Prozess

25-Jähriger ersticht Freund nach Geburtstagsfeier

Ein Streit auf einer Geburtstagsparty endete tödlich. Vor Gericht gestand jetzt ein 25-Jähriger, seinen 24 Jahre alten Freund erstochen zu haben. Er habe ihn nicht töten wollen, so der Angeklagte.

Ersin A.s Schwester muss am 19. März 2014 schon geahnt haben, dass etwas Schlimmes passieren wird. „Geh‘ nicht runter, bleib hier!“, soll sie ihren Bruder angefleht haben, als der nach einem erregt geführten Telefonat die Wohnung verlassen wollte. Ersin A. hörte nicht auf sie. Seit Montag steht der 25-Jährige wegen Totschlags vor einem Moabiter Schwurgericht.

Zum Auftakt des Prozesses lässt Ersin A. von seinem Verteidiger Dirk Lammer ein umfassendes Geständnis verlesen. Er berichtet, dass er mit Freunden vom 18. März bis in die frühen Morgenstunden des 19. März den Geburtstag eines Bekannten feierte – eine Gruppe junger Leute, darunter der Täter und das spätere Opfer Volkan K.

Der 24-Jährige und Ersin A. kannten sich seit Jahren, galten bis zu diesem Abend als gute Freunde. Auf der Party – beide waren nur leicht angetrunken – soll es zu einem Streit wegen zweier Mädchen gekommen sein.

In der Hand hatte er ein Küchenmesser

Einer der Männer aus der Gruppe habe sich gegenüber diesen Mädchen nicht gut benommen und sollte sich entschuldigen, heißt es in der Erklärung des Angeklagten. Es kam zu einem heftigen Wortwechsel. Der wurde später per Handy weitergeführt, auch, als Ersin A. sich schon in der Wohnung seiner Eltern an der Donaustraße in Neukölln befand. Es seien Beschimpfungen wie „Gottloser“ und „ehrlose Familie“ gefallen“, so die Erklärung. Und dass Ersin A. nicht einmal in der Lage sei, „auf seine jüngere Schwester aufzupassen“. Daraufhin verließ Ersin A. erbost die Wohnung. Er wusste, dass unten vor der Tür die Widersacher standen. In der Hand hatte er ein Küchenmesser mit einer 14 Zentimeter langen Klinge.

Ersin A.s Erklärung zufolge habe er Volkan K. und dessen zwei Begleiter damit „nur einschüchtern“ und von einem Angriff abhalten wollen. Er sei aber dennoch attackiert worden und habe sich gewehrt: „Als mein Freund nach mir trat, versetzte ich ihm einen wuchtigen Stich.“ Anwohner hörten die entsetzten Schreie der Umstehenden und alarmierten die Polizei. Ein Notarzt versuchte vergeblich, Volkan K. zu reanimieren.

An das Geschehen nach der Tat kann sich Ersin A. nicht erinnern. Er wisse von seinen Angehörigen, dass er nicht ansprechbar gewesen sei und ihm seine Mutter Wasser ins Gesicht gespritzt habe, um ihn wieder zu sich bringen – erklärt er auf Nachfrage des Gerichts. Kurz nach der Tat wurde er an der Donaustraße festgenommen. Das Messer fanden Ermittler in der Wohnung seiner Eltern, versteckt in einem Abfalleimer.

Im Gerichtssaal sitzt Ersin A. wie erstarrt, vermeidet den Blick zur anderen Seite des Raumes, wo die Mutter und die Schwester von Volkan K. als Nebenklägerinnen sitzen und immer wieder mit den Tränen kämpfen.

Der Prozess wird fortgesetzt.