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Blumenverkäuferin wurde von Vogelspinne gebissen

Eine Blumenverkäuferin wurde in Lichtenberg von einer kleinen Vogelspinne gebissen. Das bestätigte nun das Veterinäramt. Die Berliner Polizei und Feuerwehr suchten stundenlang nach dem Tier.

Foto: Steffen Pletl

Wer kennt sie nicht, die ebenso legendäre wie wenig glaubwürdige Geschichte von der Spinne in der Yukkapalme. Das, was sich am Dienstag in einem Lichtenberger Einkaufszentrum abgespielt hat, erinnert stark daran – und ist doch wirklich so passiert. In einem Blume-2000-Laden im Einkaufszentrum Ring-Center an der Frankfurter Allee hat eine Vogelspinne zugebissen und eine Blumenverkäuferin verletzt. Nach Angaben einer Zeugin sei die 35 Jahre alte Frau am Vormittag gerade damit beschäftigt gewesen, für einen Kunden eine Pflanze einzupacken, als die Spinne zubiss – in die Hand der Frau, die daraufhin stark anschwoll. Außerdem klagte die Verkäuferin über Hautrötungen, ihr Arm sei zeitweise sogar gelähmt gewesen. Symptome einer Vergiftung wurden nicht festgestellt.

Frau kann Klinik wieder verlassen

Die Feuerwehr brachte die 35-Jährige zur Behandlung ins Krankenhaus Lichtenberg. Die Frau musste mehrere Stunden zur Beobachtung in der Klinik bleiben. Sie sei aber beschwerdefrei, hieß es am Nachmittag aus der Klinik. Gegen 15 Uhr wurde sie wieder entlassen. Ein Feuerwehrbeamter, der die verletzte Frau versorgt hatte, sagte, der Abstand zwischen den zwei Bisswunden habe rund eineinhalb Zentimeter betragen.

Am frühen Abend – nach Stunden der Suche – konnte ein Schädlingsbekämpfer in dem Blumenladen schließlich Entwarnung geben: Er konnte das Tier fangen, hieß es. Mittlerweile ist das Tier tot. Es handelt sich nach Angaben des Veterinäramts Lichtenberg um eine Vogelspinne.

Nach der morgendlichen Spinnenattacke war das Geschäft sofort geschlossen worden. Auch Teile des Einkaufscenters wurden abgesperrt. Dann gingen Polizei- und Feuerwehrbeamte zwischen den Schnittblumen und Pflanzentöpfen auf die Suche nach dem Tier. Bis ungefähr 14 Uhr suchten sie in dem Geschäft jeden Winkel ab. Doch zunächst ohne Erfolg. Nach Angaben einer Polizeisprecherin habe sich nach der erfolglosen Suche dann ein Schädlingsbekämpfer ans Werk gemacht. Passanten konnten beobachten, wie der Fachmann Fugen, Ritzen und Türspalte von innen abdichtete. Am späten Nachmittag sollten die Geschäftsräume schließlich mit giftigem Schädlingsbekämpfungsmitteln ausgesprüht werden.

"Mitgereiste Spinne fällt unter die Rubrik Lebensrisiko“

Nach Angaben des Hauptzollamtes kommen die meisten Pflanzen mit Lastwagen nach Berlin. Kontrollen und Formalitäten werden in den Hafenstädten und an Grenzübergängen erledigt. Dort werden sie aber nicht auf „mitreisendes“ Ungeziefer oder Insekten untersucht. Eine Begasung des Containerinhaltes, um Insekten oder exotische Tiere abzutöten, gibt es nicht, da die Container zum Teil mit Pflanzen und Lebensmitteln gemischt bestückt werden.

„Wenn wir in den Containern noch nach Ungeziefer suchen müssten, würde der gesamte Handel zum Erliegen kommen“, hieß es beim Bremer Zoll, der auch für Bremerhaven zuständig ist. „So eine mitgereiste giftige Spinne fällt unter die Rubrik Lebensrisiko.“ Auch im Hamburger Hafen würden Container nicht nach Insekten oder Spinnen abgesucht werden. Kommen exotische Pflanzen aus Übersee nach Berlin, geschieht das in vielen Fällen auch mit dem Flugzeug. So würden beispielsweise sehr viele Orchideen aus Asien per Luftfracht die Hauptstadt erreichen. Dort werden die Pflanzen stichprobenartig auf Schädlinge oder Pilze untersucht, nicht aber auf mitgereiste Tiere.

Sollte so ein blinder Passagier wie eine exotische Spinne entdeckt werden, sei das ein Zufallsprodukt, heißt es beim Pflanzenschutzamt des Berliner Senats. Das Lebensmittel- und Veterinäramt des Bezirksamtes Reinickendorf, zuständig für den Flughafen Tegel, untersucht nur eingeführte Lebensmittel auf Pflanzenbasis. Wenn die Ware freigegeben wurde, nimmt sich der Zoll ihrer an. Dann geht es aber um Steuern und Zoll, und nicht um Schädlinge oder Spinnen, so Zollsprecher Michael Kulus.

Giftiger Fund in der Bananenkiste

Zuletzt hatten die Mitarbeiter eines Supermarktes am Buckower Damm vor knapp zwei Jahren eine hochgiftige Spinne beim Auspacken in einer Bananenkiste gefunden. Die Wanderspinne hatte ihre Reise aus Costa Rica gut überstanden. Die Mitarbeiter, die die Früchte für den Verkauf vorbereiteten, erkannten sofort, dass es sich nicht um eine normale Hausspinne handelte. Sie stülpten geistesgegenwärtig eine Plastiktüte über den Karton. Ein von der Polizei angerufener sachkundiger Kollege identifizierte das Tier als tödlich giftige Brasilianische Wanderspinne. Diese Spinne webt kein Netz, sondern geht nachts auf die Jagd. Sie könne äußerst aggressiv sein, heißt es.