JVA Moabit

Häftlinge weiter auf der Flucht - Kommission gebildet

Das Berliner Ausbrecher-Duo ist wie vom Erdboden verschluckt. Jetzt sollen Experten klären, wie die Flucht aus der JVA Moabit gelingen konnte. Ein Bericht soll bis Mitte August vorliegen.

Nach den beiden ausgebrochenen Häftlingen aus dem Berliner Untersuchungsgefängnis Moabit wird weiter mit Hochdruck gefahndet. Die Staatsanwaltschaft äußerte sich am Freitag nicht, ob die Entkommenen noch in Berlin vermutet werden. Am Nachmittag bildete sich eine Untersuchungskommission, die die Umstände der spektakulären Flucht analysieren und Schlussfolgerungen ziehen soll.

Die Mitglieder sollten die gesamten Sicherheitssysteme der Anstalt überprüfen, sagte die Sprecherin der Justizverwaltung Lisa Jani. Dabei gehe es um technische, bauliche und organisatorische Aspekte. Vorsitzender der Kommission ist der Ministerialdirigent des sächsischen Justizministeriums, Willi Schmid. Weitere Mitglieder sind der Präsident des Amtsgerichts Tiergarten, Alois Wosnitzka, sowie der Bauingenieur Jürgen Vercrüsse.

Ein Untersuchungsbericht solle bis Mitte August fertig werden, sagte Jani. Zwischenberichte werde es vorher nicht geben. Justizsenator Thomas Heilmann (CDU) sei es wichtig gewesen, dass die Mitglieder unabhängig seien und unbefangen auf das Berliner Geschehen blickten.

Vermutlich hatten die zwei Berliner Ausbrecher Helfer

Seit Donnerstag wird mit Fotos nach einem 34-jährigen mutmaßlichen Mörder und einem 25-jährigen verurteilten Betrüger gesucht. Zunächst hatte die Justiz die Identität der Männer nicht preisgegeben und dafür „fahndungstaktische Gründe“ genannt.

Die Männer hatten in der Nacht zum Montag die Gitter vor ihren Zellenfenstern durchsägt und sich abgeseilt. Sie überwanden eine Mauer und Stacheldraht, bevor sie verschwanden. Es war die erste gelungene Flucht aus dem Gefängnis mit rund 1000 Plätzen seit rund 15 Jahren.

Senator Heilmann hatte im Abgeordnetenhaus angekündigt, Gitter vor Zellenfenstern in Moabit schneller als bislang geplant zu verstärken. Nach und nach soll besonders stabiler Manganstahl eingebaut werden. Zuvor hatte der CDU-Politiker Fehler des Personals eingeräumt. Das Bild einer Überwachungskamera, auf dem die Flucht zu sehen war, sei weggedrückt worden. Vermutet wird, dass die Ausbrecher Helfer hatten.

Der 34-jährige Gesuchte heißt Metin Michael Müslü, der 25-jährige Ulrich Wolfgang Siegfried Z.. Die Männer sind 1,92 und 1,94 Meter groß und wiegen je rund 100 Kilogramm. Beide haben kurze oder rasierte dunkle Haare.