Nach ihrem spektakulären Ausbruch aus dem Untersuchungsgefängnis Berlin-Moabit sind beide Häftlinge weiter auf der Flucht. Die Fahndung laufe auf Hochtouren, hieß es am Mittwoch bei Polizei und Staatsanwaltschaft. Das Duo war in der Nacht zum Montag in einer spektakulären Aktion geflüchtet. Die Kriminellen hatten Gitter vor ihren Zellenfenstern durchgesägt, sich abgeseilt und dann eine Mauer und Stacheldraht überwunden.
Justizsenator Thomas Heilmann (CDU) räumte inzwischen Fehler beim Personal ein. So sei auf einem Bild einer Überwachungskamera die Flucht zu sehen gewesen, dieses aber weggedrückt worden. Erst zweieinhalb Stunden später wurde der Ausbruch entdeckt. Gegen Mitarbeiter der Alarmzentrale begannen Disziplinarermittlungen. Es war die erste gelungene Flucht aus dem riesigen Untersuchungsgefängnis mit rund 1000 Plätzen seit rund 15 Jahren.
Ermittlung gegen Unbekannt wegen Gefangenenbefreiung
Auch ein Ermittlungsverfahren gegen Unbekannt wegen Gefangenenbefreiung wurde eingeleitet. Möglicherweise hatten die Häftlinge Helfer. Nach Angaben einer Justizsprecherin wurden Halterungen am Stacheldraht „mit einem Gerät manipuliert“. Dadurch konnten die Flüchtenden den Draht vermutlich beiseiteschieben.
Zur Identität der Häftlinge äußern sich Justiz und Polizei aus taktischen Erwägungen weiter nicht. Nach Medienberichten soll einer von ihnen ein mutmaßlicher Mörder sein. Noch in dieser Woche soll eine unabhängige Untersuchungskommission mit dem Aufarbeiten des Falls beginnen.
Senator Heilmann wies weiterhin Kritik zurück. Es habe nicht zu wenig Personal gegeben und zudem würden Investitionen in die Sicherheitstechnik erhöht, sagte er am Mittwoch im Inforadio des RBB. Es müsse geklärt werden, wieso die Vorbereitungen für die Flucht unentdeckt blieben. In der RBB-„Abendschau“ hatte der CDU-Politiker am Dienstag auf die Frage nach einem möglichen Rücktritt wegen des Ausbruchs geantwortet: „Man muss zurücktreten, wenn man etwas falsch gemacht hat.“ Das könne er in seinem Fall nicht erkennen.
dpa/ap





