Bankraub

Polizei sieht „erstaunliche Häufung“ von Banküberfällen

Am Montag ist eine Volksbank in Buch überfallen worden, nur einen Tag nach einem Anschlag auf eine Sparkasse und zwei Wochen nach einem Bankraub in Mitte. Jetzt bangen Kunden um ihre Ersparnisse.

Foto: Steffen Pletl

Berliner Banken scheinen derzeit eine besonders hohe Anziehungskraft auf Kriminelle auszuüben. Nur einen Tag nach dem spektakulären Sprengstoffanschlag auf eine Sparkassenfiliale in Mariendorf, hat die Polizei am Montag bereits den nächsten Überfall gemeldet. Betroffen war diesmal eine Filiale der Berliner Volksbank an der Wiltbergstraße in Buch.

Erst vor zwei Wochen hatte ein weiterer Bankräuber unbeeindruckt von den Menschenmassen in der Umgebung eine Bankfiliale am Alexanderplatz überfallen. Von einer Serie möchte die Berliner Polizei nicht gleich sprechen, man räumte dort am Montag allerdings sehr wohl eine „erstaunliche Häufung“ ein. In allen Fällen fehlt von den Tätern noch jede Spur.

Flucht ohne Beute

Im jüngsten Fall am Montag betrat der maskierte Täter nach ersten Erkenntnissen der Polizei gegen 10.25 Uhr die Bank und bedrohte einen Angestellten mit einer Schusswaffe. Zeugenaussagen zufolge soll der bislang unbekannte Mann eine Karnevalsmaske getragen haben.

Erfolg hatte er allerdings nicht. Bankmitarbeiter reagierten auf die Forderung des Täters nach Herausgabe der Bargeldbestände nur zögernd, dadurch verlor der Mann offenbar die Nerven und flüchtete schließlich ohne Beute aus der Filiale.

Er soll jung und hager gewesen sein, mehr Informationen hat die Polizei bislang nicht. Schon eine Stunde später lief der Geschäftsbetrieb in der Volksbank-Filiale völlig normal weiter, nichts erinnerte mehr an das Geschehen kurz zuvor.

100 Schließfächer wurden leer geräumt

Gänzlich anders sah es hingegen an der Filiale der Berliner Sparkasse am Mariendorfer Damm aus. Anwohner und Neugierige, die eigens aus anderen Ortsteilen hierher gekommen waren, sahen auch am Montag noch die Spuren vom Vortag.

Eine Gruppe Unbekannter hatte am frühen Sonntagmorgen in dem Gebäude Sprengsätze detonieren lassen, nachdem sie zuvor etwa 100 Schließfächer leer geräumt hatten. Dabei wurde die gesamte Filiale zerstört.

Der ohrenbetäubende Krach hatte Hunderte Anwohner aus dem Schlaf geschreckt, Fenster und Mobiliar der Filiale flogen zum Teil 50 Meter durch die Luft. Die Mitteilung der Sparkasse, dass die Filiale bis auf Weiteres geschlossen bleibt, war für Menschen vor Ort angesichts des Anblicks keine Überraschung.

Hinweise, aber noch keine heiße Spur

Unklar ist bislang noch, wann die Täter in die Bank eingedrungen waren. „Etliche Stunden wird es schon gedauert haben, sich Zugang zu verschaffen und die Schließfächer aufzuhebeln“, sagte ein Ermittler.

Durchaus möglich sei auch, dass die Täter schon am Sonnabend in die Bank eindrangen, ergänzte der Beamte: „Wir wissen es einfach nicht mit Bestimmtheit, bislang hat keiner der befragten Zeugen Informationen geben können, aus denen wir das Eindringen der Täter in die Bank ableiten können“, sagte der Ermittler.

Auch am Tag nach dem Anschlag wurden weiter Zeugen befragt. Einem Polizeisprecher zufolge gab es dabei einige Hinweise, aber noch keine heiße Spur. Auch darüber, wie und auf welchem Weg die Täter in das Gebäude und den Keller gelangten, hat die Polizei noch keine gesicherten Hinweise. Am Montag waren weiter die Experten der Spurensicherung in der Filiale am Werk, um verwertbares Material zur Beantwortung dieser Frage zu finden.

Weder Bankmitarbeiter noch Kunden kommen zur Zeit in die Filiale. Erst wenn die kriminaltechnischen Untersuchungen abgeschlossen sind, haben die Mitarbeiter der Sparkasse wieder Zugang zu den Räumen. Wann das sein wird, ist unklar.

Hotline geschaltet

Die Berliner Sparkasse habe inzwischen die Identitäten der betroffenen Schließfachinhaber festgestellt und bereits am Montag damit begonnen, die Kunden anzuschreiben, sagte Sparkassen-Sprecherin Constanze Stempel. Darüber hinaus wurde eine Telefon-Hotline geschaltet. Zudem sind Sparkassen-Mitarbeiter vor Ort, um die Kunden dort zu informieren und zu beraten.

Denen stand am Montag vor der Filiale am Mariendorfer Damm der Schock über das Geschehen und die Angst um einen möglichen Verlust des Ersparten ins Gesicht geschrieben. „Ich hätte nie gedacht, dass es auch einmal mein Schließfach ereilen könnte“, sagte eine Seniorin. Sie hatte dort ihr Sparbuch hinterlegt. „Es sollte die Rentenabsicherung sein – doch wer weiß, was jetzt passiert.“

Mit fragendem Blick wandte sie sich an einen Mitarbeiter der Filiale, der an diesem Vormittag betroffene Kunden informiert, welche weiteren Schritte sie jetzt im einzelnen für die Regulierung des Schadens einleiten müssen.

„Vielleicht habe ich Glück und mein Schließfach ist unversehrt geblieben“, hoffte eine junge Frau. Sie hatte im April dieses Jahres in der Filiale ein Schließfach angemietet. „Ich habe dort kein Bargeld, aber einige für mich wertvolle Erbstücke hinterlegt“, sagte sie.

Entschädigungansprüche müssen geklärt werden

Auf alle Beteiligten kommt jetzt vor allem viel Papierkram zu. Die Schließfachkunden müssten nun Anzeige bei der Polizei erstatten und die von der Sparkasse zugesandten Formulare ausfüllen, in denen sie zum Inhalt ihrer Schließfächer befragt werden, hieß es von der Sparkasse. „Wir brauchen genaue Aufstellungen, denn wir wissen ja nicht, was die Kunden in den Fächern deponieren“, erklärte Sprecherin Constanze Stempel.

Erst danach werde dann die Frage der Entschädigungsansprüche jeweils im Einzelfall geklärt – unter Einbeziehung der Versicherung. Das könne, kündigte die Sparkassen-Sprecherin vorsorglich an, allerdings schon einige Zeit in Anspruch nehmen.

Unter der Telefonnummer 869 869 15 erhalten Betroffene alle für sie wichtigen Informationen rund um ihr Schließfach