Studie

Einkaufen in Berlins City West beliebt wie nie

Der Umsatz des Einzelhandels wächst in Berlin überproportional. Vor allem dank der Touristen. Welche Einkaufsmeilen in der Gunst der Berliner und ihrer Gäste ganz vorn liegen.

Berlins Geschäftsstraßen kann die globale Marktmacht der Onlinehandelshäuser offenbar nichts anhaben. Der Berliner Einzelhandel hat nach vorläufigen Berechnungen des Amtes für Statistik Berlin-Brandenburg im Jahr 2013 erneut ein Umsatzplus von 7,4 Prozent gegenüber dem Vorjahr erwirtschaftet (2012: +4,1 Prozent). Der Gesamtumsatz des Berliner Einzelhandels betrug demnach nach vorläufigen Berechnungen nominal rund 14,18 Milliarden Euro.

Zu verdanken ist das nach Ansicht von Experten vor allem einem Umstand: „Der Einzelhandel in Berlin profitierte 2013 von den immer neuen Rekordzahlen im Tourismus“, so Nils Busch-Petersen, Hauptgeschäftsführer des Handelsverbandes Berlin-Brandenburg e.V. (HBB). Fast 27 Millionen Übernachtungen und mehr als elf Millionen Gäste zählten 2013 allein die Hotels der deutschen Hauptstadt. Hinzu kommen zahlreiche Besucher, die privat bei Verwandten oder in Ferienwohnungen übernachtet haben. Berlin ist mit einem Wachstum von mehr als acht Prozent im vergangenen Jahr die am schnellsten wachsende Top-Destination in Europa.

Das dritte Jahr in Folge liege die Gesamtbilanz des Handels für die Region Berlin-Brandenburg damit über dem Bundesdurchschnitt. In Berlin beträgt nach HBB-Schätzungen der Umsatzanteil in- und ausländischer Touristen am Jahresumsatz 2013 im engeren Sinne bei rund 26 Prozent.

Welche Einkaufsstraßen vorn liegen

Insbesondere die führenden Geschäftsstraßen unter Berlins Einkaufsmeilen liegen dabei in der Kundengunst ganz vorn. Und die positive Entwicklung scheint sich auch 2014 fortzusetzen. Wie aus einer Untersuchung des Maklerhauses Engel & Völkers Commercial hervorgeht, verzeichnet allen voran die Tauentzienstraße Besucherrekorde.

Bei einer der regelmäßigen sogenannten Passantenfrequenz-Zählungen, die das Maklerhaus bereits seit den 90er-Jahren zeitgleich an 64 Standorten in 22 deutschen Städten durchführt, wurden auf der Tauentzienstraße in der City West 8149 Besucher pro Stunde gezählt. Das waren 44 Prozent mehr als im Vorjahr 2013 (5644). Stichtag war Sonnabend, der 10. Mai 2014.

Exakt die gleiche Zuwachsrate verzeichnet auch die Wilmersdorfer Straße – allerdings ausgehend von einem deutlich niedrigeren Niveau. 2014 besuchten 5431 Menschen Berlins einzige innerstädtische Fußgängerzone (2013: 3777).

Ebenfalls mit enormem Kundenzuwachs verteidigt der Kurfürstendamm seinen langjährigen zweiten Platz unter den am stärksten frequentierten Einkaufsstraßen der Stadt. Mit 6225 Besuchern pro Stunde wurden 2014 rund 35 Prozent mehr Besucher gezählt als im Vorjahr, als es 4618 waren.

Nicht ganz so üppig legten Friedrichstraße und Alexanderplatz in Mitte zu. Hier betrug das Wachstum lediglich sieben Prozent (4040), beziehungsweise sechs Prozent (2014: 4748 Passanten pro Stunde).

Und an der Steglitzer Schloßstraße (3943 auf 3773), sowie der Rosenthaler Straße in Mitte (3905 auf 2750) sanken die Besucherzahlen sogar.

„Die Verluste sollte man jedoch nicht überbewerten“, sagt Nicolas Jeissing, Geschäftsführer von Engel & Völkers Commercial. So erkläre sich beispielsweise das Minus an der Schloßstraße durch die Tatsache, dass sich die Meile mit ihren inzwischen vier Shoppingcentern mit jeweils angeschlossenem Parkhaus zu einem Ziel vor allem für Autofahrer entwickelt habe. „Die Menschen fehlen dann natürlich auf der Straße, aber die Umsätze stimmen.“

Kaufinger Straße in München weit vor Berliner Top-Straße

Aus der Erhebung der sogenannten Passantenfrequenzzahlen 2014 geht hervor, auf welcher der sieben wichtigsten Einkaufsstraßen Berlins sich die meisten Menschen aufhalten. Diese Zahlen helfen nicht nur dabei, die wirtschaftlichen Chancen der Geschäfte einzuschätzen, sondern haben auch Einfluss auf die künftige Miete, die den Unternehmern abverlangt wird. Die Spitzenmiete am Tauentzien kletterte deshalb auch innerhalb eines Jahres um 20 Euro von 260 Euro auf aktuell 280 Euro pro Quadratmeter.

Im Ranking um die höchsten Passantenzahlen allerdings liegt die Kaufinger Straße in München noch weit vor der Berliner Top-Straße Tauentzien. 16.653 Passanten pro Stunde wurden dort am Stichtag Sonnabend, 10. Mai 2014 von Engel & Völkers Commercial gezählt – gut doppelt so viele Menschen, wie sie zeitgleich über den Tauentzien bummelten. Allerdings verteilen sich die Kunden in Berlin auch auf mehr Einkaufsmeilen als in München. Seit 20 Jahren erfasst das Maklerhaus die Passantenzahlen in 64 deutschen und österreichischen Städten. In Berlin schafft es einzig die Tauentzienstraße unter die Top 10.

Dass der Berliner Handel sich erfolgreich gegen den im Bundesdurchschnitt eher durchwachsenen Trend stemmt, „lockt auch immer mehr neue Modelabel und große Filialisten in die Hauptstadt“, so Nicolas Jeissing, Geschäftsführer von Engel & Völkers Commercial. Neben der Internationalität durch die vielen Touristen schätzten die Einzelhändler das große Kundenpotenzial der bevölkerungsreichsten Stadt Deutschlands, die zudem 2013 einen Zuwachs von 48.000 Einwohnern verzeichnete. So habe etwa das japanische Label Uniqlo für seine erste deutsche Filiale sich ganz bewusst für Berlin entschieden. Im ehemaligen Niketown am Tauentzienstraße 7 angesiedelt, während Nike selbst in die 9-12 gezogen ist.