WM 2014

Wie Tim Renner das WM-Finale in Rio erlebte

Der Berliner Kulturstaatssekretär Tim Renner hat sich das WM-Finale der deutschen Mannschaft live im Stadion in Rio angesehen. Und so erlebte er den Fußball-Krimi gegen Argentinien im Maracana.

Berliner Morgenpost: Herr Renner, wann haben sie den Entschluss gefasst, nach Rio zu fahren?

Tim Renner: Samstagmorgen um 2 Uhr früh, als ich endlich erfahren habe, dass ich ein Finalticket besitze.

Wie sind sie überhaupt noch an eine Karte gekommen?

Ich habe den Kontakt zu der DFB-Mitarbeiterin bekommen, bei der man sich für den Erwerb von Restkarten anmelden konnte. Die Nachricht, dass meine Kreditkarte mit der Zahlung belastet ist und ich somit zu den Glücklichen gehöre, erhielt ich aber erst Mitten in der Nacht. Die Verwaltung hatte nämlich am frühen Freitag wegen Servicearbeiten den Server abgestellt. Meiner Frau konnte ich erst morgens beichten, dass ich abends nach Rio fliegen werde. Ihre Begeisterung hielt sich in engen Grenzen.

Wie haben sie die Atmosphäre im Stadion erlebt? War sie anders als bei der WM in Deutschland?

In Berlin habe ich 2006 auch schon Deutschland gegen Argentinien spielen sehen, aber damals war das ein Viertelfinale und zehnmal weniger Argentinier im Stadion. Wobei der Riss und die Spannungen nicht unbedingt zwischen uns und den argentinischen Fans im Maracana waren. Es waren die Brasilianer, die gebuht haben, sobald von ihren südlichen Nachbarn auch nur ein einziger Schlachtgesang ausging. Argentinier gelten dort als arrogant und im Straßenbild von Rio hatten sie sich zuvor auch alle Mühe gegeben, diesem Image gerecht zu werden: Brasilianer wurden prinzipiell mit sieben erhobenen Fingern gegrüßt, um sie an die Schmach von Belo Horizonte zu erinnern. Nach dem Spiel wurde uns von den Einheimischen in der U-Bahn, auf der Straße und selbst bei der Security am Flughafen überschwänglich dafür gedankt, dass wir die Argentinier in ihre Schranken verwiesen haben. Das ganze fühlte sich für die deutschen Fans schon ein wenig wie ein merkwürdiger Stellvertreterkrieg an...

Seien Sie ehrlich, was haben sie gedacht, als Mario Götze eingewechselt wurde?

Ich dachte, dass jetzt "Alles oder Nichts" gespielt wird und fand das richtig so.

Ihr schönster Moment im Stadion?

Das war natürlich das befreiende Tor. Wildfremde Menschen lagen sich dann bis Abpfiff in den Armen. Zuvor fand ich aber schon sehr bewegend, wie Schweinsteiger den deutschen Fans eingeheizt hat, damit sie in der zweiten Hälfte der Verlängerung auch nochmal Vollgas geben. Glauben sie mir, nachher waren wir alle in der Kurve so kaputt, als hätten wir selbst 120 Minuten auf dem Rasen gestanden...

Und was hält eigentlich der Regierende von Ihren Weltreisen?

Bislang war es ja erst eine. Die nächste geht nach Asien. Aber das ist der Sommerurlaub und der war schon lange vor der Ernennung gebucht...