Fanfest

WM-Helden auf dem Weg nach Berlin - mit etwas Verspätung

Die siegreiche Nationalmannschaft kommt heute auf die Fanmeile. Die Helden von Rio landen am Morgen in Tegel und fahren dann zum Brandenburger Tor - den letzten Abschnitt im offenen Truck.

Foto: dpa

Die deutschen Fußball-Weltmeister brauchten am Montag vor ihrer Rückreise aus Brasilien viel Geduld. Ein Gepäckwagen rammte beim Verladen der letzten Gepäckstücke das Flugzeug und verursachte einen Lackschaden. Erst mit fast zweistündiger Verspätung flogen die WM-Helden schließlich aus Rio de Janeiro ab.

Pilot Uwe Strohdeicher kündigte an, mit „größtmöglicher Geschwindigkeit zu fliegen“, um die Verspätung wieder aufzuholen. Der Flug mit der bedeutungsvollen Nummer „LH 2014“ wurde ursprünglich am Dienstag gegen 9 Uhr auf dem Flughafen Berlin-Tegel erwartet, die Lufthansa rechnet nun mit einer Ankunft um 10 Uhr. Unter www.flightradar24.com/DLH2014/ können Sie verfolgen, ob es nicht doch etwas früher wird.

Zuvor war das DFB-Team bereits rund eine halbe Stunde später als geplant am Flieger eingetroffen. Gut eine Stunde zuvor hatten zwei Busse das Team zur Boeing 747-8 gefahren, über einen Seiteneingang betraten Joachim Löw und Co. die in „Siegerflieger Fanhansa“ umgetaufte Maschine. Alle 23 Spieler trugen ihren Trainingsanzug, bei Toni Kroos verhinderte eine schwarze Brille den Blick auf die müden Augen.

Erst Fanmeile, dann Urlaub

Trotz des regulären Werktages werden am Dienstagvormittag erneut Hunderttausende Menschen auf der Fanmeile zwischen Siegessäule und Brandenburger Tor das deutsche Weltmeisterteam erwartet. Erst danach beginnt für die 23 Spieler und das rund 60-köpfige Team dahinter der Urlaub. Die Fanmeile ist ab sieben Uhr geöffnet, eine Stunde später beginnt das Rahmenprogramm.

Die Vorbereitungen für den Auftritt der deutschen Nationalmannschaft liefen seit Montag. Für den etwa einstündigen Empfang des Teams wurde die Hauptbühne vor dem Brandenburger Tor um einen 30 Meter langen Laufsteg erweitert, der über den Platz des 18. März und durch die Menge der versammelten Fans führen wird. Gegenüber der Hauptbühne hängt seit Montag ein großes Transparent an einer Tribüne: „Danke Jungs. Weltmeister 2014“.

Im offenen Truck zum Brandenburger Tor

Von Tegel aus fahren sie zunächst in einem geschlossenen Bus Richtung Brandenburger Tor. Auf dem letzten Abschnitt der Strecke steigen sie um und zeigen sich den Berlinern: Im offenen Truck fährt die Mannschaft ab Alt-Moabit (Rahel-Hirsch-Straße, Kapelle Ufer). Die weitere Route verläuft über die Reinhardtstraße, Luisenstraße und Marschallbrücke zum Pariser Platz.

Nach der Ankunft am Pariser Platz werden sie sich zunächst im Gebäude der Commerzbank frisch machen und von Berlins Regierendem Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) am Brandenburger Tor begrüßt. Danach tragen sie sich in das Gästebuch der Stadt ein, bevor sie sich den Fans auf der Bühne präsentieren. 1200 Medienvertreter haben sich für das Ereignis akkreditiert.

Geplant ist, dass die Spieler wie nach der WM 2006 in kleinen Gruppen die Bühne betreten und sich feiern lassen. Den musikalischen Rahmen bilden Sänger Andreas Bourani („Auf uns“) und die Kölner Karnevalsrocker Höhner. Außerdem soll es den Auftritt eines Topacts geben, der allerdings bis zum Schluss geheim gehalten wird.

U-Bahnen im Vierminuten-Takt

Die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) raten den Gästen der Fanmeile dringend, mit den öffentlichen Verkehrsmitteln oder dem Fahrrad anzureisen. Die U-Bahnen fahren im Vierminuten-Takt. „Wenn es gar nicht anders geht, können wir im Ausnahmefall auf einen Dreiminuten-Takt umstellen“, sagte BVG-Sprecherin Petra Reetz. Bereits beim Final-Abend habe sich aber gezeigt, dass es nicht das Problem sei, die Fahrgäste zu transportieren, sondern in den verstopften Straßen voranzukommen.

Bei einem extremen Andrang rechnet die BVG damit, dass die Polizei einige Bahnhöfe im Umfeld der Fanmeile schließen wird. Von überall sei aber die Fanmeile gut zu Fuß zu erreichen. „Wir sind ab neun Uhr vorbereitet“, sagte Reetz. „Und jeder, der auf der Fanmeile dabei sein will, sollte spätestens zu diesem Zeitpunkt vor Ort sein.“

Strato-Mitarbeiter bekommen frei

Auf jeden Fall dabei sein können die 500 Mitarbeiter der Berliner IT-Firma Strato. Ihr Arbeitgeber hat ihnen freigegeben. „Morgen hat die ganze Firma frei, um zur Fanmeile gehen zu können“, sagte der Sprecher des Internet-Providers und Rechenzentrumsbetreibers, Lars Gurow. Der Kundenservice sei aber besetzt. „Es haben sich genug Freiwillige gefunden, die dafür einen Tag Urlaub erhalten.“

Das Gastgewerbe hat ein positives Fazit der WM für Berlin gezogen. „Berlin zieht immer“, sagte der Hauptgeschäftsführer des Gästeverbandes Dehoga, Thomas Lengfelder. „Aber die Fanmeile war das I-Tüpfelchen obendrauf. Die Stadt war rappelvoll.“ Wirtschaftssenatorin Cornelia Yzer (CDU) erwartet auch langfristige Folgen für die Berliner Wirtschaft.

„Ich weiß, dass Investoren immer dorthin möchten, wo Sieger zu Hause sind“, sagte Yzer. „Deutschland strahlt als Land der Weltmeister und wer im Ausland Deutschland sagt, meint Berlin.“ Sie sei davon überzeugt, dass nun noch mehr potenzielle Investoren anklopfen würden. „Die Bilder mit dem Pokal und den jubelnden Menschen vor dem Brandenburger Tor werden um die Welt gehen“, so die Senatorin. „Der Imagefaktor dieser Bilder ist gewaltig und wird uns als Hotspot für Touristen noch attraktiver machen.“

Unterstützt wird sie in ihrer Einschätzung von der Wissenschaft. Der effektive und qualitätsvolle Fußball, den die Nationalelf gezeigt habe, würde automatisch auf die Eigenschaften deutscher Produkte sowie den Wirtschaftsstandort Deutschland übertragen, sagte der Autor des Sportwirtschaftsberichtes Berlin und Volkswirt der Universität Hamburg, Wolfgang Maennig. „Berlin wird als bekannteste Stadt automatisch assoziiert“, sagte er.

„Gute Laune ist umsatzfördernd“

Positive Effekte verspricht sich Nils Busch-Petersen, Hauptgeschäftsführer des Handelsverbandes Berlin-Brandenburg, für den Binnenkonsum. „Gute Laune ist umsatzfördernd“, lautet seine Formel. Zweimal hat die Fußball-Nationalmannschaft bisher nach einem Turnier die Fanmeile am Brandenburger Tor in Berlin besucht: 2006 und 2008. Nach der Weltmeisterschaft 2006 im eigenen Land feierten dort Hunderttausende Fußballenthusiasten das Team mit Bundestrainer Jürgen Klinsmann. Die Fußballer um Kapitän Michael Ballack und Torwart Jens Lehmann bedankten sich für die Unterstützung der Fans, obwohl sie nur den dritten Platz erreicht hatten. Die Straße des 17. Juni war ein gigantisches schwarz-rot-goldenes Fahnenmeer. Klinsmann rief der begeisterten Menge zu: „Tausend, tausend, tausend Dank, Ihr seid fantastisch. Das ist unglaublich.“

2008 begrüßten dann Hunderttausende die deutschen Fußballer, die gerade Vize-Europameister geworden waren. Die Truppe von Trainer Joachim Löw fuhr mit zwei Bussen vor. Auf einem Papp-Pokal stand „Danke“, auf einem Transparent „Ihr seid die Besten“.

Als Jens Lehmann als erster auf die riesige Bühne kam und einen Ball in die Massen schoss, klatschten die Fans. Die Kicker präsentierten sich nach der Niederlage im EM-Endspiel gegen Spanien zwar locker, aber nicht in Jubellaune.