Körperwelten

Gesundheitsamt muss Leichen-Schau am Fernsehturm genehmigen

Die geplante Körperwelten-Ausstellung am Alexanderplatz hat die Baugenehmigung erteilt bekommen: Jetzt prüft das Gesundheitsamt, ob die Ausstellung die Auflagen des Bestattungsgesetzes erfüllt.

Foto: Axel Heimken / dpa

Für die geplante Körperwelten-Ausstellung am Alexanderplatz gibt es eine neue amtliche Hürde. Zwar wurde die Baugenehmigung im April erteilt, doch mindestens eine weitere Erlaubnis ist erforderlich. „Es gibt noch kein Prüfverfahren vom Gesundheitsamt“, sagte Mittes Bürgermeister Christian Hanke (SPD) am Donnerstag. „Weil der Betreiber dazu noch keine Anträge gestellt hat.“

Das Museum für Körperwelten soll in ein Sockelgeschoss des Fernsehturms ziehen, auf eine Fläche von 1200 Quadratmetern. Die Eröffnung ist für Herbst vorgesehen. Die Pläne des Plastinators Gunther von Hagens waren Anfang 2014 bekannt geworden. 20 präparierte Körper und etwa 200 Präparate sollen am Alexanderplatz gezeigt werden.

„Es handelt sich um Leichen und Leichenteile. Damit greift das Bestattungsgesetz“, sagte Hanke. Diesem Gesetz zufolge seien Leichen und Leichenteile grundsätzlich nicht öffentlich auszustellen. Ausnahmen müssten behördlich genehmigt werden. „Der Gesetzgeber hat dafür sehr hohe Hürden gesetzt. Denn es geht um die Würde des Menschen, auch postmortal.“ Es gehe auch um das sittliche Empfinden der Gesellschaft. „Deshalb muss man begründen, warum die öffentliche Zurschaustellung von Leichenteilen dennoch erlaubt werden sollte.“ Nun habe das Gesundheitsamt den Betreiber aufgefordert, diese Anträge zu stellen. „Ich erwarte, dass das in den nächsten Wochen passieren muss“, so Mittes Bürgermeister.

„Ansonsten würde keine Genehmigung vorliegen, diese Ausstellung zu eröffnen.“ Nur Denkmalschutz, Fluchtwege und Brandschutz seien in der baurechtlichen Genehmigung berücksichtigt. Die inhaltliche Prüfung der Ausstellung stehe noch aus. Diese Prüfung werde, falls die Unterlagen vollständig vorliegen, etwa 14 Tage in Anspruch nehmen, so der Bürgermeister. „Jedes Exponat wird einzeln betrachtet.“ Es komme darauf an, dass ein öffentliches wissenschaftliches Interesse an der Schau bestehe, und dass die Art und Weise, wie ausgestellt wird, pietätvoll sei. In den vergangenen Wochen hat es Proteste gegen das Vorhaben gegeben. Vertreter der katholischen und der evangelischen Kirche lehnen es ab. Auch die Berliner Tourismusorganisation „visit Berlin“ äußerte sich kritisch.