Bauprojekte

Das sind die besten Ideen für den Städtebau in Berlin

Die Stadt nominiert drei „herausragende Projekte“ für Fördermittel aus dem Investitionstopf „Nationale Projekte des Städtebaus“. Dazu zählt auch ein 750 Meter langes Flussbad an der Museumsinsel.

Foto: realU

Ein 750 Meter langes Flussbad an der Museumsinsel, eine Dachterrasse und ein Café im Tower des alten Flughafen Tempelhof und der Umbau des ehemaligen Offizierskasinos in der Stasi-Zentrale an der Normannenstraße zum Bürgerzentrum – das sind nach Informationen der Berliner Morgenpost die drei Projekte, mit denen Berlin sich um Fördermittel aus dem Investitionstopf „Nationale Projekte des Städtebaus“ bewirbt.

Der Deutsche Bundestag hatte im Juni 2014 das neue Bundesprogramm beschlossen. Mit diesem werden insgesamt 50 Millionen Euro für „herausragende Projekte“ bereitgestellt.

Gefördert werden sollen vor allem innovative Konzepte, die auch auf nationaler Ebene wahrgenommen werden. Länder und Kommunen waren dazu aufgerufen, geeignete Vorschläge zu unterbreiten.

In Berlin ist die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umwelt antragsberechtigt und hat die Projekte ausgewählt. Insgesamt beläuft sich das von Berlin beantragte Fördervolumen auf 7,3 Millionen Euro.

Eine öffentliche Badeanstalt am Spreekanal

Mit seinem Förderantrag will Berlin nun den Verein „Flussbad Berlin“ unterstützen. Dieser plant, am Rande der Museumsinsel am Spreekanal eine öffentliche Badeanstalt zu errichten. Auf einer Länge von 750 Metern soll zu Füßen des im Bau befindlichen Berliner Schlosses eines der größten und schönsten Schwimmbecken der Welt geschaffen werden.

Im oberen Teil des insgesamt 1,6 Kilometer langen Wasserlaufs sollen eine Biotoplandschaft und ein Schilfbecken zur natürlichen Reinigung des Flusswassers entstehen. Denn noch schwappt in diesem seit 100 Jahren ungenutzten Abschnitt des Kupfergrabens eine unappetitliche braune Brühe. „Das Flussbad Berlin hat großes Potenzial für Nachhaltigkeit, denn es geht um die ökologische Aufwertung des Wassers in der Stadt, um die Schaffung öffentlich zugänglicher Grün- und Freiräume am Wasser sowie um die Einbindung der Interessen der Stadtgesellschaft“, begründet Stadtentwicklungssenator Michael Müller die Wahl des Projektes.

Ein 360°-Rundblick über Tempelhof

Als weiteres Projekt hat Müllers Verwaltung ein Vorhaben der landeseigenen Tempelhof Projekt GmbH ausgewählt. Diese möchte den Kopfbau West des denkmalgeschützten Flughafengebäudes Tempelhof öffentlich zugänglich machen. Spektakuläre Bereiche wie das markante Treppenhaus, das Dach und der legendäre Tower der Flugsicherung ermöglichten dann einen 360°-Rundblick über Tempelhof und die gesamte Stadt, so der Senator.

Mit dem Projekt könnte auch größeren Besuchergruppen der Zugang zum „Tower“ ermöglicht werden. Eine Dachterrasse soll Platz für ein Café mit Blick über die Stadt und das Tempelhofer Feld bieten. Ein Teil der darunter liegenden Etage soll zudem als Ausstellungsfläche zur Architekturgeschichte und zum Städtebau des Flughafengebäudes ausgebaut werden.

Der Flughafen Tempelhof besitzt auch über Berlin hinaus eine hohe öffentliche Aufmerksamkeit; er ist ein welthistorischer Ort und eine touristische Attraktion. 33.000 Menschen besichtigten 2013 das Gebäude in geführten Touren. Gäbe es eine Möglichkeit, Teile des Gebäudes auch ohne Führungen zu besuchen, könnten die Besucherzahlen enorm gesteigert werden.

Mahnende Erinnerung an DDR-Diktatur

Auch die Entwicklung der ehemaligen Stasi-Zentrale in der Normannenstraße zu einem internationalen Lernort der Demokratie soll mit dem Förderantrag unterstützt werden. Das ehemalige DDR-Ministerium für Staatssicherheit (MfS) besteht aus 29 Plattenbauten, die nicht nur das heutige Stasi-Museum beherbergen, sondern in der auch die Stasi-Unterlagen-Behörde mehrere Häuser nutzt.

Dieses 22 Hektar große Areal sei sowohl mahnende Erinnerung an Repressionen in einer Diktatur, als auch Symbol für den Widerstand, die friedliche Revolution und den Sieg der Demokratie, heißt es in der Antragsbegründung. Es soll deshalb als lebendiger und authentischer Ort erlebbar gemacht werden.

Unter anderem soll neben dem Stasi-Museum und dem Stasi-Unterlagen-Archiv das ehemalige Offizierskasino der Stasi eine zentrale Rolle spielen. Die Planungen sehen dabei vor, das Kasino künftig als Bildungs- und Bürgerzentrum zu nutzen.

200 Konkurrenzprojekte

Doch es geht nicht nur um diese Vorschläge. Zusätzlich zu den drei Projekten, die auch auf nationaler Ebene sicherlich mit einem gewissen Bekanntheitsgrad punkten können, beantragt Berlin auch noch Fördermittel zur Erhaltung und denkmalgerechten Nutzung bedeutender Baudenkmale im Hansaviertel, im Studentendorf Schlachtensee und in Neukladow.

„Wir hoffen sehr, dass wir mit unseren Projekten erfolgreich sein werden“, sagt die Sprecherin des Stadtentwicklungssenators, Daniela Augenstein. Allerdings wäre es angesichts der starken Konkurrenz auch schon ein Erfolg, wenn zumindest eines der Berliner Projekte als förderwürdig ausgewählt werde. Letztlich wird es wohl nur rund ein Dutzend Projekte geben, die tatsächlich gefördert werden. Bundesweit sind jedoch rund 200 Anträge gestellt worden.