Nach Anschlag

Bundespolizei verschärft ihre Kontrollen bei der S-Bahn

Die Folgen des Brandanschlags auf den Kabelschacht der S-Bahn am Ostkreuz bekommen immer noch Tausende Berliner täglich zu spüren. Innensenator Henkel verurteilte die Tat.

Foto: Maurizio Gambarini / dpa

Der Brandanschlag auf einen Kabelschacht an Bahngleisen in Treptow wirkt sich auch dieses Wochenende noch auf den S-Bahn-Verkehr aus.

Erst ab Sonntagmittag sollen die betroffenen Linien S41, S42, S8, S85 und S9 wieder normal fahren. Die Polizei will nach dem Feuer ihre Kontrollen ausweiten, sagte ein Sprecher der Bundespolizei.

Der betroffene Kabelschacht an der Bahnstrecke in Treptow stand im Fokus von Bundespolizei und Deutscher Bahn. Denn genau dort verübten bereits im Mai 2012 vermutlich Linksextreme einen Anschlag – und auch Anwohner hatten die „Schwachstelle“ der Bundespolizei gemeldet.

Abriegelung der Kästen nicht möglich

Beamte in Zivil und in Uniform kontrollierten den Bereich seither regelmäßig. Die Bahn versuchte die Kabelschächte mit Betonplatten und einem Gitter zu schützen. „Bei Wartungs- und Reparaturarbeiten müssen unsere Techniker aber schnell an die Kabel heran können. Deswegen können wir die Kästen nicht komplett abriegeln“, sagte Bahn-Sprecher Burkhard Ahlert.

So konnte auch der Brandanschlag am Donnerstagmorgen gelingen. Wichtige Kabelstränge für die Weichen- und Signalsteuerung wurden von den Flammen zerstört. Zehntausende Menschen kamen zu spät zur Arbeit.

Noch am selben Tag stellte eine linksautonome Gruppe ein Bekennerschreiben ins Netz. Danach sei der Hintergrund des Anschlags die Situation der Flüchtlinge, die derzeit nur wenige Kilometer entfernt auf dem Dach eines Hostels in Friedrichshain ausharren.

Mehr Mitarbeiter patrouillieren entlang der Gleise

Mike Gauer, Sprecher der Bundespolizei, sagte am Freitag, die Beamten seien nach dem Anschlag sensibilisiert und würden fortan mit noch mehr Mitarbeitern entlang der Gleise patrouillieren.

Auch Sicherheitsangestellte der Bahn sollen dort weiterhin regelmäßig und zu unterschiedlichen Zeiten auf Streife sein. „Es ist uns aber nicht möglich, die 331 Bahnkilometer in Berlin rund um die Uhr im Auge zu behalten“, so Gauer. Dafür sei das Streckennetz zu groß.

Innensenator Frank Henkel (CDU) beurteilte die Tat als „Anschlag auf unser Zusammenleben“. „Die skrupellose Tat zeigt, wie unverändert groß die Gefahr aus dem militanten linken Lager ist“, sagte Henkel am Freitag.

Mit „militanten Aktionen rechnen“

Allerdings sei die linksextremistische Szene nicht größer geworden. Laut Verfassungsschutz-Chef Bernd Palenda, sei das Thema Flüchtlinge bereits seit 2012 ein Aktionsschwerpunkt dieser Szene in Berlin. „Trotz zwischenzeitlich ruhigeren Phasen nach der Räumung des Zeltlagers am Oranienplatz und der Teilräumung der besetzten Gerhart-Hauptmann-Schule in Kreuzberg nutzen autonome und postautonome Gruppierungen staatliches Handeln in Asylfragen immer wieder als Aufhänger für neue Eskalationsversuche“, sagte Palenda.

So müsse neben Demonstrationen auch weiterhin mit militanten Aktionen in diesem Zusammenhang gerechnet werden. „Die Tendenz einer abnehmenden Massenmilitanz hin zu eher klandestin geplanten Anschlägen setzt sich offensichtlich fort“, so Palenda.