Fluglärm

Anwohner protestieren gegen Nachtflüge in Tegel

Nicht jeden Berliner freut die Aussicht, dass Tegel möglicherweise länger offen bleibt. Anwohner fürchten noch mehr Lärm - besonders nachts. Rund 300 Demonstranten protestierten nun vor dem Flughafen.

Foto: Britta Pedersen / dpa

Zwei von drei Berlinern würden sich freuen, wenn Tegel nach der Eröffnung des Hauptstadt-Airports BER in Betrieb bleibt. Doch viele Anwohner des innerstädtischen Flughafens sind über diese Idee entsetzt und riefen deshalb zu einer Demonstration am Flughafen auf. Rund 300 Fluglärmgegner haben nach Schätzungen der Polizei am Sonnabendnachmittag für ein striktes Nachtflugverbot demonstriert. Etwa 40 Demonstranten davon liefen in den Terminal A und riefen: „Wir sind hier, wir sind laut, weil man uns die Ruhe klaut.“

Viele der Teilnehmer nutzten den Anlass, um auch ihren Unmut über den BER zum Ausdruck zu bringen. Auf den Transparenten stand: „Überflug tut selten gut“ und „Wowi in die Einflugschneise“.

Gabriele Weißpflog aus Pankow befürchtet, dass Tegel für immer bleiben wird. „Klar, der Flughafen ist viel praktischer“, sagt sie. „Jeder will doch von einem Flughafen abreisen, der nah am Zentrum liegt.“ Nur dass sie und ihre Familie mit einem „dauernden Brummen“ leben müssten. Auch nachts ab 23 Uhr, sagt sie, starten und landen die Maschinen. „Der Lärm hat weiter zugenommen.“

Flüge in den Randzeiten nehmen zu

Mehr als 500 Flugzeuge starten und landen jeden Monat zwischen 22 und 6 Uhr in Tegel. Ein Nachtflugverbot besteht zwischen 23 und 6 Uhr. Allerdings haben die Flüge in den Randzeiten seit 2011 stetig zugenommen.

Die Sorge der Demonstranten über einen dauerhaften Betrieb ist nicht unbegründet. Flughafenchef Hartmut Mehdorn hatte die Debatte Mitte März angestoßen. Erst am Freitag erklärte der Aufsichtsratschef der Flughafengesellschaft, Matthias Platzeck (SPD), dass der innerstädtische Flughafen „vielleicht zwei bis drei Monate“ länger offen bleibe. Bislang ist geplant, dass Tegel sechs Monate nach der BER-Eröffnung geschlossen wird.