Prozess

Picassos Tochter bringt Fälscher vor Berliner Gericht

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Michael Mielke

Foto: Photo: Herbert List/Magnum Photos/© 2012 Solomon R. Guggenheim Foundation

Ein Berliner Gericht hat einen Kunstfälscher, der eine afrikanische Holzmaske bemalte und mit „Pablo Picasso“ signierte, zu einer Bewährungsstrafe verurteilt. Der Mann war geständig.

Joachim S. kennt sich aus mit Kunst. Der 52-Jährige führte sogar ausgewiesene Experten hinters Licht. Aber nicht alle. Eine Frau in Paris kam ihm auf die Schliche: Maya Widmaier-Picasso, Tochter des Malergenies Pablo Picasso. Letztlich sorgte die inzwischen 79-Jährige zumindest indirekt auch dafür, dass sich Joachim S. am Mittwoch im Moabiter Kriminalgericht wegen gemeinschaftlichen Betruges und Urkundenfälschung verantworten musste. Ein Schöffengericht verurteilte ihn zu einem Jahr und drei Monaten Haft, ausgesetzt auf drei Jahre Bewährung.

Joachim S., deutscher und polnischer Staatsbürger, legte zuvor ein umfassendes Geständnis ab. Es ging dabei um eine echte zweifarbige afrikanische Holzmaske, die S. anmalte und mit der Signatur Picassos und dem Datum „27.01.1971“ versah. Der Fälscher wusste, dass Picasso sich tatsächlich mit afrikanischen Masken beschäftigt und einige auch bemalt hatte – aber eben nicht diese.

Galeristen am Deal beteiligt

Beteiligt an dieser, wie es die Richterin nannte, „organisierten Kriminalität“ waren mit hoher Wahrscheinlichkeit auch zwei Kunsthändler und Galeristen. Gegen beide laufen nun ebenfalls Strafverfahren. Überführt wurden sie nicht zuletzt durch die Mithilfe von Joachim S. „Mein Mandant hat schon in Haft ein Geständnis abgelegt und war auch bereit, in zwei anhängigen Verfahren auszusagen“, bestätigte Verteidiger Mirko Röder in seinem Plädoyer.

Die Täter waren raffiniert vorgegangen. Joachim S. soll bei Interessenten sogar angeregt haben, sich doch eine Expertise bei der in Paris lebenden und als international bekannten Expertin geltenden Maya Widmaier-Picasso zu holen. Vermutlich gehörte das schon zum Plan. Denn das Ergebnis war kaum überraschend: Die alte Dame war sicher, dass ihr Vater mit dieser Maske nichts zu tun hatte. Sie könne sich nicht an diese Maske erinnern, heißt es in einem Schreiben vom 18. September 2009. Ihr Vater habe diese Maske in den an sie gerichteten Aufzeichnungen nie erwähnt.

Dieser Brief wurde an Joachim S. weitergegeben. Und der nutzte ihn als Vorlage für eine neue Expertise, in der nun mit den Schriftzügen der Maya Widmaier-Picasso bestätigt wurde: „Wurde von meinem Vater bemalt, Maya“ („moulé et peint par mon père, Maya“ ).

Maske für 80.000 Euro zum Verkauf angeboten

Im Frühjahr 2010 stellte einer der beiden mutmaßlich am Betrug beteiligten Galeristen die Maske auf der Kunstmesse Art Karlsruhe aus und bot sie für einen Preis von 80.000 Euro zum Verkauf. Da fand sich jedoch noch kein Käufer. Auch Verhandlungen mit der Stiftung Berggruen für 55.000 Euro scheiterten.

Der Kunsthändler stellte die Maske daraufhin auf die Internetseite seiner Galerie. Und wenig später wurde ein Experte für altafrikanische Kunst aus Osnabrück aufmerksam und informierte einen befreundeten Frauenarzt aus Münster über das Angebot.

Beide fuhren am 16. Januar 2011 nach Berlin zur Galerie des Kunsthändlers, die sich damals an der Brunnenstraße in Mitte befand. Der Frauenarzt übergab in bar 49.000 Euro. Er schien aber trotzdem noch nicht ganz sicher zu sein und ließ prüfen, ob die Expertise von Maya Widmaier-Picasso auch echt sei.

In Brandenburg verhaftet

Das Ergebnis war, wie zu erwarten, ernüchternd. Der Frauenarzt erstattete Anzeige. Das Landeskriminalamt ermittelte. Und am 16. Juni wurde Joachim S. in Brandenburg an der Havel festgenommen. Er habe von den 49.000 Euro aber lediglich 5000 Euro erhalten, sagte er.

Der überführte Fälscher, der nach eigenen Angaben an der Universität Darmstadt ein Kunststudium absolvierte, ist wegen Betruges und Urkundenfälschung vorbestraft. Das liegt aber schon viele Jahre zurück. „Mein Leben ist trotz meiner Fähigkeiten und Fertigkeiten eher suboptimal verlaufen“, hieß es in seiner Erklärung vor dem Schöffengericht. Er wolle für den Rest seiner Tage „rechtstreu und straffrei leben“ und sich künftig „vor allem der zeitgenössischen Kunst widmen“ beteuerte er.