Karstadt für 1 Euro

Der billige Abschied des „Karstadt-Retters“ Berggruen

Das Berliner KaDeWe hat der Berliner Star-Investor Nicolas Berggruen bereits an den Österreicher René Benko verkauft. Jetzt will er offenbar auch seine Karstadt-Anteile für einen Euro an Benko abgeben.

Foto: JOHANNES EISELE / AFP

Karstadt-Eigentümer Nicolas Berggruen verhandelt mit der österreichischen Finanzgruppe Signa des Unternehmers René Benko über einen Verkauf der Warenhaus-Kette. Das berichtet die „Bild“-Zeitung. Dem Bericht zufolge könnte Benko für einen Euro gut 70 Prozent an Karstadt übernehmen.

Ein Signa-Sprecher wollte den Bericht auf Anfrage nicht kommentieren. „Zu Spekulationen und Gerüchten nimmt die Signa grundsätzlich keine Stellung“, sagte er. Karstadt war für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.

Bisher besitzt Benko bereits die Mehrheit an Karstadt-Sport und mehrere Top-Filialen, darunter das KaDeWe. Der plötzliche Abgang der erst im Frühjahr berufenen Karstadt-Chefin Eva-Lotta Sjöstedt stehe in Zusammenhang mit den Verhandlungen, hieß es in dem „Bild“-Bericht unter Berufung auf „informierte Kreise“ weiter.

Ex-Karstadt-Chefin wirft Berggruen mangelnde Unterstützung vor

Sjöstedt hatte am Montag knapp fünf Monate nach ihrem Amtsantritt das Handtuch geworfen. Die Schwedin sollte den defizitären Konzern mit seinen 83 Warenhäusern auf Kurs bringen und setzte dabei auf die Unterstützung des als Karstadt-Retter gefeierten Berggruen. Sie habe aber feststellen müssen, dass die Voraussetzungen für eine Sanierung nicht mehr gegeben seien, begründete Sjöstedt ihren Rücktritt. Karstadt schreibt seit Jahren rote Zahlen und stand 2009 vor der Insolvenz.

Berggruen hatte den Karstadt-Konzern im Juni 2010 selbst für den Symbolpreis von einem Euro übernommen. Kritiker werfen dem Karstadt-Eigentümer vor, dem Unternehmen die für eine Sanierung notwendige Finanzspritze bislang versagt zu haben. Die klassischen Warenhäuser werden nach früheren Angaben von Aufsichtsratschef Stephan Fanderl auch in diesem Jahr keinen Gewinn erwirtschaften.

Benko hat bereits das KaDeWe übernommen

Noch vor Sjöstedts Amtsantritt trennte Berggruen sich von der Mehrheit an zwei Filetstücken des Konzerns. Benko übernahm die Mehrheit am operativen Geschäft von Karstadt Sports und an den drei Luxuswarenhäusern – das Berliner KaDeWe, das Alsterhaus in Hamburg und Oberpollinger in München. Benko besitzt zudem zahlreiche Karstadt-Immobilien.

Die Signa-Gruppe soll früheren Medienberichten zufolge eine Option haben, die Mehrheit an den 83 regulären Karstadt-Warenhäusern zum symbolischen Preis von einem Euro zu übernehmen. Offiziell bestätigt wurde dies bisher nicht.

Berggruen hat nunmehr nur noch die Mehrheit am traditionellen Warenhausgeschäft und das braucht spätestens für den Weihnachtseinkauf im Herbst Geld. Metro -Chef Olaf Koch hatte bereits abgewunken – eine Kaufhaus-Allianz mit dem zu Metro gehörenden Kaufhof werde es nicht geben.

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