Wieder Verzögerung – BND zieht erst 2017 nach Berlin

Nach dem BER entwickelt sich auch der BND-Umzug zu einem Endlos-Projekt. Der Geheimdienst wird erst in drei Jahren nach Berlin ziehen. Und die Kosten könnten noch weiter steigen.

Foto: Adam Berry / Getty Images

Die Berliner haben sich längst daran gewöhnt, dass große Bauvorhaben in ihrer Stadt selten im Kosten- und Zeitrahmen bleiben. Das gilt für den Bau des Hauptstadtflughafens BER genauso wie für die Sanierung der Staatsoper. Bei beiden Projekten haben es die politisch Verantwortlichen inzwischen aufgegeben, einen belastbaren Eröffnungstermin zu benennen. Ähnliches gilt nun offenbar auch für die größte Baustelle in der Berliner Innenstadt. Nach Informationen der „Bild am Sonntag“ verzögert sich der Umzug des Bundesnachrichtendienstes (BND) in seinen neuen Dienstsitz noch einmal bis ins Jahr 2017 hinein. Die Inbetriebnahme der neuen Geheimdienstzentrale ist damit bereits zum zweiten Mal verschoben worden.

Die ersten 174 BND-Mitarbeiter waren Ende März dieses Jahres in den 260.000 Quadratmeter großen Komplex an der Chausseestraße in Mitte eingezogen. Der vollständige Umzug der insgesamt 4000 Geheimdienstler von Pullach bei München und aus der bisherigen Berliner Dienststelle am Gardeschützenweg in Steglitz sollte allerdings bereits im vergangenen Jahr abgeschlossen worden sein. Als im Oktober 2006 der Baustart gefeiert wurde, wurden die Kosten mit 730 Millionen Euro veranschlagt. 2013 wurden wegen Pfusch am Bau, Umplanungen sowie dem Streit mit am Bau beteiligten Firmen dann weitere Kostensteigerungen öffentlich gemacht. Von 912,4 Millionen Euro war nun die Rede. Zeitgleich mit der Kostenexplosion wurde auch bekannt, dass die Eröffnung auf das Frühjahr 2016 verschoben werden musste.

Kosten steigen auf über eine Milliarde Euro

Inzwischen offenbart ein Blick auf die Internetseite des Bundesamtes für Bauwesen und Raumordnung (BBR) jedoch, dass die Baukosten nun ganz offiziell die Milliardengrenze überschritten haben: Die Summe beläuft sich aktuell auf 1.044.250.000 Euro. Ob es dabei bleibt, ist noch unklar. Denn noch nicht nach oben korrigiert wurde bei der Vorstellung des Bauvorhabens auf der gleichen Internet-Seite der erneut verschobene Eröffnungstermin. Die „Bild am Sonntag“ berichtet jedoch unter Berufung auf BND-Kreise, man sei um sieben weitere Monate in Verzug geraten, die komplette Übergabe des Gebäudes an die Nutzer sei auf das Jahr 2017 verschoben. Und da Bauverzögerungen immer auch Geld kosten, rechnen Bauexperten damit, dass dem Steuerzahler noch tiefer in die Tasche gegriffen wird.

Grund für die erneute Verzögerung sollen vor allem Mängel am Lüftungssystem in dem neuen Geheimdienstgebäude sein. Diese waren allerdings auch bereits im Jahr 2012 bekannt geworden, konnten aber offenbar noch immer nicht vollständig behoben werden. Darüber hinaus gebe es generelle Probleme mit der technischen Ausstattung des Gebäudekomplexes, etwa mit Bewegungsmeldern und Sensoren, heißt es.

Staatsoper und BER bleiben Sorgenkinder

Bleibt es bei der Eröffnung 2017, befindet sich die BND-Zentrale mit einem Zeitverzug von vier Jahren im Vergleich mit Berlins anderen Problembaustellen auf einem mittleren Platz. Die 2010 begonnene Sanierung der Staatsoper Unter den Linden sollte ebenfalls bereits 2013 abgeschlossen sein. Zuletzt war der Oktober 2015 im Gespräch. Offenbar sind weitere Verzögerungen jedoch wahrscheinlich: Nach mehrfacher Verschiebung hatte die Senatsbauverwaltung im Juni mitgeteilt, noch keinen neuen Eröffnungstermin benennen zu können. Nach wie vor am gravierendsten ist die Bauverzögerung am Hauptstadtflughafen BER in Schönefeld. Die Eröffnung wurde bereits viermal verschoben: Vom Oktober 2011 auf den Juni 2012, dann auf den Oktober 2012 und zuletzt auf das Frühjahr 2013. Inzwischen hat die Flughafengesellschaft davon Abstand genommen, neue Termine zu benennen. Insider hielten zuletzt den Herbst 2016 oder das Frühjahr 2017 für machbar. Damit käme der Flughafen in jedem Fall auf eine fünfjährige Bauverzögerung.