Kriminalität

"Neuer Typ Einbrecher" macht Innenministern Sorgen

Einbrecher sind zunehmend professionell organisiert, die Zahl der Taten steigt. Gewerkschafter fordern finanzielle Anreize für Hauseigentümer, um ihr Eigentum besser zu sichern.

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Innenminister von Bund und Ländern haben sich besorgt über eine steigende Zahl von Wohnungseinbrüchen durch professionell agierende, hochmobile Banden geäußert. Die Gruppen arbeiteten nach dem Muster der Organisierten Kriminalität, sagte Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) bei der Vorstellung der polizeilichen Kriminalitätsstatistik für das vergangene Jahr am Mittwoch in Berlin.

Der Vorsitzende der Innenministerkonferenz der Länder, Nordrhein-Westfalens Ressortchef Ralf Jäger (SPD), sprach bei der Veranstaltung von einem "neuen Typ Einbrecher", der die Polizei vor Herausforderungen stelle. Der Kriminalitätsstatistik zufolge stieg die Zahl der Wohnungseinbrüche im vergangenen Jahr um 3,7 Prozent auf 149.500 Fälle. Besonders betroffen seien Großstadtregionen. Die Aufklärungsquote in diesem Bereich sei mit 15,5 Prozent "gering".

Nach Angaben de Maizières und Jägers gehen zahlreiche Einbruchstaten auf das Konto von staatenübergreifend operierenden Gruppierungen, die etwa entlang von Autobahnachsen zu gut organisierten Diebestouren aufbrechen. Die Gruppen seien neben Deutschland auch in Nachbarländern wie Belgien und den Niederlanden aktiv.

"Das muss man international angehen"

Die Minister kündigten vor diesem Hintergrund eine stärkere Zusammenarbeit der Polizeibehörden der Bundesländer sowie der Ermittler in Deutschland und den Nachbarstaaten an. "Das ist etwas, das muss man international angehen", sagte de Maizière. Der Kampf gegen diese Art der Kriminalität werde sicherlich "ein Schwerpunkt" der Arbeit der kommenden Jahre sein.

Jäger zufolge geht die Polizei in Nordrhein-Westfalen bereits gemeinsam mit den Behörden aus Nachbarstaaten etwa bei regionenübergreifenden "Kontrolltagen" gegen die Einbruchsbanden vor. Künftig müsse die Abstimmung von Ermittlungen und Einsätzen allerdings noch besser werden, auch die laufende Auswertung sowie Analyse des Einbruchsgeschehens müsse künftig gemeinsam erfolgen.

Auch die Gewerkschaft der Polizei (GdP) warnte vor den zunehmenden Aktivitäten der Profi-Einbrecherbanden und forderte bundesweite Lagebilder und länderübergreifend vernetzte Ermittlungsgruppen. Zudem plädierte sie für "spürbare" steuerliche Anreize für Bürger, in die Sicherheit ihrer Häuser und Wohnungen zu investieren. Auch ein "Einbruchschutz-Förderprogamm" mit zinslosen Darlehen sei "vielversprechend", erklärte GdP-Chef Oliver Malchow in Berlin. Mehr Sicherheit dürfe es nicht nur für Reiche geben, die sich einen Wachschutz und technische Aufrüstung leisten könnten.

Zahl der Gewaltdelikte zurückgegangen

Als erfreulich bezeichnete de Maizière den 2013 verzeichneten Rückgang der Jugendkriminalität. Die Zahl der Verdächtigen im Alter von 14 bis 18 Jahren ist laut Statistik um fünf Prozent gesunken. Der Rückgang der Gewaltkriminalität sei dabei mit 11,9 Prozent noch stärker ausgefallen. "Das freut uns sehr", sagte der Minister. Es widerlege manche Klischees und sei Ausdruck des Engagements von Schulen, Vereinen und Initiativen sowie der Arbeit von Polizei und Justiz.

Auch insgesamt ging die Zahl der Gewaltdelikte im vergangenen Jahr zurück. Sie sank um 5,3 Prozent auf 184.847 Fälle. "Insgesamt wird unser Land weniger gewalttätig", sagte de Maizière. Allerdings steige die "Gewaltintensität" bei einzelnen Taten durchaus an.

Insgesamt blieb die Zahl der polizeilich gemeldeten Straftaten nahezu konstant. Sie lag 2013 bei etwa 5,962 Millionen Delikten und damit geringfügig unter dem Wert von 2012 (rund 5,997 Millionen). Auch die Aufklärungsquote blieb mit 54,5 Prozent fast gleich (2012: 54,4 Prozent).

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