Hochschulen

Berlin will 5000 Wohnplätze für Studenten schaffen

Das Land Berlin wird Grundstücke in der Nähe der Universitäten bereitstellen, damit das Studentenwerk günstig Wohnheime bauen kann. Das wäre ein Plus von fast 50 Prozent.

Foto: Uwe Zucchi / dpa

Der Regierende Bürgermeister und das Berliner Studentenwerk haben sich darauf verständigt, in den kommenden Jahren 5000 neue Wohnheimplätze für Studierende zu schaffen. Das ist das Ergebnis eines Gesprächs zwischen Klaus Wowereit (SPD) und der Geschäftsführerin des Studentenwerks, Petra Mai-Hartung, am Mittwoch.

Ziel soll es sein, die zusätzlichen Kapazitäten in der Nähe der Berliner Hochschulen zu schaffen, hieß es. Die Größenordnung von 5000 neuen Plätzen würde ein Plus von fast 50 Prozent für das Wohnraumangebot des Studentenwerks bedeuten. Bisher stehen in Berlin rund 9500 Wohnplätze bei der Landesanstalt zur Verfügung.

Um den Bau von bezahlbarem Wohnraum für die Studierenden zu ermöglichen, will der Senat dem Studentenwerk landeseigene Baugrundstücke zur Verfügung stellen. „Ich habe die Finanzverwaltung gebeten, zusammen mit dem Liegenschaftsfonds geeignete Grundstücke zu identifizieren“, sagte Wowereit nach dem Treffen am Mittwoch im Roten Rathaus.

„Es ist wichtig, dem Wohnungsbau auch in diesem Bereich neue Impulse zu geben“, so Wowereit weiter. Der Berliner Senat werde alles tun, das Studentenwerk in seinen Anstrengungen zu unterstützen. Dem Vernehmen nach soll es bereits Gespräche über konkrete Grundstücke zwischen dem Senat und dem Studentenwerk gegeben haben. Offizielle Auskünfte dazu gibt es jedoch nicht.

Derzeit nur für 6,5 Prozent der Studenten Wohnheimplätze

Der Bedarf an Plätzen ergibt sich laut Studentenwerk aus dem Verhältnis von Studierendenzahl und Wohnheimplätzen in Berlin. Derzeit gebe es nur für 6,5 Prozent der Studenten Wohnheimplätze in Berlin, bundesweit liegt der Anteil im Schnitt dagegen bei elf Prozent. Um diesen Prozentsatz auch in der Hauptstadt erreichen zu können, seien 5000 zusätzliche Plätze vonnöten, sagte Studentenwerk-Chefin Mai-Hartung.

Mittelfristig sollen zudem die landeseigenen Wohnungsgesellschaften helfen, Studenten günstigen Wohnraum zu verschaffen. Darüber gebe es eine Vereinbarung mit dem Senat, sagt BBU-Sprecher Eberhart.

Zum kommenden Wintersemester 2013/14 sollen demnach 500 zusätzliche Wohnungen aus dem Bestand nur an Studenten gegen Vorlage der Immatrikulationsbescheinigung vermietet werden.

Geplant sei außerdem eine gemeinsame Werbekampagne, die sich an die Studierenden richtet. Wie viele landeseigene Wohnungen derzeit schon an Studenten vermietet werden, dazu gibt es keine genauen Zahlen.

Rund 153.000 Menschen studieren in Berlin

Der Regierende Bürgermeister verwies auf Berlin als wachsende Stadt. „Wir freuen uns insbesondere über die große Zahl junger Menschen, die hier ihr Studium aufnehmen.“ Im vergangenen Herbst haben rund 24.500 Schulabgänger ihr Studium in Berlin begonnen. Insgesamt studieren in der Stadt rund 153.000 Menschen.

Weil mit der wachsenden Metropole Berlin auch die Konkurrenz um günstigen Wohnraum „immer härter“ werde, könnten Studentenwohnheime für Entlastung sorgen, sagte Wowereit. Petra Mai-Hartung ergänzte: „Moderne Studentenwohnheime, in denen sowohl Einzelzimmer wie auch wohngemeinschaftsähnliche Grundrisse möglich sind, sind eine echte Alternative zur schwierigen Suche auf dem freien Wohnungsmarkt.“ Die Studenten würden solche zusätzlichen Angebote dringend benötigen.

Zimmer beim Studentenwerk kostet 199 Euro Miete

Derzeit kostet ein Zimmer beim Studentenwerk im Durchschnitt 199 Euro im Monat. Auf der Warteliste dafür stehen laut Studentenwerk-Sprecher Jürgen Morgenstern aktuell 900 Interessenten. „Einige von ihnen warten bereits seit Monaten auf ein Zimmer in einem bestimmten Objekt, der Großteil von gut 600 Leuten braucht allerdings dringend irgendeinen Platz bei uns“, sagte Morgenstern. Eine Entspannung der Lage sei kurzfristig nicht in Sicht.

Besonders kritisch sei die Situation der Wohnungssuche oft für Studierende aus dem Ausland, die etwa mit einem Stipendium nach Berlin kämen. Als der Wohnungsmarkt noch weniger angespannt war, seien diese Studenten einfach bevorzugt in den Wohnheimen einquartiert worden, so Morgenstern. Heute sei es nicht mehr möglich, eine Gruppe bei der Platzvergabe durchweg zu bevorzugen, deshalb halte man nun begrenzte Kontingente für ausländische Bewerber bereit. Dieses Kontingent soll laut Morgenstern bei der Erweiterung der Kapazität ebenfalls mitwachsen.

Dass der Berliner Senat und das Studentenwerk mit mehr Wohnheimplätzen nun den richtigen Weg einschlagen, loben auch die Studierenden. „Der Vorstoß ist natürlich zu begrüßen, denn bezahlbarer Wohnraum ist sehr knapp“, sagte Arvid Peschel vom Allgemeinen Studierendenausschuss (ASta) der Freien Universität am Mittwoch. „Wir erwarten jetzt aber, dass das Land sich an seine Versprechungen hält und geeignete Grundstücke anbietet, nicht nur welche, die am Stadtrand fern der Hochschulen liegen“, so der Studentenvertreter.