Tempelhofer Feld

CDU-Fraktionschef kündigt Änderungen am Masterplan an

Der Masterplan zur Bebauung des Tempelhofer Felds ist „nicht in Stein gemeißelt“, so Florian Graf im Abgeordnetenhaus. SPD-Stadtentwicklungssenator Müller warnt vor einem Nein zur Randbebauung.

Drei Tage vor dem Volksentscheid haben die Fraktionschefs der rot-schwarzen Berliner Koalition mit engagierten Reden für eine Randbebauung des Tempelhofer Felds geworben.

Mit scharfen Attacken gegen die Initiatoren des Volksentscheids eröffnete der SPD-Fraktionschef Raed Saleh die aktuelle Stunde im Abgeordnetenhaus. Es gehe um eine echte Richtungsfrage für Berlin: „Wollen wir dieser Stadt eine Perspektive geben, die die Herausforderung der Zukunft wirklich annimmt, oder flüchten wir in den Stillstand?“, fragte er.

Die Gegner der Bebauung setzten auf die Ängste der Bürger. Die Alternative seien „egoistischer Stillstand oder Perspektive des Aufbruchs“. Das Gesetz des Volksbegehrens erlaube nicht einmal Toiletten auf dem Feld. Aber „Auch ein grüner Hippie muss mal Pipi“, sagte Saleh. Die Koalition stehe für „echte Großstadtpolitik statt provinzieller Spießigkeit“, sie wolle „auch Barrierefreiheit für alle, die nicht so gut laufen können“.

Die Grünen griff Saleh frontal an: „Sie werben auch noch für dieses absurde Gesetz. Die Grünen kämpfen gegen Radwege, gegen Barrierefreiheit, gegen Bäume. Sie verstoßen gegen ihr eigenes Grundsatzprogramm“, sagte Saleh.

Interaktive Grafik - Die Pläne für das Feld

Grünen-Fraktionschefin Antje Kapek konterte auf Saleh: "Ihre Pläne sind einfach schlecht, weder sozial, noch ökologisch, noch mit ernsthafter Beteiligung entstanden. Deswegen kann man die einfach nur ablehnen." Ein Ja zu „100 Prozent Tempelhof“ sei die einzige Möglichkeit, den Masterplan des Senats zu stoppen und damit Neuanfang für Tempelhof möglich zu machen.

"In ihrem Gesetz kommt weder das Wort sozial noch bezahlbarer Wohnraum vor", warf Kapek SPD und CDU vor. "Sie benutzen den vermeintlichen Bedarf nach sozialem Wohnungsbau als Totschlagsargument. Wenn Sie es ernst meinen würden, hätten sie eine Quote für billige Wohnungen in ihr Gesetz geschrieben."

Tempelhof-Masterplan „nicht in Stein gemeißelt“

CDU-Fraktionschef Florian Graf sagte: "Wir wollen Entwicklung, denn Stillstand lässt sich mit den Bedürfnissen einer wachsenden Metropole nicht vereinbaren". Er kündigte aber auch noch Debatten über die Planungen des Senats an.

"Der Masterplan ist eine Grundlage des Senats. Aber er ist nicht in Stein gemeißelt. Es ist klar, dass wir die Planungen diskutieren, mit der Stadtgesellschaft und auch im Parlament. Es kann und wird auch Veränderungen am Masterplan geben."

Sollte der Volksentscheid siegen, geschehe jedoch nichts. "Wenn es ein Nein gibt zur Bebauung, wird darüber nicht noch einmal diskutiert. Wir akzeptieren die direkte Demokratie."

Müller warnt vor Nein zur Randbebauung

"Spazierengehen, Sporttreiben,Picknick: Alles, was die Menschen auf dieser Fläche genießen, werden sie auch weiter genießen können, wenn die Ränder mit dringend benötigten Wohnungen bebaut werden", Stadtentwicklungssenator Müller (SPD). Die Menschen kämen in die Stadt, sie wollten und bräuchten städtische Infrastruktur.

Vertreter der Bürgerinitiative „100 Prozent Tempelhof“ forderten, die Berliner sollten rausziehen aus der Stadt, sagte Müller empört: "Sollen wir den Leuten, die nach Berlin wollen, sagen, wohnt doch lieber in Zossen?" Es gebe kein Recht, in der Innenstadt zu leben, sagte der Senator. Aber auch in Reinickendorf oder Spandau gebe es städtische Infrastruktur. An die Adresse der Grünen stichekte er: "Es ist tatsächlich möglich, außerhalb von Friedrichshain-Kreuzberg zu leben.

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Den Grünen und den Linken hielt er vor, frühere Positionen aufgegeben zu haben: Fraktionschefin Kapek habe noch im Januar im Abgeordnetenhaus gesagt, die Initiative müsse sich bewegen. "100 Prozent ist Nulllösung", zitierte Müller die Grünen-Fraktionschefin aus dem Protokoll. Sie haben sich auch für eine moderate Randbebauung ausgesprochen. Und auch die Linken-Vetreterin Katrin Lompscher sei für Wohnen am Tempelhofes Damm und die Zentralbibliothek gewesen. "Sie haben sich dann aus parteitaktischen Überlegungen wegbewegt von dieser Position", warf Müller der Opposition vor.

Er habe mit zwei städtischen Wohnungsgesellschaften und einer Genossenschaft vereinbart, dass es am am Tempelhofer Damm 50 Prozent Wohnungen für 6 bis 8 Euro pro Quadratmeter geben solle. "Damit will ich 2016 anfangen und 2019 die ersten Wohnungen haben", umriss Müller den Zeitplan. Ein ähnliches Verhältnis werde aber auch für die anderen Baufelder gelten. "Lassen Sie uns über die Oderstraße diskutieren, wo es erst später losgeht", lud der Senator die Opposition zu weiteren Gesprächen ein: "Man kann aber nur diskutieren, wenn das Volksgesetz am Sonntag abgelehnt wird."

Sechs Architekturbüros entwickeln Konzepte

Unabhängig vom Ausgang des Volksentscheids hat das Land Berlin Architekturbüros mit der Erarbeitung städtebaulicher Konzepte beauftragt. Sechs Büros sollen für das geplante Wohngebiet am Tempelhofer Damm mit 1700 Wohnungen Gestaltungsvorschläge erarbeiten. Die Ergebnisse sollen den Bürgern im Sommer vorgestellt werden, sofern die Bebauung am Sonntag nicht grundsätzlich abgelehnt wird. Anschließend würde dann ein Architektenwettbewerb folgen.

Der Masterplan des rot-schwarzen Senats sieht eine Bebauung an drei Rändern des Tempelhofer Feldes vor. Insgesamt sollen 4700 Wohnungen entstehen.