Kommentar

Ohne Investitionen kann Karstadt nicht überleben

Der Investor Nicolas Berggruen verkauft Karstadt nach vier Jahren an den Österreicher René Benko. Das Unternehmen ist immer noch ein Sanierungsfall. Benko muss jetzt vor allem Geld investieren.

Foto: JOHANNES EISELE / REUTERS

Es war abzusehen. Schon, als sich Investor Nicolas Berggruen im September 2013 von den Luxus- und den Sportkaufhäusern trennte, war klar, dass seinem Management wenig einfiel, um Karstadt wieder in die schwarzen Zahlen zu bekommen. Das erinnerte fatal an die Zeit, als Thomas Middelhoff Karstadt dadurch zu retten versuchte, dass er die Immobilien in Toplagen verkaufte, um Geld in den Konzern zu bekommen, und dann langfristig zurückmietete. Das brachte kurzfristig Geld, verhinderte die Insolvenz aber letztlich nicht.

Berggruen holte einen erfahrenen Handelsmanager als Karstadt-Chef. Doch der setzte auf das falsche Konzept, unter anderem, weil er den deutschen Markt kaum kannte und wohl falsch bewertete. Aber die ganze Ära Berggruen krankte vor allem daran, dass der Investor nicht bereit war, in großem Umfang Geld in Karstadt zu stecken. Das Ergebnis: vier weitgehend vertane Jahre.

Harte Zeiten für Belegschaft

Der neue Eigner wird wahrscheinlich wenig profitable Standorte schließen und damit endlich eines der Karstadt-Probleme lösen. Es werden harte Zeiten auf die Belegschaft zukommen. Doch das Unternehmen braucht auch eine klare Online-Strategie, die Kaufhäuser müssen saniert und umgebaut werden. Das lässt sich nicht nur mit Kostensenkungsprogrammen und Personalabbau bezahlen.

Immerhin: Die Signa-Holding hat bereits über eine Garantie für die Warenkreditversicherer das wichtige Weihnachtsgeschäft gesichert. Und Chef René Benko überrascht gern mit kreativen Ideen. Das lässt für Karstadt hoffen.