Asylbewerber

Berlin baut sechs große Containerdörfer für Flüchtlinge

An Standorten in fünf Bezirken werden die Containerunterkünfte errichtet, zwischen 300 und 480 Menschen können dort jeweils wohnen. Noch vor Weihnachten soll die erste Unterkunft fertig sein.

Foto: Paul Zinken / dpa

Der Senat will in Berlin sechs Wohncontainerdörfer für Flüchtlinge errichten. Dort sollen insgesamt 2400 Plätze entstehen, von denen 200 für Obdachlose freigehalten werden.

Die Containerdörfer werden am Ostpreußendamm (300 Plätze) und am Osteweg (340 Plätze) in Lichterfelde gebaut, außerdem am Hausvaterweg in Lichtenberg (480 Plätze), an der Karower Chaussee in Pankow (480 Plätze), an der Alfred-Randt-Straße in Köpenick (400 Plätze) sowie an der Schönagelstraße in Marzahn (400 Plätze).

Das teilte Sozialsenator Mario Czaja (CDU) am Montag mit. Das Heim in Köpenick soll noch vor Weihnachten bezogen werden, die anderen im ersten Quartal des kommenden Jahres. Die Kosten dafür belaufen sich auf 43 Millionen Euro.

Starker Zustrom von Flüchtlingen nach Berlin

Czaja rechnet mit einem anhaltend starken Zustrom von Flüchtlingen nach Berlin. Im Oktober ist ein neuer Rekordwert zu erwarten, es wäre der vierte in Folge. Mit Stand Montag, 10 Uhr, seien in diesem Monat bereits 921 Asylbewerber aufgenommen worden, bis Monatsende würden es voraussichtlich mindestens 1500 werden, teilte Franz Allert, der Präsident des Landesamtes für Gesundheit und Soziales (Lageso), mit.

Im Juli kamen erstmals seit vielen Jahren mehr als 1000 Flüchtlinge in einem Monat nach Berlin, im September waren es mehr als 1300. Für das gesamte Jahr gehen Czaja und Allert inzwischen von mindestens 12.000 Neuzugängen aus. Zum Vergleich: Im Jahr 2012 waren es nur rund 3000.

Die Containerdörfer sind ein wichtiger Baustein des neuen Senatskonzepts zur Unterbringung von Flüchtlingen in Gemeinschaftsunterkünften. Bislang wurden Asylbewerber fast ausschließlich in Heimen untergebracht, die freigemeinnützigen oder privaten Eigentümern gehören. Das Land Berlin zahlt dafür Tagessätze an die Betreiber, mit denen die Unterbringung und auch Investitionen in die Gebäude abgegolten werden. Nun verfolgt der Senat verstärkt das Ziel, den Anteil der Plätze in landeseigenen Immobilien deutlich zu erhöhen. Für mehrere Gebäude werde derzeit geprüft, ob sie für den Umbau zu Heimen geeignet seien, sagte Czaja. Details wollte er aber noch nicht nennen.

Opposition kritisiert Massenquartiere „am äußersten Stadtrand“

Da solche Umbauten sechs bis zwölf Monate Zeit benötigten, sei mit dem Liegenschaftsfonds des Landes Berlin parallel über landeseigene Grundstücke verhandelt worden, auf denen kurzfristig Containerdörfer errichtet werden können, so Czaja. Das Land baue die Unterkünfte selbst. An einer Ausschreibung hätten sich etwa 30 Unternehmen beteiligt, mit rund zehn sei schließlich verhandelt worden.

Die Gespräche seien inzwischen abgeschlossen, am Freitag werde der Zuschlag erteilt. Als Betreiber der Dörfer wählte das Lageso fünf gemeinnützige und einen privaten aus, mit allen arbeite Berlin seit Langem zusammen, so der Sozialsenator.

Die Opposition kritisierte die Pläne des Senats. Massenquartiere „am äußersten Stadtrand“ grenzten die Flüchtlinge aus, sagten die Piraten. Die Linke erklärte, der Senat nutze die Möglichkeit, Flüchtlinge in Wohnungen unterzubringen, zu wenig.