Offener Brief

Denkmalschützer wollen Berliner Hedwigs-Kathedrale retten

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Sabine Gundlach

Foto: Reto Klar

Die Hedwigs-Kathedrale ist nach dem Krieg wieder aufgebaut worden - der Innenraum wurde dabei neu gestaltet. Nun soll das Innere komplett umgebaut werden. Denkmalschützer sprechen von Teilzerstörung.

Die geplanten Sanierungs- und Umbauarbeiten an der Hedwigs-Kathedrale in Mitte stoßen zunehmend auf Kritik und haben jetzt bundesweit agierende Denkmalschützer auf den Plan gerufen. In einem offenen Brief an den Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz, Reinhard Kardinal Marx, appellieren unter anderen die Vorsitzende des Landesdenkmalrates Berlin und Professorin an der Technischen Universität, Kerstin Wittmann-Englert, Berlins oberster Landeskonservator Jörg Haspel und auch der Direktor des Zentralinstituts für Kunstgeschichte München, Wolf Tegethoff, „gegen die drohende Innenraumzerstörung der Hedwigs-Kathedrale zu Berlin“.

Umbau ist nicht erforderlich

Der geplante Umbau der Hauptkirche der Erzdiözese Berlin in Mitte kommt nach Ansicht der 18 Unterzeichner des Schreibens einer Teilzerstörung gleich, die mit ihrem Status als eingetragenes Baudenkmal unvereinbar sei. Die Denkmalschützer betonen, dass „ein derart weitgehender Umbau weder gottesdienstlich erforderlich noch im Hinblick auf den finanziellen Aufwand in vielstelliger Millionenhöhe gerechtfertigt ist“. Dem Vernehmen nach sollen die Umbauarbeiten mindestens 20 Millionen Euro kosten. Es gibt sogar Fachleute, die von Summen von bis zu 40 Millionen Euro sprechen. Ein konkreter Betrag wurde bislang aber noch nicht genannt. Vor diesem Hintergrund verweisen die Kritiker der Umgestaltung in ihrem offenen Brief an die Deutsche Bischofskonferenz auch „auf den überkonfessionell begrüßten Kurs der materiellen Bescheidenheit von Papst Franziskus“ sowie auf die Limburger Bauaffäre im Zusammenhang mit dem mehr als 30 Millionen Euro teuren neuen Dienstsitz des dortigen ehemaligen Bischofs Tebartz-van Elst. Wie berichtet, wurde im Juni der in Berlin von Erzbischof Rainer Maria Kardinal Woelki im Herbst 2013 ausgelobte Architekturwettbewerb zum Innenumbau der St.-Hedwigs-Kathedrale entschieden. 1953 wurde die St.-Hedwigs-Kathedrale nach schwerer Kriegszerstörung wieder aufgebaut und unter den Vorzeichen der deutschen Teilung durch Hans Schwippert von 1956 bis 1963 innen komplett neu gestaltet.

Fehlentwicklung verhindern

Der jetzt ausgewählte Siegerentwurf des Architekturbüros Sichau & Walter aus Fulda sieht die vollständige Beseitigung der derzeitigen weitgehend intakten und denkmalgeschützten Raumfassung aus den Nachkriegsjahren vor. Diese einzigartige Raumfassung von dem aus Westdeutschland stammenden Architekten Hans Schwippert (der 1951 auch das erste Bonner Bundeshaus gestaltet hatte) stellt nach Auffassung von Experten in ihrer Genese und innovativen theologischen und formalen Konzeption ein herausragendes Denkmal der deutsch-deutschen Nachkriegsgeschichte dar. Schwippert bereicherte den einstmals friderizianischen Zentralraum durch eine offene, den Seligen Patres Lichtenberg und Werhun gewidmete Öffnung in der Unterkirche und verband Unterkirchen- und Hauptkirchenaltar. Der von der Jury im Juni 2014 mehrheitlich befürwortete Entwurf sieht laut Protokoll des Preisgerichts vor, diese von Hans Schwippert bewusst gestaltete Öffnung zu schließen und der Kirche eine „immer wieder vermisste ,Normalzentralität‘ zu geben“.

Die Kritiker des Umbaus fordern, „den Fall noch einmal zu prüfen, öffentlich zu diskutieren und nicht zuletzt im Interesse der Katholischen Kirche Deutschlands selbst die sich abzeichnende Fehlentwicklung zu verhindern“.

Die Planer des Architekturbüros Sichau & Walter waren am Montag bis Redaktionsschluss nicht zu einer Stellungnahme zu erreichen.