Wirtschaftsförderung

Digitale Neubaukarte hilft bei der Wohnungssuche in Berlin

Eine App hilft neuen Firmen in Berlin, Wohnungen für Mitarbeiter zu finden - nutzen kann sie aber jeder. 4000 Wohneinheiten sind dort verzeichnet, es sollen schnell mehr werden.

Foto: Berlin-Partner

Jahrelang konnte die Wirtschaftsförderung Berlin Partner als eines ihrer zugkräftigsten Argumente für einen Unternehmensumzug in die Hauptstadt die günstigen und vor allem in üppiger Anzahl vorhandenen Wohnungen ins Feld führen. Doch der Zuzug von jährlich rund 50.000 Neuberlinern hat die Lage auf dem Wohnungsmarkt gründlich verändert. Die Zahl frei verfügbarer Wohnungen liegt in vielen Bereichen der Innenstadt bei nur noch gut einem Prozent, aufgrund der großen Nachfrage sind die Mieten zudem deutlich gestiegen.

„Das hat sich inzwischen auch im In- und Ausland herumgesprochen“, sagt Karin Teichmann. Um die Firmenchefs und letztlich auch deren Mitarbeiter davon zu überzeugen, dass die Lage am Wohnungsmarkt so schlimm nicht ist und vor allem viele neue Wohnungen entstehen, hat die Leiterin des Business Location Center (BLC) Berlin mit Beginn dieser Woche ein neues Hilfsmittel zur Verfügung.

„newinberlin“ ist kostenlos

Die kostenlose App „newinberlin“ bietet, basierend auf dem bekannten 3D-Stadtmodell, aktuelle Wohnungsangebote, die sich so genau lokalisieren lassen. „Unser ganz besonderes Angebot gilt aber den Neubauprojekten“, sagt Karin Teichmann. Dieses Angebot, eine Kooperation mit Immobilien-Scout24, ist im Internet unter businesslocationcenter.de/wohnmarktkarte abrufbar.

Klickt man diesen Link und dann das entsprechende Neubau-Icon an, das zwei blau eingefärbte Hochhäuser zeigt, öffnet sich das Informationsblatt zum Projekt. Der Nutzer erfährt, wie viele Wohnungen entstehen, wann die Fertigstellung geplant ist, ob es sich um Miet- oder Eigentumswohnungen handelt, findet dort den Kontakt zum Bauherrn und kann sich so gegebenenfalls schon mal eine Wohnung reservieren.

Sehen, was bald fertig wird

Von diesem Angebot profitierten alle – die Bauherren, die Unternehmen, die nach Berlin ziehen oder in Berlin expandieren wollen, deren Mitarbeiter. „Und natürlich auch jeder Berliner, der sich dafür interessiert, was bei ihm um die Ecke neu gebaut wird“, ergänzt die Beraterin. Dabei wolle sie keinesfalls als Maklerin oder Vermittlerin zwischen Anbietern und Nachfragern auftreten. „Wir bieten beiden Seiten lediglich die Gelegenheit, zu informieren oder sich zu informieren.“

Der Verweis auf Neubauvorhaben, die erst in den kommenden Jahren fertig werden, mache durchaus Sinn, meint Karin Teichmann. „Wenn ein Unternehmen seinen Mitarbeitern eröffnet, dass der gesamte Betrieb in eine andere Stadt verlagert wird, gibt es ja meist eine lange Vorlaufphase.“ Berlin Partner hat nach eigenen Angaben im ersten Halbjahr 2014 Unternehmen aus Berlin und von außerhalb dabei unterstützt, 2396 Arbeitsplätze in der Hauptstadt zu schaffen.

„Umzugs-Nachricht schockt die Mitarbeiter zuerst“

Karin Teichmann nennt als Beispiel den Umzug der Firma Sanofi Pasteur MSD. Das deutsche Hauptquartier des Impfstoffherstellers wird im Frühjahr 2015 vom baden-württembergischen Leimen nach Berlin in ein neu errichtetes Bürogebäude am Humboldthafen gleich neben dem Hauptbahnhof ziehen. Das Unternehmen wird 181 neue Arbeitsplätze in Berlin schaffen.

„So eine Umzugs-Nachricht ist für die Mitarbeiter zunächst ein Schock“, weiß Karin Teichmann. Die Ansiedlungsberaterin wird oft von Unternehmen mit Umzugsabsichten eingeladen, um auf der Betriebsversammlung den ersten Schreck mit Informationen aus erster Hand zu lindern. Am besten gelinge dies, so die BLC-Chefin, mit einem virtuellen Spaziergang durch das 3D-Stadtmodell Berlin.

Dieses 3D-Modell setzt Karin Teichmann bereits seit Jahren ein. Neben den wichtigsten Firmenstandorten in der Stadt, Angeboten an Gewerbeflächen, Informationen zu Schulstandorten, Sozialstrukturdaten, medizinischer Versorgung, Haltestellen des Öffentlichen Nahverkehrs und kurzen Kiezporträts finden sich dort ab sofort eben auch Hinweise zum Wohnungsangebot.

Die Fragen nach den Schulen und den Wohnungen sind am wichtigsten

„Die wichtigsten Fragen bei solchen Versammlungen kreisen immer um die zwei Komplexe Schule und Wohnen“, weiß Karin Teichmann aus Erfahrung. Das sei im Juni, als sie die Mitarbeiter von Sanofi in Leimen besuchte, auch nicht anderes gewesen. „Natürlich ist es dann interessant, sich schon einmal mit dem Partner daheim am Küchentisch aktuelle Wohnungsangebote anzuschauen“, sagt die Ansiedlungsberaterin.

„Wenn ich weiß, dass ich erst 2016 umziehe, interessieren mich aber vielleicht doch noch mehr die Neubauprojekte, die zu diesem Zeitpunkt verfügbar sind“, sagt sie. 4000 Wohneinheiten umfasst das Angebot des Business Location Centers inzwischen. Allerdings verteilen sich diese im Wesentlichen auf 25 größere Projekte bekannter großer Projektentwickler in Berlin. Baugruppen oder kleinere Bauvorhaben, beispielsweise ein klassisches Berliner Wohnhaus in einer Baulücke, sind dagegen noch gar nicht vorhanden.

„Wir haben zunächst einmal die Großen in der Branche angesprochen, einfach aus praktischen Gründen“, sagt Karin Teichmann. Doch das soll sich nun ändern. „Wir werden unsere App am Montag am Berlin-Stand auf der Immobilienmesse ExpoReal in München zunächst einmal der Branche vorstellen“, sagt Karin Teichmann. Wenn es sich erst herumspreche, dass es diese neue App gebe, werde das Verzeichnis sicher schnell wachsen, ist sie überzeugt.