Zensuren

Neuer Notenschlüssel für Berlins Fünft- und Sechstklässler

Die Zensuren sollen künftig besser vergleichbar sein. Dazu will Berlins Bildungssenatorin einen verbindlichen Bewertungsschlüssel für schriftliche Leistungen einführen. Kritik kommt von der CDU.

Foto: Patrick Pleul / ZB

Die schriftlichen Leistungen von Fünft- und Sechstklässlern in Berlin sollen künftig besser vergleichbar sein, die Bewertung soll transparenter werden. Berlins Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD) will die geltende Grundschulverordnung ändern. Erstmals soll ein verbindlicher Bewertungsschlüssel für schriftliche Leistungen eingeführt werden. Er sieht vor, dass die Note eins gegeben wird, wenn 96 bis 100 Prozent der geforderten Leistung erreicht ist. Eine Zwei soll es geben, wenn 80 bis 95 Prozent erreicht sind. Für eine Drei sollen 60 bis 79 Prozent erforderlich sein, für eine Vier sind 45 bis 59 Prozent nötig und für die Fünf lediglich 16 bis 44 Prozent.

Einführung zum neuen Schuljahr

Dieser Bewertungsschlüssel solle grundsätzlich für die Jahrgangsstufen fünf und sechs angewendet werden, wenn die Gesamtkonferenz der Lehrkräfte einheitliche, für alle Fächer verbindliche Bewertungsmaßstäbe bei schriftlichen Leistungsnachweisen festlegt, heißt es in der geänderten Verordnung. Vorgesehen ist, dass sie zum neuen Schuljahr in Kraft tritt.

Andere Bundesländer haben einen solchen Bewertungsmaßstab schon, etwa Brandenburg und Sachsen-Anhalt. In Berlin gab es ihn bisher noch nicht. „Die Vergleichbarkeit zwischen den Schulen fehlte“, sagte Thorsten Metter, Sprecher der Senatsbildungsverwaltung. „Das haben die Eltern eingefordert.“ Der Landeselternausschuss habe gewollt, das bestimmte Standards definiert werden, um eine Vergleichbarkeit zu ermöglichen. „Das ist auch wichtig, wenn es um den Übergang auf die weiterführenden Schulen geht“, so der Sprecher. Auch Grundschullehrer wünschten sich einen Bewertungsmaßstab für fünfte und sechste Klassen.

Zudem werden die Noten von Berliner Grundschülern mit denen anderer Bundesländer verglichen – auch dafür sei es wichtig zu wissen, für welche Leistung eine Zensur vergeben wird, so Thorsten Metter. Die jetzt vorgeschlagene Skala entspricht dem Brandenburger Maßstab. Die Vergleichbarkeit der schulischen Leistung bleibt dennoch begrenzt. „Anders als beim Mittleren Schulabschluss sind die zu benotenden Aufgaben an den Schulen durchaus unterschiedlich, es gibt keine zentralen Aufgaben für alle Schulklassen“, sagt der Verwaltungssprecher.

Bislang entscheiden die Grundschulen selbst, ob sie schon ab 96 oder erst ab 98 oder sogar 100 Prozent eine Eins geben. Laut Schulgesetz entspricht die Eins, also das „Sehr gut“, einer Leistung, die den Anforderungen in besonderem Maß entspricht. Eine Zwei, also ein „Gut“, gibt es, wenn die Leistung den Anforderungen voll entspricht. Eine Drei („befriedigend“) liegt vor, wenn sie den Anforderungen im Allgemeinen entspricht. Die Bewertungsskala, nach der diese Maßstäbe umgesetzt werden, blieb bisher den Schulen überlassen. Das wurde von Eltern und Bildungspolitikern kritisiert. Bei strenger Notengebung könnten Sechstklässler benachteiligt sein gegenüber anderen Schülern an nicht so streng bewertenden Schulen, wenn es um den Übergang an das Gymnasium oder die Sekundarschule geht. Denn bei der Auswahl für stark nachgefragte Oberschulen spielen Noten eine zentrale Rolle.

Vergleichbarkeit der Leistung begrenzt

„Es ist ein Schritt zu mehr Vergleichbarkeit von schulischen Leistungen“, sagte Stefanie Remlinger, bildungspolitische Sprecherin der Grünen im Abgeordnetenhaus. Die Vergleichbarkeit der Leistung sei jedoch begrenzt, „denn man kann ja den Schülern leichte oder nicht so leichte Aufgaben stellen“. Dass Berlin den Maßstab von Brandenburg übernehmen wolle, sei sinnvoll, so die Abgeordnete. Für eine Fünf aber sei die Schwelle mit 16 Prozent zu niedrig.

Grundsätzlichere Kritik übt die CDU-Fraktion im Abgeordnetenhaus. Denn die neue Grundschulverordnung sah in einer früheren Fassung einen strengeren Bewertungsmaßstab vor. Demnach sollte eine Fünf erst gegeben werden, wenn der Schüler in einer schriftlichen Leistungskontrolle mindestens 25 Prozent der geforderten Leistung erbracht hat – und nicht schon bei 16 Prozent, wie in der aktuellen Fassung. Eine Vier sollte erst ab 50 Prozent erteilt werden, jetzt liegt die Schwelle bei 45 Prozent. Für eine Drei reichen nun 60 Prozent, erst waren 65 Prozent vorgesehen. Nur für die Note eins sind die Anforderungen in der aktuellen Fassung der Verordnung leicht erhöht worden: von 95 auf 96 Prozent.

„Die neue Verordnung stellt eine erhebliche Veränderung der Leistungsbewertung dar, die ich nicht gut finde“, sagte Stefan Schlede, Leiter des Arbeitskreises Bildung in der CDU-Fraktion. „Ich lehne diese Niveauabsenkung grundsätzlich ab, sie ist nicht leistungsfördernd.“ Die leichte Anhebung bei der Note eins, so Schlede, „ist reine Augenwischerei, da der Ein-Prozent-Unterschied kaum zu verifizieren ist“.