Olympische Spiele

Olympia in Berlin - Der Wettkampf hat begonnen

Sollen die Olympischen Sommerspiele in Berlin ausgetragen werden? Befürworter und Gegner machen Stimmung. Der Senat verspricht, die Bürger frühzeitig zu beteiligen.

Foto: Soeren Stache / dpa

Die Berliner CDU-Spitze hat begonnen, die olympische Idee in ihre Basis zu tragen. Auf dem Sommerfest der Steglitz-Zehlendorfer Union warben der Landesvorsitzende, Sportsenator Frank Henkel, und der Kreischef, Justizsenator Thomas Heilmann, dafür, die Bewerbung um Olympische Spiele 2024 oder 2028 in der Hauptstadt zu unterstützen. „Olympia zu wollen ist auch Ausdruck einer starken Stadt“, sagte Henkel. Die Spiele wären nicht nur Risiko, sondern vor allem eine große Chance für Berlin. Er unterstützte Heilmanns Appell, über Olympia zu diskutieren, manche Diskussionen seien aber „piefig und miefig“.

Der Kreisvorsitzende forderte ebenfalls, nicht nur über die Kosten von Olympischen Spielen zu diskutieren, sondern auch über deren Nutzen. Der Kerngedanke der Spiele sei ein verbindendes Treffen der Jugend dieser Welt, und keine Stadt sei so prädestiniert wie Berlin, diesen Kern neu zu definieren: Wie können wir uns verständigen? Wie können wir Demokratie, Freiheit und das Zusammenleben der Gesellschaft sowie der Nationen gestalten?

„Ein großartiges Symbol“

Bei einer anschließenden Podiumsdiskussion „mit engagierten Bürgern“, an der Frank Henkel aus Termingründen allerdings nicht teilnahm, wurde am Applaus deutlich, dass die Südwest-Union offensichtlich die Bewerbung Berlins unterstützt. Ingenieur Michael Schneidewind, bekannt aus der Initiative gegen die Randbebauung des Tempelhofer Feldes, übernahm dabei die Rolle des Skeptikers. Er konnte aber das Publikum mit seinem Vorschlag, doch vor einer Entscheidung erst einmal alle Fakten zusammenzutragen, damit sich jeder Berliner vor einer Entscheidung umfassend informieren kann, nicht recht überzeugen. Schneidewind warnte auch vor den mutmaßlich hohen Kosten und stellte, angesichts etwa des Zustands vieler Schulen die Frage, ob eine Bewerbung Berlins wirklich zu verantworten sei.

Der Manager Steven Althaus konterte, es gebe in Deutschland kein Analyse-Defizit. Vielmehr komme es darauf an, einen Grundoptimismus zu verbreiten und allen Skeptikern zu zeigen, „dass wir es können“. Bescheidene, nachhaltige Spiele wären 88 Jahre nach Olympia 1936 „ein großartiges Symbol“. Dafür benötige man ein klares Projektmanagement, das von der Politik unterstützt wird. Zu Schneidewinds Forderung nach einer umfassenden Bürgerbeteiligung sagte Althaus: „Man kann nicht alles mit jedem abstimmen.“ Die Stadt brauche „etwas Körperspannung“. Thomas Heilmann erinnerte an die Aufbruchstimmung in Berlin nach 1990. Auch diese sei davon geprägt gewesen, dass viel gemacht wurde, ohne es zu zerreden.

Während der Berliner Senat fest entschlossen ist, Berlin als Austragungsort für Olympische Spiele ins Rennen zu schicken, nimmt der Widerstand gegen die geplante Bewerbung zu. Die Gegner der Spiele haben sich in dem Bündnis „NOlympia“ zusammengeschlossen. Dazu gehören einzelne Aktivisten sowie Vereine und Verbände wie Naturfreunde Berlin und Grüne Liga. „Wir werden alles tun, was in unserer Macht steht, um die Stadt vor der Olympiabewerbung und den Folgen zu bewahren“, sagt Judith Demba von den Naturfreunden.

Warnung vor Milliardenrisiko

Unter dem Motto „Mehr Brot statt Spiele – nachhaltige Stadtentwicklung statt vier Wochen Megaevent“ hat das Bündnis den Fragenkatalog des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) beantwortet, mit dem auch der Senat für die Stadt Berlin als Austragungsort werben wird. Beim DOSB sind demzufolge zwei beantwortete Fragenkataloge eingegangen – einer pro Berlin und einer contra Berlin. Die Hauptstadt konkurriert im Bewerbungsverfahren mit Hamburg um die Austragung der Olympischen Spiele. Im Dezember dieses Jahres will der DOSB entscheiden, ob und mit welcher Stadt er sich bewirbt.

Der Senat plant mit Kosten in Höhe von 50 Millionen Euro für die Bewerbung und zwei Milliarden Euro für die Durchführung der Spiele. Die Gegner bezweifeln, dass dieser Etat ausreichen wird. Zur Argumentation ziehen sie die Spiele in London 2012 heran. Die britische Hauptstadt hatte mit Kosten von 2,6 Milliarden Euro gerechnet. „Tatsächlich sind die Gesamtkosten auf 18 Milliarden Euro gestiegen“, sagt Hauke Brenner, einer der Aktivisten. Das könne auch auf Berlin zukommen. So gebe es noch keine S- und U-Bahn zum olympischen Dorf, das derzeit auf dem Gelände des Flughafens Tegel geplant sei.

Berliner sollen einbezogen werden

Das Bündnis kritisiert, dass allein mit den 50 Millionen Euro für die Bewerbung viele Sportanlagen, Schulen und Kitas saniert werden könnten. „Der Landessportbund hat den Sanierungsbedarf mit 300 Millionen Euro beziffert“, sagt Judith Demba. Der Senat habe aber nur etwas mehr als neun Millionen Euro für das Sportanlagensanierungsprogramm zur Verfügung gestellt. Kritisiert wird eine „Vernichtung“ von Grün- und Freiflächen, zudem bestehen Zweifel an Nachhaltigkeit und Ökologie der Spiele.

Am Montag werden Berlin und Hamburg ihre Konzepte für die Austragung der Olympischen Spiele öffentlich präsentieren. Dabei wird auch eine Rolle spielen, wie überzeugend die beiden Städte den Fragenkatalog beantwortet haben. Die Antworten von Berlin und Hamburg würden am Montag auch ins Netz gestellt, versprach Sportsenator Henkel. In einem nächsten Schritt sollen die Berliner in das Bewerbungsverfahren einbezogen werden. Der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) hatte sich für einen Volksentscheid zur Berliner Olympiabewerbung ausgesprochen, Sportsenator Henkel für eine Volksbefragung.