Überfälle

Geldtransporter-Räuber nutzen immer die gleiche Masche

Der Überfall auf den Geldtransporter in Charlottenburg ist bereits der dritte in wenigen Monaten. Die Täter machen es sich leicht, doch die Beute ist wahrscheinlich wertlos für sie.

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Zwei Tage nach dem Raubüberfall auf einen Geldtransporter haben die Ermittler des Landeskriminalamts weiter keine konkrete Spur zu den Tätern. Die Polizei ermittelt mit Hochdruck, dennoch ist weiter unklar, wie und auf welchen Wegen die Unbekannten entkommen sind. Das in Brand gesetzte mutmaßliche Fluchtfahrzeug war am Montagabend kaum zwei Kilometer vom Tatort entfernt in der Warburgzeile aufgefunden worden. Dort, auf einem Parkplatz einer Postfiliale an der Otto-Suhr-Allee in Charlottenburg, verliert sich bislang die Spur der Räuber.

Der komplett ausgebrannte schwarze Audi der Täter wurde umgehend beschlagnahmt und soll nun auf Spuren untersucht werden. Das Gleiche ist am 20. September mit dem Citroen geschehen, der nach dem Überfall auf den Geldtransport vor dem Apple Store am Kurfürstendamm in der Bundesallee in Wilmersdorf in Flammen aufgegangen war. Auch der Alfa Romeo, der am 30. Dezember vorigen Jahres von Geldtransporter-Räubern nach dem Raub am Tauentzien in Schöneberg angezündet worden war, ist von Kriminaltechnikern akribisch untersucht worden. Welche Erkenntnisse die Ermittler dadurch erhielten, gibt die Polizei indes nicht bekannt.

Das Verbrennen der Fluchtfahrzeuge in all diesen Fällen ist nicht die einzige Parallele der Vorgehensweise. Auch das Entwaffnen der betroffenen Geldboten legt zumindest nahe, dass hinter den genannten Raubzügen ein und dieselbe Bande stehen könnte. Offiziell sagt die Polizei lediglich, dass Zusammenhänge dieser Überfälle geprüft würden. Der am Dienstag von der Polizei verbreitete Zeugenaufruf habe bislang noch keine neuen Hinweise auf die Tätergruppe erbracht, hieß es am Mittwoch. Eine weitere Gemeinsamkeit der drei Raubüberfälle ist die Umstand, dass die Kriminellen ihre anvisierten Zielobjekte offensichtlich sehr genau beobachtet hatten und über detaillierte Informationen zu dem Ablauf der jeweiligen Geldtransporte verfügten. In keinem der Fälle waren die stets bewaffneten und zumeist maskierten Täter aufgefallen, bevor sie blitzschnell losschlugen.

Täter haben leichtes Spiel

Am Montagabend war es den dreisten Räubern in der Hannah-Karminski-Straße gelungen, mit Waffengewalt drei Mitarbeiter eines Werttransportunternehmens außer Gefecht zu setzen und Geldkassetten zu erbeuten. Wie berichtet, scheuten die Täter auch nicht davor zurück, auf den einzigen in dem Transporter verbliebenen Mann zu schießen, um dessen Widerstand zu brechen. Mehrere Schüsse hatten die Karosserie und das schusssichere Seitenfenster des Transportfahrzeugs getroffen, jedoch ohne mehr als Sachschaden anzurichten.

Dass die Geldkuriere das nördliche Ende dieser abgelegenen Sackgasse zwischen Landwehrkanal und Spree für eine Arbeitspause ausgewählt hatten, spielte den Räubern in die Karten. Zwei der 49, 58 und 59 Jahre alten Mitarbeiter hatten das gepanzerte Fahrzeug verlassen, um sich die Beine zu vertreten. Dennoch hatte sich einer der Täter mit einem Rollstuhl auf die Geldkuriere zubewegt, den ein Komplize geschoben hatte, um keinen Verdacht bei den Männern zu wecken. Von den Tätern mit gezogenen Schusswaffen umringt, konnten beide Geldkuriere entwaffnet werden.

Dieser Umstand und die abgefeuerten Schüsse auf das Fahrzeug reichten dann offenbar aus, den Fahrer zur Aufgabe zu bewegen. Nach Polizeiangaben öffnete der Fahrer, nachdem auch er seine Schusswaffe herausgegeben hatte, die Hecktür des Geldtransporters. Die Räuber griffen sich die Beute und flüchteten zu einem bereitstehenden Audi, nicht ohne den benutzten Rollstuhl zuvor zu versenken.

Die Sprecherin der Bundesvereinigung Deutscher Geld- und Wertdienste e.V., Silke Woltmann, bezeichnete Verlassen des gepanzerten Fahrzeugs durch die Sicherheitsmitarbeiter als „grob fahrlässig“. Das Aussteigen dürfe nur in gesicherten Bereichen oder unmittelbar vor den Geschäften der Kunden erfolgen, stellte die Sprecherin klar. Ebenso fahrlässig sei das Halten des Geldtransporters in einer Position, die im Gefahrenfall ein schnelles Wegfahren erschweren würde. Die Besatzung des Geldtranporters dürfte sich auf Grund ihres Verhaltens nicht nur von den Ermittlern der Kriminalpolizei unangenehme Fragen gefallen lassen.

Fraglich ist, ob die gesuchten Täter mit ihrer Beute etwas anfangen können. Denn längst sind die für Werttransporte genutzten Geldkassetten mit Farbpatronen versehen, welche die gestohlenen Geldscheine unbrauchbar machen, wenn sie in unbefugte Hände geraten. Die Farbpatronen sind doppelt gesichert und lösen sich entweder beim gewaltsamen Öffnen aus, oder wenn der Träger des Behälters einen entsprechenden Mechanismus aktiviert hat. Dementsprechend war die Beute, die einem Geldkurier vor dem Bekleidungshaus Peek & Cloppenburg an der Tauentzienstraße am 30. Dezember 2013 abgenommen wurde, für die Täter wertlos. Damals hatten mehrere Maskierte den Geldkurier mit Schusswaffen bedroht, als dieser gerade mit einem so gesicherten Koffer von dem Geschäft zu dem Geldtransporter lief.