugenehmigungsverfahren variiere derzeit in den Bezirken zwischen vier und zwölf Wochen. Neben Pankow machten auch Friedrichshain-Kreuzberg, Charlottenburg-Wilmersdorf, Steglitz-Zehlendorf, Tempelhof-Schöneberg und Lichtenberg keine Angaben. Vergleiche man aber die Daten für die Jahre 2011 bis 2014, lasse sich eine deutliche Verkürzung der Bearbeitungszeit feststellen. „Wir erwarten, dass sich die Dauer mit der Einarbeitung der neuen Personalkräfte weiter verkürzt“, so der Staatssekretär.

Vor allem Private bauen

Seit fünf Jahren wurden in der Hauptstadt jedes Jahr mehr neue Wohnungen fertig gestellt. 2013 waren es 6641. 2009 wurden lediglich 3815 neue Einheiten gebaut. Nach Angaben der Senatsverwaltung entstanden 2013 mit rund 1200 die meisten neuen Wohnungen in Pankow und in Mitte, in Neukölln waren es mit 132 die wenigsten. Die Baugenehmigungen deuten nun darauf hin, dass die Zahlen weiter steigen, wenn auch längst nicht so schnell wie die Bevölkerung. Die Einwohnerzahl Berlins ist allein 2013 um 42.000 gewachsen. In den vergangenen Jahren hatten vor allem private Investoren den Wohnungsneubau vorangebracht. Nach den Zahlen, die das Amt für Statistik Berlin-Brandenburg vorgelegt hat, wird das künftige Baugeschehen erneut von den Privaten dominiert. Die Anzahl der von den städtischen Wohnungsbaugesellschaften beantragten Genehmigungen beläuft sich im ersten Halbjahr 2014 lediglich auf 491 Einheiten. Auf die Privaten entfallen 8619 Wohnungen.

Angesichts des Bevölkerungswachstums und der steigenden Mieten hatte der rot-schwarze Senat beschlossen, bis 2025 etwa 120.000 Wohnungen zu errichten. Im Juli hatten Stadtentwicklungssenator Michael Müller (SPD) und Vertreter der Wohnungswirtschaft deshalb das Bündnis für Wohnungsneubau in Berlin unterzeichnet. Die Verbände haben sich dazu verpflichtet, über ihre Mitglieder bis 2025 jedes Jahr rund 9000 neue Wohneinheiten zu errichten. Das Land Berlin sagte im Gegenzug zu, Genehmigungen zügig zu erteilen. Das Bündnis sieht auch einen Anteil preiswerter Wohnungen vor. Bei größeren Projekten von mehr als 100 Mietwohnungen sollen die Verbandsmitglieder einen Anteil von zehn bis 33 Prozent zu Mieten unter 7,50 Euro je Quadratmeter (kalt) anbieten.