Stadtreinigung

Die BSR erhebt neue Müllgebühren für alle Berliner Haushalte

Die Preise bei der BSR steigen um 3,2 Prozent. Die Stadtreinigung erhebt zudem erstmals einen neuen Grundtarif von 24,60 Euro - egal, wie viel Müll pro Haushalt anfällt.

Die Berliner müssen sich ab dem kommenden Jahr auf einen Systemwechsel bei ihren Abfallgebühren einstellen. Erstmals erhebt die Berliner Stadtreinigung (BSR) von jedem Haushalt eine Grundgebühr. Das hat der Aufsichtsrat am Mittwoch beschlossen.

Die Gebühr wird unabhängig davon erhoben, wie viel Müll jeder Haushalt erzeugt und in den grauen Tonnen landet. Insgesamt steigen die Müllgebühren über die kommenden zwei Jahre um durchschnittlich 3,2 Prozent. Wie sich die Kosten für jeden Haushalt entwickeln, hängt aber von der individuellen Situation ab. Die Kosten für die Straßenreinigung steigen um durchschnittlich 2,1 Prozent.

Im Gegenzug zu der von der BSR „Ökotarif“ getauften neuen Grundgebühr von 24,60 Euro jährlich senkt das landeseigene Unternehmen die Kosten für die einzelnen Hausmüllbehälter und die Biotonne. Die großen 1100-Liter-Container, die in den meisten Mietshäusern gebräuchlich sind, werden 19,9 Prozent oder 234 Euro pro Jahr billiger. Die Entsorgung der kleinen 120-Liter-Tonnen kostet ab 2015 16,9 Prozent oder 57 Euro weniger als bisher. Die Biotonne wird 20 Prozent billiger.

Verlierer sind Besitzer von Einfamilienhäusern

Verlierer im neuen Preissystem, das ähnlich schon in vielen deutschen Kommunen gilt, sind Bürger, die bisher sehr wenig für ihre vergleichsweise geringe Menge Hausmüll bezahlt haben, also zum Beispiel die Bewohner vieler Einfamilienhäuser am Stadtrand. Weniger zahlen Haushalte, die bisher über dem Durchschnitt aller Abfallkunden lagen, so die BSR. Die maximale Erhöhung gibt das Unternehmen mit 1,52 Euro pro Monat an. Diese treffe Haushalte, die 30 Liter Hausmüll pro Woche über einen 1100-Liter-Container entsorgen und die Biotonne nicht nutzen.

Insgesamt hält sich die BSR zugute, dass ihre Tarife angesichts steigender Personal- und Energiekosten mit 1,6 Prozent pro Jahr nur mäßig nach oben gehen. Mit 126 Euro Hausmüllkosten pro Durchschnittshaushalt bleibe Berlin die günstigste deutsche Großstadt.

Immobilienwirtschaft und Mieterschützer haben wenig gegen das neue Modell, weil sich die Gesamtbelastung für die Haushalte und vor allem die Mieter nur wenig ändert. Umweltschützer halten indessen wenig von dem Ökotarif der BSR: Aus unternehmerischer Sicht könne sie das Vorgehen nachvollziehen, unter Umweltgesichtspunkten „fehlt einiges“, sagte die umweltpolitische Sprecherin der Grünen, Silke Gebel. Mit der Grundgebühr fehlten Anreize, Müll zu vermeiden oder die Stoffe besser zu trennen, sagte die Oppositionspolitikerin. Wenigstens die Biotonne hätte kostenlos gemacht werden sollen, um die Nutzung auszuweiten. Die von der BSR im laufenden Jahr erwarteten 66.000 Tonnen Bioabfall lägen weit hinter der Zielmarke von 100.000 Tonnen, auch wenn die BSR von einem „Allzeithoch“ spricht. Auch der Umweltverband BUND befürchtet, dass die Berliner jetzt ihren Müll noch weniger sorgfältig sortieren.

SPD-Umweltexperte Daniel Buchholz sieht die Gefahr sinkender Bereitschaft zur Mülltrennung ebenfalls. Andererseits hält er es für richtig, dass nun alle Bürger in das Sammelsystem einbezogen würden und niemand mehr in die Versuchung komme, seinen Abfall in Mülleimer im Park zu stopfen, um Kosten zu sparen. Aus Sicht des CDU-Umweltpolitikers Danny Freymark zeigt die neue Tarifkalkulation, dass die BSR „betriebswirtschaftlich und ökologisch gut aufgestellt“ ist.