Drohne

Fliegendes Auge der Berliner Polizei filmt Tatorte und Unfälle

Auch die Berliner Polizei setzt auf die Überwachung aus der Luft. Eine Drohne filmt Staus, Tatorte oder Umweltdelikte von oben. Bei Demonstrationen werde sie aber nicht eingesetzt.

Foto: Bernd von Jutrczenka / dpa

Sie ist nur ein mal ein Meter groß und steigt maximal bis zu 50 Meter in die Höhe – für ein Fluggerät eigentlich keine allzu vielversprechenden Daten. Für die Polizei ist sie jedoch eines der wichtigsten technischen Geräte und im Einsatz gegen Kriminalität sowie bei schweren Verkehrsunfällen inzwischen unerlässlich: die Drohne UAS-Pol (Unmanned Aircraft System – Unbemanntes Fluggerät). Bereits seit vier Jahren wird sie in Berlin eingesetzt, aber erst jetzt stellte die Polizei den fliegenden Helfer samt Technik vor.

Das 1,3 Kilogramm schwere Gerät mit Kamera ähnelt einem Ventilator. Es kann nur tagsüber fliegen. Nach etwa 25 Minuten muss der Akku gewechselt werden. Ein Spezialist der Kriminaltechnik steuert das Gerät vom Boden aus. Jeder Einsatz muss bei der Deutschen Flugsicherung an- und abgemeldet werden.

„Das ist ein einfaches, schnelles Einsatzmittel“, sagte Kommissariatsleiterin Anette Schmedding bei der Vorstellung am Montag. Zudem würden enorme Kosten gespart, wenn das kleine Gerät etwa anstelle eines Hubschraubers über einem unübersichtlichen Gelände hochgehe, an dem beispielsweise eine Leiche vergraben war. Da die Nutzung von Drohnen im Polizeieinsatz umstritten ist, war es Schmedding wichtig klarzustellen, dass die Berliner Polizeidrohne nicht zum Filmen von Demonstrationen oder einzelnen Menschen eingesetzt werde. „Das schließe ich vollkommen aus“, so die Kriminalbeamtin. Berlin habe klar geregelt, dass das unbemannte Mini-Fluggerät aus der Luft nur abgesperrte Tatorte, Umweltdelikte oder schwere Unfälle dokumentiere.

Die Drohne wird demnach genutzt, um beispielsweise nach einem Mord auf einem Feld zusätzlich zu den am Boden fotografierenden Ermittlern Bilder vom Tatort zu erstellen. Auch wenn Unbekannte illegal riesige Mengen an Müll entsorgt haben, können sich die Beamten mithilfe der Drohne einen Überblick aus der Luft verschaffen. Oder wenn die Polizei Fluchtwege dokumentieren oder Großeinsätze planen will.

Fotos und Videos

Hauptsächlich kommt die Drohne jedoch bei Schadensereignissen wie schweren Verkehrsunfällen zum Einsatz. Ihr Einsatzradius beträgt bis zu 150 Meter, sodass der Verlauf eines Unfalls über den eigentlichen Unfallort hinaus beispielsweise bis in Nebenstraßen dokumentiert werden kann, und zwar auch dreidimensional. Die Polizei rüstet das Fluggerät – je nach Anlass – entweder mit einer Foto- oder einer Videokamera aus. Weitere Möglichkeiten wie etwa eine Schussvorrichtung seien nicht gegeben und auch nicht vorgesehen. Seit 2009 steigt die 45.000 Euro teure Polizeidrohne nach Angaben eines Sprechers ein- bis zweimal im Monat in der Hauptstadt auf.

Der Einsatz von Polizeidrohnen ist Ländersache. In einigen Bundesländern wie Nordrhein-Westfalen, Sachsen, Hessen und Niedersachsen setzt die Polizei ebenfalls auf Drohnen im kleinen Format. Länder wie Thüringen, Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern oder Baden-Württemberg sind drohnenlos. Nordrhein-Westfalen hat derzeit zwei der kleinen Fluggeräte, sie sollen laut Innenministerium Ermittlungsverfahren unterstützen. Bei größeren Menschenansammlungen seien sie nicht zulässig.

In Niedersachsen hatte es den ersten großen Einsatz für das Drehflüglersystem MD 4-200 bei einem Castor-Transport im Jahr 2010 gegeben. Mittlerweile aber soll das Gerät laut Polizei bei Versammlungen auf dem Boden bleiben. Die Drohne wird etwa bei großen Feuern eingesetzt, um den Brandherd schneller zu erkennen. In Rheinland-Pfalz gab es laut Innenministerium bisher drei Einsätze mit Drohnen. Zweimal seien Geräte aus Hessen ausgeliehen, bei der Suche nach einer vermissten Person sei zudem eine private Drohne angefordert worden. Die Polizei in Hessen arbeitet sei 2009 mit einer Drohne. Mit ihrer Hilfe wurden etwa Betäubungsmittelplantagen aufgespürt. Sachsen setzt seine Drohne neben der Überwachung des Straßenverkehrs auch bei Demonstrationen ein.

Drohnen fliegen wie Hubschrauber mit Propellern

Die kleinsten Drohnen sind nur zentimetergroß. Militärisch genutzte Drohnen können auch die Ausmaße kleinerer Flugzeuge erreichen. Die meisten fliegen wie Hubschrauber mit Propellern. Bis zu acht Rotoren werden von einem Akku und Elektromotoren angetrieben. Im Handel gibt es Drohnen für Hobbybastler und Flugfans schon für einige Hundert Euro zu kaufen.

Gesteuert werden die Flugobjekte über Funk vom Boden aus. Das kann im Hobbybereich über Sichtkontakt gehen. Oder auch von Leitstellen aus, die sich am anderen Ende der Welt befinden und die computergesteuert fliegende Drohne nur noch überwachen. Der zivile Einsatzbereich der Mini-Helikopter ist groß, vom Naturschutz über Verkehrslenkung oder Forschung bis zur Unterstützung von Polizei und Feuerwehr.

Die US-Aufklärungsdrohne „Global Hawk“ gilt als eines der größten unbemannten Flugzeuge der Welt. Mit einer Länge von 14,5 Metern und einer Spannweite von 40 Metern hat sie fast die Ausmaße eines Passagierflugzeugs. Sie kann bis zu 30 Stunden in der Luft bleiben und 18 Kilometer hoch fliegen. mit dpa