Berlin

Ehemalige Stalinallee und Hansaviertel werden kein Welterbe

Die deutschen Kultusminister haben Berlin mit seinen Bewerbungen für die Welterbe-Nominierungen eine Abfuhr erteilt. Man müsse sich mehr anstrengen. Der Senat ist enttäuscht.

Foto: Reto Klar

Die deutschen Kultusminister haben in dieser Runde keine einzige Stätte aus Berlin auf ihre Liste für künftige Welterbe-Nominierungen aufgenommen. Weder die Bewerbung von Hansaviertel und Karl-Marx-Allee noch die des Jüdischen Friedhofs Weißensee schafften es unter die neun ausgewählten Kulturgüter. Die Gekürten erfüllen nach Einschätzung der Minister das entscheidende Kriterium des „außergewöhnlichen universellen Wertes“ – und zählen nicht zu einer bereits überrepräsentierten Kategorie.

„Die durchgefallen sind, müssen sich anstrengen, wenn sie eine Chance haben wollen – und ihren Antrag verbessern“, sagte KMK-Sprecher Andreas Schmitz am Freitag.

„Wir bedauern die Entscheidung sehr und halten die Vorschläge nach wie vor für herausragende Projekte, die auf die Liste kommen sollten“, sagte eine Sprecherin der Berliner Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umwelt. „Wir werden schauen, ob wir sie in der nächsten Runde 2016 bis 2021 wieder ins Rennen bringen.“ Der von den Kultusministern beauftragte Fachbeirat habe etwa an der Bewerbung Karl-Marx-Allee/Hansaviertel bemängelt, dass es noch keine ausreichende wissenschaftliche Forschung dazu gebe.

Architektur in Ost und West

Der Berliner Senat hatte den einstigen Prachtboulevard Stalinallee im Ostteil Berlins zusammen mit dem grünen Hansa-Viertel im Westen als Beispiel für den Städtebau im geteilten Berlin für die Weltkulturerbeliste vorgeschlagen. Die heutige Karl-Marx-Allee gilt als Paradebeispiel für monumentale sozialistische Architektur der Nachkriegsjahre. Als Gegenentwurf war das Hansaviertel in West-Berlin zur Internationalen Bauausstellung Interbau 1957 am Tiergarten errichtet worden. Berühmte Architekten wie Oscar Niemeyer, Alvar Aalto oder Walter Gropius waren beteiligt.

Der Jüdische Friedhof Weißensee, 1880 vom Architekten Hugo Licht angelegt, gilt mit seinen mehr als 115 000 Grabstellen als einer der größten und schönsten jüdischen Friedhöfe Europas. Ein Stein erinnert an die sechs Millionen Juden, die Opfer des NS-Völkermords wurden.

Neuschwanstein und Herrenchiemsee nominiert

Die Kultusministerkonferenz musste über 31 Bewerbungen aus den Ländern entscheiden. 22 Anträge sind ausgeschieden, wie das Gremium am Donnerstag in Bonn mitteilte. Auf die Liste geschafft haben es etwa die bayerischen Schlösser Neuschwanstein, Linderhof und Herrenchiemsee sowie das Residenzensemble Schwerin und die Künstlerkolonie Mathildenhöhe in Darmstadt.

Für die jetzt durchgefallenen Bewerber bestehe auch die Chance, bei anderen Programmen berücksichtigt zu werden, hieß es weiter – etwa beim Weltdokumentenerbe oder dem Immateriellen Kulturerbe der Unesco. dpa/alu